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26.11.2020

5 Fragen an flaschenpost

Mit ihrem Getränkesofortlieferdienst eilen Christopher Huesmann und Niklas Plath in nur vier Jahren an die Spitze

Wie praktisch es für viele Menschen ist, sich Produkte direkt nach Hause liefern zu lassen, hat sich nicht erst durch die Corona-Pandemie gezeigt. Dennoch hat sie vielen E-Commerce-Plattformen und Lieferdiensten noch einmal einen enormen Schub gegeben. So auch Deutschlands erstem Getränkesofortlieferdienst „flaschenpost“, der vom Gründungsteam um die WHU-Absolventen Christopher Huesmann und Niklas Plath aufgebaut wurde. In nur vier Jahren haben sie das Unternehmen, das sämtliche Arten von Getränken in kürzester Zeit individuell zu den Menschen nach Hause liefert, gegründet und an die Spitze des Marktes geführt. Nun haben beide Alumni den Exit geschafft, nachdem Dr. Oetker das Unternehmen flaschenpost gekauft hat. Als CMO und COO bleiben die beiden Jungunternehmer aber weiterhin mit an Bord und haben auch weiterhin Expansionspläne.

1. Lieber Christopher, lieber Niklas, die spannendste Frage bei einem so erfolgreichen Startup zuerst: Was macht die flaschenpost anders? Der Markt für Lieferdienste ist hart umkämpft, muss man da nicht eine enorme Konkurrenz fürchten?<o:p></o:p>

Christopher Huesmann: Die wesentliche Besonderheit ist zunächst einmal die Geschäftsidee: Als die flaschenpost 2016 gestartet ist, waren wir die ersten im Markt, die einen Online-Getränkesofortlieferdienst angeboten haben – verbunden mit dem Versprechen, sperrige Getränkekisten, die keiner gerne selbst schleppt, innerhalb von 120 Minuten ohne Gebühr bis an die Wohnungstür zu liefern. Das ist für viele Kunden attraktiv und es gab auch erstmal keine vergleichbare Konkurrenz.>

Neben dem nötigen Erfindergeist in der gesamten Firma sowie der richtigen Dynamik und Vision verfügen wir aber vor allem auch über eine ausgezeichnete einzigartige Softwarelösung, die Herzstück unseres Geschäfts ist, und die Umsetzung unseres Kunden-versprechens überhaupt erst möglich macht. Unsere Software-Komponenten bilden die Kernprozesse für alle zentralen Geschäftsbereiche ab. Dabei gleicht das System die Bestellungen mit unseren Lagerbeständen ab, koordiniert und priorisiert die Kommissionierung der Ware und plant optimale Liefertouren, auf denen möglichst viele Kundinnen und Kunden von unseren Fahrerinnen und Fahrern in kürzester Zeit beliefert werden können. Das ist nicht nur kosteneffizient, sondern vor allem auch umweltfreundlich, denn durch eine Liefertour können sechs bis zehn Einzelfahrten zum Supermarkt eingespart werden.

Niklas Plath: Eine weitere Besonderheit von flaschenpost ist, dass wir im Unterschied zu vielen anderen Lieferdiensten eine komplett eigene Logistik unterhalten – mit 23 Hubs bzw. Standorten und bis zu 150 Fahrzeugen pro Standort. Unsere Lager haben aktuell eine Gesamtfläche von mehr als 25 Fußballfeldern und bieten jeweils Platz für mehr als 1.500 verschiedene Produkte auf bis zu 12.000 Quadratmetern. Durch unsere selbst betriebenen Lagerflächen haben wir die Wertschöpfungskette bis zum Hersteller vertikal integriert. So vermeiden wir Zwischenstopps bzw. -händler, die Marge kosten, und beziehen den Großteil unserer Waren direkt bei den Produzenten. Das ist durchaus relevant, wenn man sich vorstellt, dass wir täglich ein Volumen von mehr als 100.000 Getränkekisten bewegen. 

2. In nur vier Jahren habt ihr Eure Idee vom Startup zum Multimillionen Euro Unternehmen gemacht. Im Raum steht sogar die Kaufsumme von einer Milliarde Euro durch Dr. Oetker. Wie kann das in so kurzer Zeit gelingen? Wie habt Ihr Öffentlichkeit und Investoren von eurem Geschäftsmodell überzeugt?<o:p></o:p>

Plath: Der Erfolg von flaschenpost basiert sicherlich auf einer Vielzahl von Faktoren. Ein wichtiger Aspekt ist die von Christopher erwähnte selbst entwickelte Softwarelösung sowie auch unsere eigene Logistikkompetenz und -infrastruktur, die es uns erlauben, unsere Kernprozesse stetig zu optimieren und effizienter zu gestalten. Hier haben wir uns klar fürMake“ und nicht für „Buy“ entschieden, was sich ausgezahlt hat. So wurde flaschenpost zu einem Vorreiter in der Last-Mile-Logistik mit zuverlässigen Lieferungen innerhalb von 120 Minuten in über 150 Städten.

