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Dr. Annika von Mutius und Dr. Larissa Leitner, Gründerinnen von Empion
02.03.2022

Das Start-up Empion bringt die Kultur ins Recruiting

Dr. Annika von Mutius über ihren Weg zur Unternehmensgründerin

WHU ist weithin als Unternehmens-Hub bekannt, das bis Ende 2021 bereits 15 Einhörner hervorgebracht hat. Wer in Deutschland lebt, kennt die Namen Zalando, HelloFresh, Flixbus oder Rocket Internet. Allerdings ist nun eine neue Generation von Start-ups zu beobachten, die stärker auf Grundwerte und Wirkung des einzelnen Menschen ausgerichtet sind. Eines dieser Start-ups ist Empion, das 2021 von den WHU-Absolventinnen Dr. Annika von Mutius und Dr. Larissa Leitner gegründet wurde. Empion ist eine etwas andere Recruiting-Plattform, die den Schwerpunkt auf Unternehmenskultur legt und zeigt, wie sich diese für die künftigen Mitarbeitenden greifbar machen lässt. Mit einem gemeinsam von der WHU und einer britischen Universität entwickelten Algorithmus ermittelt Empion, welche Unternehmen und Bewerber:innen kulturell zusammenpassen.

Sowohl Annika als auch Larissa haben WHU Bachelor- und Master-Programme absolviert. Obwohl sie gemeinsam an der WHU studierten, waren sie nicht von Anfang an befreundet. „Es ist schon komisch, dass wir so lange an der gleichen Hochschule waren, uns aber nie richtig kennengelernt haben“, meint Annika lachend. „Als Larissa zum Abschluss ihres Promotionsstudiums erfolgreich ihre Doktorarbeit verteidigte, bekam ich dazu eine E-Mail und habe ihr daraufhin gratuliert. Von da an haben wir regelmäßig getextet, später häufiger telefoniert und schließlich ein gemeinsames Wochenende in Südtirol verbracht. Unsere Freundschaft ist dann richtig aufgeblüht.“

„Wichtig ist, ein Unternehmen zu finden, das zu den eigenen kulturellen Werten und Bedürfnissen passt.“

Annika, die von 2017 bis 2019 für ein Start-up in San Francisco gearbeitet hatte, kam anlässlich einer von Larissa organisierten Konferenz für die nächste Generation in Familienunternehmen nach Deutschland. „Der Schwerpunkt lag auf Employer Branding. Im Silicon Valley macht man das sehr gut; wer sich dort bei einem Unternehmen bewirbt, kennt dessen Kultur und ist davon überzeugt. Im Vergleich dazu war das Branding bei mittelständischen Unternehmen oder Familienbetrieben hier in Deutschland meist ziemlich unattraktiv. Uns wurde klar, dass das Problem nicht bei den Unternehmen an sich lag, sondern im Branding, das in der Bewerbungsphase für Arbeitssuchende äußerst wichtig ist. Was motiviert diese neue Generation von Arbeitnehmer:innen? Unsere Forschung kam zu dem Ergebnis, dass sieben von zehn Aspekten der beruflichen Zufriedenheit die Kultur betreffen. Dabei ist die Unternehmenskultur auf dem Recruiting und den größten Recruiting-Plattformen extrem unterrepräsentiert. Stellenagebote sehen immer gleich aus, über die Unternehmenskultur erfährt man nichts. Oft wissen die Unternehmen nicht, wie man sich präsentiert oder passende Leute findet. Diese Lücke füllt Empion, indem wir Kultur und Recruiting zusammenbringen.“

„Netzwerk und Community der WHU haben mir bei der Gründung geholfen.“

In der Schlussphase von Annikas Promotion waren die beiden bereit, selbst den Schritt in die Unternehmensgründung zu wagen. Beide stammen aus Unternehmerfamilien und waren daher mit der Rolle vertraut. „Als ich in San Francisco tätig war, gehörte ich zu den ersten im Team und hatte als Erste einen unternehmerischen Hintergrund. Damals wurde mir klar, welchen Einfluss man haben kann, wenn man ein Unternehmen gründet. Die Vorstellung, selbst zu gründen, war für mich sehr verlockend, und ich hatte das nie fest geplant. Aber Larissa und ich wussten, dass wir gut zusammenarbeiten konnten, und die Idee war so toll. Ich konnte nicht widerstehen und musste das Wagnis eingehen.“

Für Annika, die über Spieltheorie promoviert hat, waren während ihrer Zeit an der WHU nicht die theoretischen Lerninhalte das Wichtigste, sondern die Praktika und der praktische Ansatz in der Lehre. „Natürlich ist auch das Netzwerk entscheidend – so habe ich schließlich meine Mitgründerin kennengelernt! Der offene Austausch und die Verbindung zwischen Studierenden und Alumni sind ungemein stark. Als wir unsere anfängliche Idee auf den Prüfstand stellen wollten, kontaktierten wir Leute aus dem WHU-Netzwerk. Fast alle haben reagiert, um mit uns darüber zu sprechen. Dafür bin ich unglaublich dankbar.“

„Für mich ist es ganz entscheidend, dass man in der Geschäftswelt authentisch ist und sich selbst treu bleibt.“

„An der WHU und auf meinem Weg habe ich gelernt, dass man sich unbedingt treu bleiben muss. Als wir das Unternehmen starteten, dachte ich erst, ich müsse mich ändern. Meine Stimme sei zu hoch oder die Ohrringe seien zu groß, sodass man mich nicht ernst nehmen würde. Um optimale Leistung zu bringen, muss ich ich selbst sein und darauf achten, wie ich auf andere wirke.

Die andere entscheidende Erkenntnis besteht darin, dass man sich hohe Ziele stecken muss. Anfangs sind wir als neues Start-up zu bescheiden aufgetreten, und die meisten Investoren haben uns geraten, nach Höherem zu streben. Wenn man ein Unternehmen gründet, können die Ziele gar nicht hoch genug sein. Man muss sich sämtliche Möglichkeiten ausmalen und sein Glück versuchen.“

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