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24.11.2020

Fünf Fragen an VYTAL

WHU-Startup entwickelt pfandfreies Mehrwegsystem für mehr Nachhaltigkeit

Manchmal muss es eben schnell gehen – in der Mittagspause mit den Kollegen, zwischen zwei Terminen oder zu Hause bei Freunden. Fast Food ist zwar überall schnell zur Hand oder bestellt, was übrig bleibt, sind aber unschöne Mengen an kaum recyclebarem Verpackungsmüll. WHU-Absolvent Dr. Tim Breker hat sich zusammen mit seinen Co-Foundern Dr. Fabian Barthel und Sven Witthöft (von rechts nach links) gefragt, ob es dafür nicht eine elegantere Lösung gibt. Als Antwort darauf haben sie „VYTAL“ gegründet, ein digitales Mehrwegsystem zur Abholung und Lieferung von Essen. Die dafür genutzten Verpackungen sind wiederverwendbar, sparen dadurch jede Menge CO2 ein und sind dabei sogar noch pfandfrei. Zudem können sie bei jedem beliebigen VYTAL-Partnerrestaurant und -Lieferanten zurückgegeben werden. Ein bislang einzigartiges System, das von Köln aus seinen Siegeszug in zahlreiche weitere deutsche Städte startete. Fünf Fragen zum Startup hat Dr. Tim Breker beantwortet und erklärt, wo die Anreize zum Mitmachen liegen und welche Rolle die „Höhle der Löwen“ dabei gespielt hat.

1. Tim, die spannendste Frage bei einem so erfolgreichen Startup zuerst: Wie kamt Ihr auf die Idee dazu? Denkst Du, in der Gastronomie kann bald die kritische Masse erreicht werden, sodass auch dort in Sachen Verpackung nachhaltig gewirtschaftet wird?<o:p></o:p>

Die Idee zu VYTAL ist sozusagen aus dem typischen Büroalltag von Unternehmensberatern entstanden: Da sitzt man im Team an einem Projekt, und irgendwann kommt der Hunger und man bestellt sich Essen ins Büro, weil das so bequem und praktisch ist. Nach dem Essen aber haben sich dann bei uns auch immer wieder die Einweg-Verpackungen gestapelt, die Mülleimer sind übergelaufen, und da denkt man dann unwillkürlich: Muss das wirklich so sein? Geht das nicht auch anders? Wir haben nach befriedigenden Antworten gesucht und sind so beim Thema Mehrweg gelandet. Dann haben sich noch viele Diskussionen darüber angeschlossen, was neue Technologien in diesem Kontext leisten können, wie sich das gesteigerte Umweltbewusstsein auswirkt, und was veränderte Präfenzen potenzieller Kunden bedeuten. So ist schließlich VYTAL als Deutschlands erstes digitales und pfandfreies Mehrwegsystem mit hochwertigen, auslaufsicheren Essensverpackungen für Mitnahme- und Lieferessen entstanden.

Unsere Endkunden registrieren sich einmalig in der VYTAL App oder kaufen eine VYTAL Offlinekarte und können damit bei jedem unserer Partnerrestaurants frisch gespülte Mehrwegschalen kostenlos ausleihen und nach der Benutzung zurückbringen. Seit neuestem ist es in vielen deutschen Großstädten auch möglich, dass sie ihr Essen bequem direkt über die App vorbestellen und dann in den nachhaltigen Mehrwegschalen ohne Schlangestehen abholen. Auch über Lieferdienste kann Essen bei den VYTAL-Partnerrestaurants direkt in Mehrwegschalen bestellt werden.

Wir sind mit unserer Idee sofort auf großes Interesse bei Kunden und Partnern gestoßen. Ich denke, die Zeit war einfach reif, und ganz grundsätzlich gilt, dass wir den Verpackungswahnsinn beenden und den bequemen Essenskonsum vom Einwegmüll trennen müssen. Immer mehr Menschen ist genau das bewusst, und sie wollen etwas dagegen tun.

2. Bis jetzt war beim Fast Food die Devise: kaufen, essen, Verpackung wegwerfen. Das war zwar nicht besonders ökologisch, aber einfach. Wie offen sind Restaurants für Euren Vorschlag, ein Mehrwegsystem umzusetzen? <o:p></o:p>

Wir haben uns ganz bewusst gegen ein Pfandsystem entschieden. Unsere Mehrwegschalen sollen ja im Umlauf sein und nicht irgendwo im Schrank stehen. Dank der psychologischen Anreize in unserem digitalen Mehrwegsystem erzielen wir eine Rücklaufquote von über 98 Prozent. Das ist höher als im deutschen Flaschenpfandsystem. Im Durchschnitt werden unsere Mehrwegschalen sogar schon nach drei Tagen wieder zurück zu einem VYTAL-Partner gebracht, und wir können die Systemeffizienz noch weiter steigern. Mit Pfand wäre das nicht möglich.

