Female Leadership

Frauen im Executive MBA: Im Gespräch mit Judith Hoffmann

Für Judith Hoffmann war ihre Elternzeit eine gute Gelegenheit, einen EMBA zu absolvieren – sowohl beruflich als auch privat.

Judith Hoffmann startete das Kellogg-WHU Executive MBA Program im September 2016. Zu Beginn ihres zweiten Studienjahres im November 2017 wurden sie und ihr Ehemann Eltern von Zwillingen. Für Judith war die Elternzeit eine gute Gelegenheit, einen EMBA zu absolvieren – sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht. Im Oktober 2018, sechs Monate vor Abschluss ihres Studiums, sprach sie mit uns über ihre Beweggründe für ein EMBA-Studium, ihre Ziele für das Studium sowie darüber, was sie vom Hörsaal direkt für ihre Arbeit mitnehmen konnte.

„Ich arbeite für Samsung im B2B-Bereich.“

Das heißt, ich bin verantwortlich für einen Teil des B2B-Vertriebs im Bereich Mobiltelefone sowie für alle Produkte für Geschäftskunden im Bereich Mobile, speziell der Open Market. Mein Fokus liegt auf dem deutschen Markt. Wir sind ein kleines Team, das sich um Kunden aus diesem Bereich kümmert.

„Ich habe Marketing und Medien studiert und hatte schon immer den Wunsch, zusätzlich noch weitere und fundierte Wirtschaftskenntnisse anzueignen.“

Ich habe kein Studium der Wirtschaftswissenschaften absolviert – daher habe ich des Öfteren schon ein Full- oder Part-Time MBA Programm in Erwägung gezogen. Am Ende meines Studiums, also vor dem Einstieg ins Berufsleben, habe ich an einem Fernkurs teilgenommen und danach noch weitere Kurzlehrgänge gemacht. Irgendwie war aber nicht genug Motivation vorhanden. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mehr Zeit habe und auch mehr finanzielle Mittel vorhanden sind. Daher wollte ich das Vorhaben endlich in die Tat umsetzen und meine Karriere voranbringen. Ich habe mich genauer umgeschaut und bin dann zum Entschluss gekommen: Ich muss mich voll und ganz einbringen. Das bedeutete, diese Investition zu tätigen, sich der Sache zu verschreiben und es konsequent umzusetzen.

„Ich habe nach einem Studiengang gesucht, der Flexibilität bietet und im Ranking unter den Top 30 ist.“

Mir war immer klar: Wenn ich einen Executive MBA mache, dann sollte es auch an einer führenden Hochschule sein. Daher habe ich aus den Rankings eine Liste mit allen Hochschulen zusammengestellt, die für mich finanziell in Frage kamen, und dann eine weitere Liste mit all den Orten, die ich gut erreichen konnte. Es sollte außerdem ein flexibler Studiengang sein, den ich mit meinen Arbeitszeiten in Einklang bringen konnte. Es ergab sich eine Shortlist, auf der vier Hochschulen standen. Mit allen stand ich im Austausch, beworben habe ich mich bei zweien. Am Ende habe ich mich dann für das Kellogg-WHU Executive MBA Program entschieden.

„Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich bisher in Europa beschritten. Daher wollte ich mehr über den US-Markt erfahren.“

Zwei Faktoren haben eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung für das Kellogg-WHU Executive MBA Program gespielt. Das war zum einen die Tatsache, dass der Studiengang Präsenzveranstaltungen auf dem Campus vorsieht. Ich wollte nicht bloß ein paar Tage an einem schönen Ort verbringen und anschließend alle weiteren Kurse online machen müssen, sondern mir war es wichtig, umgeben von ähnlich motivierten Menschen zu sein. Zum anderen habe ich einen Studiengang gesucht, der den Schwerpunkt auf globale Märkte legt und so meine bisherigen beruflichen Erfahrungswerte ergänzt, die sich eher auf Europa erstreckten.

„Mein Ziel war es, mit interessanten Persönlichkeiten zusammenzukommen sowie wirtschaftliche Grundlagen zu erlernen. Beides habe ich jetzt schon erreicht.“

Mir ging es darum, auf Menschen mit einem ähnlichen Mindset zu treffen, die gleichzeitig aber meine eigene Denkweise kritisch hinterfragen und mir unterschiedliche Sichtweisen aufzeigen. Und das war wirklich vom ersten Tag an der Fall. Als jemand, der zwar reichlich berufliche Erfahrung aber keinen betriebswirtschaftlichen oder Business-Background hat, sehe ich den EMBA als ideale Möglichkeit, wichtige Grundlagen zu erwerben und beruflich den nächsten Schritt machen zu können. Die Grundlagenkurse haben mir sehr gefallen. Mit dem Finanzbereich hatte ich zuvor zwar kaum zu tun, habe aber gemerkt, dass mir der Bereich Freude macht. Sowohl der Kurs „Business Strategies“ als auch „Decision Making under Uncertainty“ waren hervorragend, wobei der letztere eine Herausforderung für mich war. Und auch wenn ich bei diesem im Vergleich zu anderen Kursen nicht so gut abgeschnitten habe, hat er mir trotzdem Spaß gemacht. Es macht Freude, sich intensiv mit Zahlen zu beschäftigen.

„Ich bin erstaunt über die Diskrepanz zwischen dem, was in der Theorie vermittelt wird, und was man konkret am Arbeitsplatz vorfindet.“

Was ich definitiv mitnehmen konnte, ist der Anspruch und die Entschlossenheit, mich als Führungskraft weiterzuentwickeln und das, was ich gelernt habe, auch in der Praxis umzusetzen – vor allem im Hinblick auf Personalorganisation, ethische Grundsätze und Führungsqualitäten. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, als Führungskraft noch besser zu werden und gleichzeitig auch verstärkt konkrete Zahlen mit einzubeziehen. Auch wenn ich nicht immer die Entscheidungsträgerin bin, so bin ich durchaus der Auffassung, dass sich Fortschritte erst dann einstellen und sichtbar werden, wenn auch die Zahlen Sinn ergeben.

„In der zweiten Hälfte des ersten Studienjahres wurde ich schwanger und habe dann Mitte November 2017 Zwillinge bekommen.“

Ich nutze meine Elternzeit dafür, zu studieren und werde dann im April zu meiner Arbeitsstelle zurückkehren. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich, wieder zu arbeiten. Andererseits bin ich traurig darüber, die Kinder meinem Mann zu überlassen und nicht bei ihnen sein zu können. Idealerweise würde ich gerne noch einen weiteren Monat mit ihnen verbringen. Aber es ist auch gut, zurück am Arbeitsplatz zu sein. Da die Zwillinge noch so jung sind, begleitet mich mein Mann nach Vallendar während des Studiums und kümmert sich dort tagsüber um die Kinder. Abends dann kommen wir als Familie wieder zusammen.

Man muss unbedingt die richtige Person heiraten, dann klappt es auch! – Aber Spaß beiseite: Die Ehepartner müssen sich unbedingt gegenseitig Unterstützung bieten, damit beide auch den richtigen Weg gehen können. Für uns Frauen als Teil der Arbeitswelt hängt eine berufliche Gleichstellung in der Zukunft auch davon ab, wie sehr die Männer ihrer Verantwortung nachkommen und gleichermaßen anpacken. Sowohl Frauen als auch Männer müssen sich dies bewusstmachen. Erst dann werden wir auch wirklich Fortschritte bei diesem Thema erzielen.