Sustainability

AMES Foundation schafft Reservate in Südafrika

WHU-Alumnus Dr. Marlon Braumann setzt sich für den Schutz bedrohter Tierarten ein

1. Lieber Marlon, die AMES Foundation setzt sich für den nachhaltigen Schutz des Wildlebens in Afrika ein. Woher kommt die Faszination für die Tiere dort und was macht diese besonders schützenswert?

Meine Faszination gilt seit meiner Kindheit allen Tieren. Keine Tierart ist schützenswerter als eine andere. Im Alter von sieben Jahren war ich das erste Mal in Afrika und habe Tiere so richtig in freier Wildbahn erlebt. Das hat mich geprägt. Damals wollte ich immer Tierarzt werden, was sich irgendwann geändert hat. Aber die Faszination für die Tiere ist geblieben. Sicherlich auch, weil mein Vater in Südafrika lebt, ist meine Bindung zu diesem Land nie abgerissen.

Schützenswert sind Tiere für mich generell. Auch die Lebensräume von Tigern in Asien oder Eisbären am Nordpol sollten geschützt werden. Mit diesen Tieren habe ich jedoch weniger Berührungspunkte. Meine Leidenschaft gilt den Tieren in Afrika, und dort haben wir deshalb auch mit AMES begonnen.

2. Wie kann man sich die Maßnahmen in Afrika konkret vorstellen? Wer kann vor Ort helfen, und wie sehen die Aufgaben der Guardians aus?

Nun, was muss vor Ort passieren? Die Antwort darauf erscheint erst einmal verhältnismäßig leicht: Wir müssen so viel Land unter Kontrolle bekommen, wie nur möglich, um ausreichenden Lebensraum für geschützte Tierarten zu bieten. Wilderer sind nach wie vor neben dem Rückgang des Lebensraumes die Hauptbedrohung – und vor ihnen müssen wir Schutz bieten.

Ansonsten haben wir drei Säulen, an denen sich unsere Arbeit in Südafrika orientiert: eine operative, eine technologische und eine legislative. Operativ geht es um die tägliche Arbeit vor Ort. Wir haben eine sechs Mann starke Anti-Wilderer-Einheit ausgebildet, die Tag und Nacht unsere Nashörner bewacht. In einer Bildungseinrichtung werden von uns weitere Ranger ausgebildet. Für die Menschen schaffen wir vor Ort so auch Arbeitsplätze. Insgesamt arbeiten 16 Mitarbeiter für AMES in Südafrika. Außerdem haben wir ein Waisenhaus für Tiere errichtet, was enorm wichtig ist. Denn wenn die Eltern eines Jungtieres gewildert werden, sterben meist auch die Jungtiere, da sie allein oftmals noch nicht überlebensfähig sind.

Zudem möchten wir einflussreiche Entscheider und Unternehmer von vor Ort mit ins Boot holen. Unsere Community, die Ende des Jahres aus 100 Unternehmern aus Europa bestehen wird, stellt eine hochinteressante Kontaktgruppe dar. Über dieses Einfallstor werden wir versuchen, auch die Entscheider vor Ort für das Thema Tierschutz zu sensibilisieren und so unseren Impact zu vergrößern.

Unsere sogenannten Guardians unterstützen AMES mit einem jährlichen Beitrag von mindestens 3.000 Euro über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Die durchschnittliche Spendensumme fällt aber deutlich höher aus. Das zeigt, dass unsere Guardians auch wirklich an AMES glauben.

3. Wer sind eure Adressaten als Unterstützer und was müssen sie mitbringen, um zu eurem Projekt zu passen?

Die Adressaten sind zunächst einmal Menschen, die ähnlich denken und mit denen es das Leben ganz gut gemeint hat. Als ich die AMES Foundation 2020 gegründet habe, habe ich zunächst einmal mein eigenes Netzwerk angesprochen, um Unternehmer, Investoren und Partner dafür zu gewinnen. Diese Community verfügt mittlerweile selbst über eine große Anziehungskraft.