Wichtig ist, dass die Mitarbeiter unserer Partnerrestaurants gut geschult und begeistert sind. Sie sind es, die die Kunden ansprechen und auf VYTAL aufmerksam machen. Das ist ein entscheidender Faktor: Je mehr sie hinter der Idee stehen von Einweg auf Mehrweg umzustellen, um unnötigen Müll zu vermeiden, desto besser läuft es für das einzelne Partnerrestaurant, für VYTAL, für die Müllvermeidung und damit für uns alle.

Letztlich ist die Handhabung unserer App aber auch ein erster Einstieg in die Digitalisierung von Geschäftsprozessen in unseren Partnerrestaurants. Gerade im Lockdown eröffnet zum Beispiel die Vorbestellung über die VYTAL App vielen Gastronomen die Möglichkeit, mit einem bequemen Take-away-Angebot Kunden zu gewinnen und zu binden.

3. Eure Unternehmenspräsentation hat bei der Höhle der Löwen hohe Wellen geschlagen. Georg Kofler, einer der Investoren, war voll des Lobes. Welchen Einfluss hat es auf einen persönlich, wenn die eigene Idee in der Geschäftswelt so gut ankommt? Wie sieht Eure Kooperation mit Georg Kofler nun aus?

Der Erfolg unserer Unternehmenspräsentation in der „Höhle der Löwen“ hat uns noch einmal richtig vorwärts gepusht: Es ist ja nicht so, dass man mal eben so im Fernsehen auftritt und seine ziemlich komplexe Unternehmensidee präsentiert – die Vorbereitung war schon heftig. Der Erfolg macht uns natürlich stolz und befeuert unsere Motivation, VYTAL weiterzuentwickeln und groß zu machen. Das, worauf es jetzt ankommt, ist die Umsetzung. Wir sind der Überzeugung, dass wir hier in Deutschland am besten Ort der Welt sind, um das bequemste und effizienteste Betriebssystem für Mehrweg aufzubauen – ganz einfach, weil es hier schon so viel Erfahrung aller Beteiligten mit Mehrwegsystemen gibt und weil es vielen Menschen wichtig ist, selbst etwas für den Umweltschutz zu tun. Georg Kofler hat das Potenzial unseres Plattformgeschäfts erkannt und ist für uns der Kooperationspartner, mit dem wir auch in internationale Märkte vorstoßen wollen.

4. Wie seht Ihr VYTAL perspektivisch? Wo möchtet Ihr euch noch hin entwickeln, bzw. habt Ihr noch weitere Bereiche ins Visier genommen, in denen man mehr Nachhaltigkeit umsetzen könnte? <o:p></o:p>

Im Moment ist unsere größte Herausforderung sicher das Management des schnellen Firmenwachstums. Wir haben 2019 mit Mehrweg für Essen zum Mitnehmen angefangen, dann kamen Essensvorbestellungen und Lieferessen dazu. Der Trend in Richtung Convenience Food ist ungebrochen, aber verzehrfertiges Essen wird auch immer vielfältiger: von geschnittenem Obst und Haferspeisen über Pizza bis Sushi. Da gibt es sicher noch viele Entwicklungsmöglichkeiten.

Vor allem aber geht es uns auch darum, zu zeigen, dass bequemes Essen nicht zwangsläufig mit Verpackungsmüll einhergehen muss. Insofern ist unsere Perspektive ganz klar: VYTAL soll DAS globale Betriebssystem für Mehrweglösungen werden.

5. Wie hat dich dein Studium an der WHU zur Gründung ermuntert? Gab es Schlüsselmomente, die deinen Gründergeist geweckt haben? <o:p></o:p>

Mein Gründergeist ist schon in meiner Schulzeit geweckt worden. Ich war als Austauschschüler ein Jahr in den USA. In meiner amerikanischen Gastfamilie habe ich den amerikanischen Unternehmergeist sozusagen live kennenlernen und miterleben dürfen und war fasziniert von dieser Perspektive auf das Leben. Da war das Studium an der WHU ein logischer nächster Schritt nach dem Abitur. In Vallendar habe ich mein Handwerkszeug gelernt, im Studium selbst, aber vor allem auch im Austausch mit meinen Kommilitonen und Ehemaligen. Dieses Netzwerk trägt mich auch heute noch.

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