Finance & Accounting

Die Rolle interner Teams bei Fusionen und Übernahmen

Wie das Team und dessen Struktur die Erfolgsfaktoren bei Firmenübernahmen beeinflussen

Bringen die Teams, die sich in Großunternehmen um Fusionen und Übernahmen kümmern, dem Prozess einen zusätzlichen Mehrwert? Und welche Faktoren in ihrer Herangehensweise und ihrer Zusammensetzung begünstigen erfolgreiche Abläufe? Diesen Fragen widmet sich eine wissenschaftliche Studie, die Unternehmen von der Anbahnung eines Deals bis hin zur abschließenden Bewertung der Übernahme darauf hin untersucht hat, wie sie den Übernahmeprozess umsetzten. Dazu wurden die größten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Teams, die intern für die Übernahmen verantwortlich sind, dann bessere Ergebnisse erzielen, wenn sie ihren Fokus auf wirtschaftliche Grundprinzipien legen, unterschiedliche Ziele herausfiltern, länger verhandeln und sich an vorab definierten Kennzahlen orientieren. Aber auch Besonderheiten innerhalb der Teams spielen eine Rolle.

Durch die volkswirtschaftliche Bedeutsamkeit von Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions oder M&A) gibt es in diesem Bereich mittlerweile umfangreiche Forschungsergebnisse, die die treibenden Kräfte hinter den Übernahmen und den damit verbundenen Gewinnen analysieren. Trotz der umfangreichen Literatur dazu, sind noch zahlreiche Aspekte verborgen geblieben. Einige Studien belegen jedoch, dass die M&A-Praktiken eines Unternehmens wesentlichen Einfluss auf die Höhe der Rendite nach der Übernahme haben. Obwohl der Vorgehensweise eine übergeordnete Bedeutung bei Firmenübernahmen zukommt, blieben die detaillierten Komponenten dessen lange Zeit unerforscht, was zum Teil auf einen Mangel an verfügbaren Daten zurückzuführen ist. Durch direkte Einblicke und Umfragen in einer repräsentativen Stichprobe der größten Unternehmen der DACH-Region gelang es uns erstmals ausführlich, die Tätigkeit und Struktur von Teams zu analysieren, die innerhalb der Konzerne mit M&A betraut sind.

Vorgehensweise der M&A-Teams hat Einfluss auf die Rendite

Die Antworten von 65 der größten Firmen in der DACH-Region deuten darauf hin, dass interne M&A-Teams eine aktive Rolle bei der Gestaltung von Übernahmeaktivitäten spielen. Ihre spezifische Vorgehensweise während des Prozesses sorgt dafür, dass im Anschluss an die Übernahme eine höhere oder geringere Rendite zu Buche schlägt. Auch die Charakteristika des jeweiligen Teams haben Einfluss auf die Renditeerwartung. Internen Teams gelingt es häufig, bei der Anbahnung der Firmenübernahme und auch nach deren Abschluss einen Mehrwert für ihr Unternehmen zu schaffen. Jedoch gibt es keine Belege dafür, dass das Hinzuziehen externer Berater für eine bessere Rendite sorgt.

Wie wirken sich Motivation und Eigenschaften des Teams auf die Rendite aus?

Bei der Initiierung einer Übernahme führten die meisten Befragten aus M&A-Teams ökonomische Gründe als Motivation für die Übernahme an. Einige stellten jedoch auch verhaltensbedingte Gründe heraus, wie zum Beispiel, dass sich eine günstige Gelegenheit geboten habe. Übernahmen von Firmen zeitigten dann eine höhere Rendite, wenn zuvor die ökonomischen Beweggründe betont wurden. Wurden von den Teams verhaltensbedingte Gründe genannt, warfen die Übernahmen eine geringere Rendite ab.