Huesmann: Eine wichtige Rolle spielen daneben aber auch unser direkter Kundenzugang und die genauen Kenntnisse der Kundenwünsche und des Kundenverhaltens, was ein großer Vorteil gegenüber dem stationären Einzelhandel ist und große Potenziale in der Ansprache und Vermarktung bietet. Ein gutes Beispiel hierfür ist die erfolgreiche Vermarktung unserer Eigenmarken, beispielsweise beim Wasser oder im Biersegment, die über unseren eigenen Webstore bzw. unsere App viel besser und schneller möglich ist als über klassische Werbung oder den Handel. Zudem liegen durch unsere selbst entwickelten Systeme alle wesentlichen Daten zentral bei flaschenpost. So können wir eine 360-Grad-Perspektive einnehmen und den Kunden immer die bestmögliche Erfahrung mit höchsten Anforderungen an den Datenschutz bieten.

Das alles waren sicherlich wesentliche Faktoren für unser schnelles Wachstum und auch für unsere Attraktivität für Investoren.

3. Nun habt Ihr den Exit geschafft. Wie sieht Eure weitere Zukunft im Unternehmen aus, und wie soll sich „Flaschenpost“ in den kommenden Jahren weiterentwickeln?<o:p></o:p>

Huesmann: Wir werden auch künftig im Unternehmen bleiben. Flaschenpost in nur vier Jahren gemeinsam mit einem großartigen Team aufzubauen, war eine tolle Erfahrung. Wir freuen uns, dass diese Reise weitergeht und wir das Unternehmen gemeinsam mit einem starken Partner, der die Industrie seit Jahrzenten kennt, auch künftig weiterentwickeln können. So sind wir heute bereits in 150 Städten aktiv, haben aber zugleich noch zahlreiche weiße Flecken auf der Landkarte, wo wir unseren Service in Zukunft ebenfalls anbieten wollen.

Plath: Neben der weiteren geographischen Expansion wird auch eine sinnvolle Sortiments­ergänzung eine Rolle spielen. So testen wir an unserem Heimatstandort Münster beispielsweise gerade die Auslieferung von Frischeartikeln und Tiefkühlware. Das können wir uns perspektivisch auch in weiteren Städten vorstellen. Und natürlich wird es auch in Zukunft darum gehen, gemeinsam alles für einen optimalen Kundenservice und eine hohe Kundenzufriedenheit zu leisten.

4. Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen Monaten sicher auch eine Rolle gespielt. Wie hat sie Euer Geschäft beeinflusst? Denkt Ihr, Bestellservices und E-Commerce lösen den traditionellen Einzelhandel bald ab? Und bis wann könnte sich der Wandel vollziehen?<o:p></o:p>

Huesmann: Die Corona-Krise hat große Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen und wird sicherlich auch das Kaufverhalten nachhaltig verändern. Studien belegen, dass E-Commerce-Angebote heute eine größere Akzeptanz in Deutschland haben als noch vor der Pandemie. Das hat sich in den letzten Monaten auch auf unser Geschäft ausgewirkt und die Nachfrage noch stärker steigen lassen. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Kunden, die einmal bei flaschenpost bestellt haben, den Convenience-Aspekt schätzen und uns als Kunden treu bleiben. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf den reinen Getränkekauf, sondern nutzen zunehmend auch unser Angebot an Lebensmitteln und Haushaltswaren.

Plath: Corona hat aber auch zu einer Vielzahl von Anpassungen im täglichen Geschäft geführt, indem wir sehr schnell klare Hygienestandards mit Abstandsregeln sowie Masken- und Handschuhpflicht in unseren Lagern etabliert haben. Zudem haben wir die kontaktlose Belieferung eingeführt, wobei der Fahrer die Bestellung sowie die Pfandabrechnung nur noch vorliest und dann stellvertretend für den Kunden unterzeichnet, sodass kein physisch enger Kundenkontakt mehr notwendig ist. Das wurde von unseren Kunden und Kollegen sehr wertgeschätzt.

5. Wie hat euch Euer Studium an der WHU zur Gründung ermuntert? Gab es Schlüsselmomente, die Euren Gründergeist geweckt haben?<o:p></o:p>

Plath: Die WHU ermöglicht ihren Studierenden einen breiten Einblick in die unterschiedlichen Bereiche der Wirtschaft, indem sie ab dem ersten Studienjahr Zeit für Praktika einplant und durch Unternehmenspräsentationen den frühen Praxiskontakt fördert. Als Student lernt man so sehr schnell, welche Berufsfelder einen begeistern und wo man sich als Person am besten verwirklichen kann. Unter all den Möglichkeiten bietet einem Entrepreneurship definitiv die größten Gestaltungsfreiheiten. Diese sind jedoch auch mit viel Verantwortung sowie mit unternehmerischen Chancen und Risiken verbunden. Das stark ausgeprägte Gründungsumfeld und -netzwerk innerhalb der WHU-Community ist für mich dabei nach wie vor ein starker Katalysator, um mich unternehmerisch zu verwirklichen.

Huesmann: Für mich ist es der schwierig in Worte zu fassende Spirit, der einem bei der WHU als erstes in den Sinn kommt. Denn der Ruf der WHU als Gründerschmiede zieht viele gründungsaffine Studierende an. So entsteht eine Dynamik, in der Ideen kontinuierlich diskutiert und teils auch im kontrollierten Rahmen in Kursen ausprobiert werden. Es sind diese Erfahrungen, die Lust auf mehr Eigenständigkeit machen. Der praxisnahe Unterricht mit zahlreichen Wirtschaftskooperationen und Case Studies unterstützt diesen Prozess, sodass man sich am Ende gut gewappnet für unkonventionelle Wege fühlt.

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