WHU Allgemein

„Der Einfluss von Corona auf die Demokratie“

Prof. Dr. Markus Rudolf spricht bei den Koblenzer Wochen der Demokratie

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Der Stadt Koblenz als Veranstalter der Koblenzer Wochen der Demokratie war es in diesem Jahr ein besonderes Anliegen, das Event zwischen dem 1. September und dem 3. Oktober trotz oder gerade wegen Corona stattfinden zu lassen. Denn das Motto „75 Jahre später – Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“ ist nicht nur von besonderer Aktualität, weil 2020 der Zweite Weltkrieg seit 75 Jahren vorüber ist. Mehr denn je haben die weltweite Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen für die Bürger die Debatte um die freiheitlich-demokratische Grundordnung entzündet. Extreme Kräfte versuchen, die Corona-Krise auszunutzen, um die Deutungshoheit darüber zu gewinnen. Die Gesellschaften in Deutschland und anderen Ländern polarisieren sich zunehmend. Zum Thema „Der Einfluss von Corona auf die Demokratie“ sprach in diesem Jahr auch Prof. Dr. Markus Rudolf, Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management. Sein Vortrag konnte wahlweise auf dem Campus in Vallendar oder online im hybriden Format angehört werden.

Mit Grafiken aus unterschiedlichen Quellen illustrierte Markus Rudolf die Handhabung der Corona-Maßnahmen in verschiedenen Ländern und deren Auswirkungen auf die Neuinfektionen und die Sterblichkeit. Bereits seit Beginn der Pandemie hat er die globalen Entwicklungen analysiert und für ausgewählte Länder simuliert. Markus Rudolf thematisierte, dass die Unfreiheit in der Welt durch autoritäre Regierungen zunimmt, sei dies in Hongkong, Weißrussland oder selbst in der EU – beispielsweise in Ungarn. Diese Entwicklungen seien nicht zuletzt auf illegitime Mittel zurückzuführen, die unter dem Deckmantel der Corona-Prävention ergriffen würden. Verschwörungstheorien seien ein weiteres Symptom, dass aus der Gesellschaft heraus an den Grundpfeilern der Demokratie nage.

Zudem zeigte der Statistikexperte, wie viel tatsächlich in den vergangenen Jahrzehnten durch internationale Zusammenarbeit global erreicht wurde: So konnte beispielsweise die extreme Armut deutlich reduziert und auch die Kindersterblichkeit entscheidend zurückgedrängt werden. Gleichzeitig stiegen der Zugang zu grundlegender Bildung, die Alphabetisierungsrate und die Zahl der Impfungen stark an. Erfolge, die auch auf die bis ins Jahr 2000 zunehmende Anzahl demokratisch verfasster Staaten zurückzuführen sind. In seinem Vortrag stellte der Rektor der WHU auch heraus, dass die reichsten Gesellschaften einem demokratischen Modell folgten und dass Demokratie und Wohlstand einander bedingten. Beispiele wie China etwa zeigten zwar, dass auch autokratische Staaten in der Breite Wohlstand generieren könnten, jedoch geht Rudolf davon aus, dass nur Demokratien diesen auch auf Dauer zu erhalten vermögen.

Wie hochaktuell und brisant das Thema ist, zeigte der lebhafte Austausch unter den Zuhörern, der sich nach Ende des Vortrags entfaltete. Viele Menschen beschäftigt dieses Thema in Zeiten sich international ausbreitender Unwägbarkeiten sichtbar, und sie konnten durch den Vortrag und die anschließende Diskussion viele neue Erkenntnisse zur besseren Einordnung der Vorgänge erhalten. „Das Wichtigste ist, dass wir wachsam bleiben“, war Rudolfs abschließende Empfehlung.

Die Koblenzer Wochen der Demokratie wurden 2018 das erste Mal veranstaltet und feierten damit exakt zum 70. Jahrestag der Rittersturz-Konferenz ihren Auftakt. Bei der Konferenz 1948 fanden in Koblenz an historischer Stätte entscheidende Beratungen über die Ausgestaltung und Verabschiedung des Grundgesetzes statt. Die Stadt ist seitdem ein bedeutender Bestandteil der Entstehungsgeschichte der Demokratie in Deutschland. Jedes Jahr beteiligen sich bei den Koblenzer Wochen der Demokratie viele Institutionen, Initiativen und Vereine an der Organisation und stellen online und offline ein reichhaltiges Angebot rund um die Werte der Demokratie zusammen.