Unternehmen als solche ergreifen bei der Auswahl ihres Übernahmeziels gerne selbst die Initiative. Bis ein M&A-Prozess erfolgreich zustande kommt, werden durchschnittlich 18 potenzielle Ziele geprüft. Je selektiver dabei vorgegangen wird, desto höher sind die Ankündigungseffekte. So liegt die durchschnittliche Rendite, die schon durch die Ankündigung der Übernahme erzielt wird, im Durchschnitt um 0,7 Prozent höher als bei weniger eingehend geprüften Übernahmen. Überraschenderweise prüfen Teams mit größerer Erfahrung im Bereich Finanzen weniger ausgiebig potenzielle Übernahmeziele und lassen sich dabei stärker von verhaltensorientierten als von wirtschaftlichen Gründen leiten. In Verbindung mit dem Nachweis, dass solche Teams am Ende auch niedrigere Renditen erzielen, scheint die größere Erfahrung in Finanzangelegenheiten sich negativ auszuwirken und mit Selbstüberschätzung einherzugehen.  

Weiterhin profitieren Käufer, die während der Übernahme länger verhandelten, von höheren Renditen bei Bekanntmachung des Geschäfts. Auch dort zeigte sich, dass Teams mit umfangreicher Finanzexpertise zu einer kürzeren Verhandlungsdauer neigten. Wurde der Zusammenschluss von Firmen nachträglich analysiert, gab ein Teil dieser Teams an, dass das Erreichen der wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens der wichtigste Indikator für eine erfolgreiche Übernahme gewesen sei. Andere Teams nannten die Zufriedenheit des CEOs als wichtigsten Indikator. Es waren jene Teams die den Geschäftsplan als wichtiger einschätzten, die eine höhere Rendite erzielten als ihre Kollegen, die auf die Zufriedenheit des CEOs setzten. Dabei zeigte sich außerdem, dass die Teams mit längerer Betriebszugehörigkeit eher auf die Verwirklichung des Wirtschaftsplans wertlegten.

Teamfaktoren haben großen Einfluss auf die Bilanz der Akquisition

Jedoch können sich auch latente Teamfaktoren auf die dauerhaften Effekte für das erwerbende Unternehmen auswirken und die Firmenwerte nach der Fusion beeinflussen. Die Studie zeigt, dass bei Unternehmen, die eine Fusion oder Übernahme vollzogen haben, etwa 54 Prozent der bleibenden Effekte nach Ankündigung der Renditeerwartung auf Faktoren innerhalb des M&A-Teams zurückzuführen sind.   

Tipps für Praktiker
  • Firmenspezifische, interne Faktoren in Unternehmen sind für das Ergebnis einer Firmenübernahme bedeutend.
  • Bestimmte Charakteristika interner M&A-Teams können sich positiv oder negativ auf die verschiedenen Phasen des M&A-Prozesses auswirken. 
  • Dadurch, dass Unternehmen besser verstehen, welche Teameigenschaften zu besseren M&A-Ergebnissen führen, können sie ihre internen Teams entsprechend besser gestalten.
  • Die Einbindung externer Berater in den M&A-Prozess ist nicht notwendigerweise mit besseren Renditen verbunden!

  • Übersteigertes Selbstvertrauen von CEOs ist häufig ein Grund dafür, dass ein großer Teil der M&A-Deals nachträglich scheitert. Das kann auch bei internen Teams, die den M&A-Prozess abwickeln, eine Rolle spielen. Daher ist es wichtig, den internen M&A-Managern die richtigen Anreize zu geben.

Literaturverweis 
Autoren

Prof. Dr. Nihat Aktas

Nihat Aktas ist seit 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Mergers and Acquisitions an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Er unterrichtet Unternehmensbewertung und Fusionen und Übernahmen in verschiedenen Programmen. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich hauptsächlich auf Fusionen und Übernahmen aus der Perspektive der Unternehmensfinanzierung. Er hat zahlreiche Publikationen in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Professor Aktas ist auch Mitglied des Aufsichtsrats eines mittelständischen Unternehmens, das in der chemischen Industrie tätig ist.

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Prof. Dr. Burcin Yurtoglu

Burcin Yurtoglu ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls für Corporate Finance an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Er unterrichtet verschiedene Kurse im Bereich Finanzen im MSc- und MBA-Programm. Sein hauptsächliches Forschungsinteresse gilt den Bereichen Unternehmensführung und Unternehmensfinanzen.

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