Wichtig ist mir dabei aber, dass es sich absolut nicht um eine Netzwerkveranstaltung handelt, auch wenn man sich abends am Lagerfeuer natürlich gerne austauschen kann und soll. Alle, die mitmachen möchten, müssen auch mit ganzem Herzen dabei sein und sich mit unserer Mission identifizieren können.

4. 2020 gegründet, ist die AMES Foundation ja noch recht jung. Was wurde bereits erreicht und woran wird aktuell gearbeitet?

In der Kürze der Zeit konnten wir bereits einiges erreichen. So ist die AMES Foundation eine in Deutschland anerkannte Stiftung, die auch vom Finanzamt kontrolliert wird. Das ist für uns ein absolutes Qualitätsmerkmal und zeigt, dass wir es ernst meinen. Zudem entwickeln wir die AMES Community stetig weiter: Von derzeit knapp 80 Guardians werden wir noch in diesem Jahr auf mindestens 100 wachsen. Außerdem ist es uns bereits gelungen, 1.600 Hektar Land für unser erstes Reservat unter Kontrolle zu bringen und vor Ort eine Ausbildungsstätte aufzubauen.

5. Die AMES Foundation hat auch Einfluss auf das Leben der Menschen vor Ort. Wie unterstützt AMES sie bei der Schaffung einer Lebensgrundlage und welchen Mehrwert bietet sie?

Wir beschäftigen in unserem Reservat derzeit schon 16 Menschen aus Südafrika. Heißt: Wir fokussieren uns auf Tiere, schaffen aber dadurch Arbeitsplätze und Perspektiven. Darüber hinaus vermitteln wir Menschen in den umliegenden Dörfern beispielsweise die Basics der Bienenzucht. Diese neu geschaffenen Lebensgrundlagen helfen auch beim Kampf gegen die Wilderei. Die Menschen vor Ort sollen uns als Freund verstehen. So versorgen sie uns von Zeit zu Zeit auch mit Informationen, wenn irgendwo über Wilderei gesprochen wird. Denn Wildern ist nie eine spontane Aktion. Es ist immer geplant, und die Arbeit gegen Wilderei beginnt bei der Arbeit mit den Menschen vor Ort.

6. Euch kommt es auch auf die Nachhaltigkeit der Maßnahmen an. Wie tragt ihr dafür Sorge, dass das, was ihr aufbaut, auch noch die kommenden Jahre und Jahrzehnte überdauert?

Es ging mir von Anfang an darum, den Aufbau der Organisation auf mehrere Schultern zu verteilen. Wir haben mittlerweile ein breites Team im Hintergrund, sechs weitere Schulterpaare sozusagen. Außerdem bilden wir vor Ort ja selbst aus. Und unsere Ranger möchten wir dann auch für höhere Aufgaben qualifizieren.

Auf Dauer müssen wir die Spendenbasis aber hinter uns lassen. Das Projekt muss sich selbst tragen. Einnahmen aus dem Tourismus werden dabei sicher eine Säule sein. Weitere sind geplant.

7. Andernorts gibt es Beispiele, dass man durch Tourismus das Wildern unattraktiv macht und so eine neue Einnahmequelle für die Bevölkerung erschließt. Ist das auch eine Vorgehensweise für euch und gibt es in diese Richtung bereits Bestrebungen?

Wir werden den Tourismus sicher als Einnahmequelle für unser Reservat nutzen. Schon jetzt gibt es dort eine Lodge, die von einer Gruppe von bis zu zehn Personen gebucht werden kann. Wir möchten darüber hinaus aber auch noch weitere Reservate erschließen. Und auch dort sollen Programme entwickelt werden, bei denen Touristen etwas erleben können. Wir setzen zusätzlich auf Bildung und Ökologie. Dafür bauen wir gerade unterschiedliche Module auf. Bislang ist es so, dass ich etwa fünf Mal jährlich nach Südafrika fliege und kleinere Gruppen auf die Reise mitnehme. Das kommt super an und zeigt auch noch einmal, dass es den Guardians, die sich bei uns engagieren, wirklich um die Sache geht. Bis zum Ende des Jahres werden noch fünf Reisen stattfinden und insgesamt fast 50 Menschen das erste AMES Reservat besucht haben.