Entrepreneurship

Vom Ingenieur zum Spielzeughersteller: Im Gespräch mit Alumnus Marcus Stahl

Wir wollten von Marcus Stahl erfahren, wie genau die Idee entstanden ist, die Toniebox, ein einzigartiges Audiogerät für Kinder sowie die dazugehörenden Hörfiguren, sogenannte Tonies, zu entwickeln.

Marcus Stahl schloss im Jahr 2000 erfolgreich das Kellogg-WHU EMBA Program ab. Im Anschluss daran arbeitete er in verantwortungsvoller Position beim Telekommunikationskonzern Nokia. Mittlerweile ist er Mitgründer der Firma Boxine, die die Toniebox, ein einzigartiges Audiogerät für Kinder sowie die dazugehörenden Hörfiguren, sogenannte Tonies, entwickelt hat. Für den innovativen Ansatz im Zusammenhang mit Abspielgeräten für Kinder wurde das Unternehmen 2016 mit dem Red Dot Design Award, 2017 mit dem iF Design Award und dem Deutschen Designpreis sowie 2019 mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. Im Gespräch wollten wir von ihm erfahren, wie die originelle Idee entstanden ist, wie sein beruflicher Werdegang bis dato aussah und wie das EMBA-Studium ihm auf diesem Weg geholfen hat.

Marcus Stahl war die ersten 14 Jahre seiner Karriere bei Nokia als Telekommunikationsingenieur tätig, wobei er vier Jahre den Automotive-Bereich verantwortete. In diesem Bereich drehte sich alles darum, Mobiltechnologie in Autos zu integrieren. „Es war damals wirklich der Anfang von Konnektivität in Fahrzeugen“, erklärt er. Marcus Stahl leitete ein großes Team bei Nokia, das für die Entwicklung und den Vertrieb von Kommunikationstechnologie zuständig war. Im Anschluss daran gründete er einen Automobilzulieferer, der sich auf Wireless Charging und Fahrzeugantennen spezialisierte. Noch während seiner Tätigkeit bei Nokia nutzte er die Gelegenheit, am Kellogg-WHU EMBA Program teilzunehmen. „Das hat für einen noch größeren Kompetenzaufbau gesorgt und mir das notwendige Werkzeug an die Hand gegeben. Im Anschluss daran wurde mir bei Nokia mit der alleinigen Leitung des Automotive-Geschäfts auch direkt mehr Verantwortung übertragen“, sagt er.

Einige Jahre später unterhielt er sich in der Kita, in die seine Kinder damals gingen, mit einem Freund über ihre eigene Unzufriedenheit in Bezug auf CDs, Kassetten und andere Abspielgeräte, die ihre Kinder nutzten. „Mein Freund Patric ist sehr kreativ und gemeinsam kamen wir auf die Idee eines digitalen Geräts, welches Kinder selbst bedienen können – ohne große Umstände, Kratzer oder Probleme mit der Speicherkapazität für die Inhalte.“ Daher fiel ihnen die Entscheidung relativ leicht, mit der Boxine GmbH ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Im Jahr 2013 wurde dann die Toniebox, das finale Produkt, entwickelt. Beide waren zum damaligen Zeitpunkt von ihren jeweiligen Jobs frustriert und bereit für eine Veränderung. „Die Entwicklungszeit betrug drei Jahre – im Jahr 2016 sind wir dann auf den Markt gegangen. Wir mussten uns wirklich genau überlegen, wie das Produkt funktionieren sollte, wie die Hörfiguren, die man auf die Toniebox setzt, aussehen sollten und wie die Technologie interagieren sollte. Dazu kam noch der Erwerb der Lizenzen sowohl für die Figuren als auch für die Audiotechnik.

Das Innovative am Design der Toniebox ist die optimale Verknüpfung von Technologie und vereinfachter Bedienung. Die Toniebox selbst ist weich, zugleich aber auch robust. Um den Audioinhalt abzuspielen, müssen Kinder einfach die Toniefigur, die einen eingebauten Magnet hat, auf die Box platzieren. Die Figur lädt dann den Inhalt herunter und spielt ihn ab. Dass Marcus Stahl mit der Toniebox diesen nächsten großen Schritt machen konnte, verdankt er einer Kombination aus langjähriger Berufserfahrung, Know-how sowie den Kompetenzen, die ihm im Rahmen des Kellogg-WHU EMBA Program vermittelt wurden. „Vor dem EMBA hatte ich immer wieder Phasen, in denen ich hinterfragt habe, was ich mache und ob ich nicht noch mehr erreichen kann. Der EMBA war in dieser Hinsicht genau die richtige Entscheidung, da er entscheidend dazu beigetragen hat, meinen beruflichen Horizont um ein Vielfaches zu erweitern. Ich konnte mir nicht nur Kenntnisse aus dem Finanzbereich aneignen, in dem ich als Ingenieur vermutlich nicht so stark war, sondern bekam auch die Möglichkeit, Teil eines außergewöhnlichen Netzwerks zu werden. Von diesem Netzwerk profitiere ich noch heute – ein Alumnus der WHU entwirft beispielweise unser Zubehör! Wenn man es möglich machen kann, am Kellogg-WHU EMBA Program teilzunehmen, dann sollte man diese Chance auch unbedingt wahrnehmen.“

Damals waren besonders die Schwerpunkte des Studiums für ihn reizvoll. „Die Schwerpunkte damals lagen auf den Bereichen Marketing, Finanzen sowie E-Commerce, was eine hervorragende Ergänzung zu meiner Ausbildung bis dato und meinen beruflichen Erfahrungswerten war. Aber auch den internationalen Ansatz fand ich attraktiv. Rückblickend kann ich sagen, dass der EMBA mir in unternehmerischer Hinsicht genau den richtigen Push, die Motivation und das Selbstvertrauen gegeben hat, mein eigenes Unternehmen aufzubauen.“

Als Unternehmen kann Boxine optimistisch in die Zukunft blicken – denn die Firma wächst Jahr für Jahr und baut auch international Standorte auf. „Wir haben mit zwei Leuten angefangen und sind mittlerweile 100,“ sagt er. „Etwas ganz Neues für Kinder zu schaffen und gleichzeitig zu sehen, wie sich das Unternehmen international entwickelt, ist wirklich eine schöne Erfahrung. Ich hoffe wirklich, dass ich dies bis zum Ruhestand machen kann – die Arbeit liegt mir wirklich am Herzen. Ich genieße den Weg und die Weiterentwicklung wirklich sehr.“