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Dienstag, 14. Februar 2012

Mehr Frauen in Führungsverantwortung als ökonomische Notwendigkeit

WHU for Diversity – Erster Gender Balance Day an der WHU

Auf dem ersten Gender Balance Day, der am 10. und 11. Februar an  der WHU stattfand, diskutierten Studierende, Absolventinnen und Absolventen und junge Berufstätige mit Expertinnen aus Wissenschaft und Wirtschaft über die Geschlechtergleichstellung in der Geschäftswelt. Gesponsert wurde der Gender Balance Day von der In Praxi - WHU Alumni Association.

Während der Veranstaltung stand nicht nur die Gerechtigkeitsfrage oder die Notwendigkeit einer Quote im Vordergrund, sondern generell der Wert von Vielfältigkeit und Talententwicklung als Erfolgsfaktor. Referentinnen waren beispielweise Dr. Beate Degen, Founding Partner der Beratung AufsichtUndRat, Jutta von Falkenhausen, Rechtsanwältin und Vorstand von FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte, und Melody Harris-Jensbach, Vorstand und Leiterin Produktentwicklung und Lizenzen bei Esprit.

Jun.-Prof. Dr. Christina Günther (Lehrstuhl für Mikroökonomik und Industrieökonomik an der WHU) stellte bei ihrem Eröffnungsvortrag die Frage, ob Unternehmen die besten Talente einstellen, entwickeln und halten vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen. Die Wissenschaftlerin führte in ihrer Darstellung aus, dass Kreativität und Innovationsfähigkeit von Unternehmen der Schlüssel zu wirtschaftlichem Wachstum sei. Für Innovation werden die besten Talente benötigt, allerdings führe die Kluft zwischen den Geschlechtern (Gender Gap) nach wie vor dazu, dass die Hälfte der Menschheit nicht im selben Maße in Fach- und Führungspositionen vertreten sei. "Wir verlieren dadurch Wettbewerbsvorteile, gerade weil Studien belegen, dass gemischte Führungsteams erfolgreicher agieren", betonte Christina Günther. Unternehmen mit Frauen an der Spitze erzielen demnach höhere Renditen und machen mehr Gewinn als Unternehmen, in denen nur Männer in den Kontrollgremien sitzen. Global betrachtet erweise sich sogar, dass die Länder wirtschaftlich erfolgreicher sind, bei denen der Gender Gap geringer ist.

Neben der wissenschaftlichen Durchdringung und der Diskussion von Praxisbeispielen stand vor allem die Auseinandersetzung mit der Frage im Vordergrund, wie Karriere vor dem Hintergrund des Gender-Ungleichgewichtes gestaltet werden kann. In Workshops, die für verschiedene Gruppen von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen und Berufstätige konzipiert waren, wurden Erfahrungen ausgetauscht und Strategien für die eigene Karrieregestaltung besprochen.

Jutta von Falkenhausen beschrieb in ihrem Vortrag das Missverhältnis, dass nach wie vor kaum Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der Unternehmen anzutreffen seien. Dies habe sich trotz entsprechender Absichtserklärungen der Unternehmen in den letzten Jahren nicht geändert. „Gerade mit dem Blick auf die skandinavischen Länder kann gesagt werden, dass Quoten bisher das einzige sind, was etwas verändert hat“, betonte Jutta von Falkenhausen. „Quoten sollen aber nicht unqualifizierte Frauen nach oben bringen, sondern die hochqualifizierten Frauen sichtbar machen, auch damit junge Frauen vielfältigere Rollenvorbilder haben.“

Melody Harris-Jensbach ging in ihrem Vortrag auf die Stereotypen männlicher und weiblicher Führungsstile ein. "Als Frau in einem Vorstand bringe ich emotionale Intelligenz ein und bin nah am Puls und den Befindlichkeiten der Belegschaft. Dies hilft mir, Teams zu motivieren und auf ein Ziel einzuschwören". Dies heiße aber nicht, dass sie nicht mit rationaler Intelligenz und Autorität auch durchgreife. "Ich habe wenige Männer in der oberen Führungsebene erlebt, die toughere Entscheidungen als ich treffen", betonte Melody Harris-Jensbach. Wirklich erfolgreich könne nur die Führungskraft sein, die sowohl "Fühler" als auch Denker sei, unabhängig vom Geschlecht.

Dr. Beate Degen hob in ihrem Vortrag hervor, dass Gender Balance vor allem mit Diversity zu tun habe. "Es geht darum, verschiedene Perspektiven und Sichtweisen zu integrieren, und das hat nicht nur mit Männern und Frauen zu tun". Studien zeigen demnach, dass Manager vor allem die Mitarbeiter einstellen, die ihnen am ähnlichsten sind. "Damit wird nicht der gesamte Brainpool und das volle Potenzial ausgeschöpft, die für Innovation nötig sind", so Degen.

Konsens war, dass eine Veränderung einen gesellschaftlichen Wandel voraussetzt, der von Politik, Gesellschaft und Unternehmen gemeinsam getragen werden muss. Es wurde der Wunsch deutlich, das wichtige Thema Gender Balance unter dem Dach von "WHU for Diversity" weiter zu behandeln und zu einer Veränderung in diesem Bereich beizutragen.