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Akkreditierungen für MBA-Programme: EQUIS -
Welche Akkreditierungen machen eine gute Business School aus?

Wie kann man herausfinden, ob die anvisierte Business School und die MBA-Programme auch den eigenen individuellen sowie den allgemeinen, internationalen Anforderungen und Standards entsprechen? – Durch Akkreditierungen. Hier ein kleiner Leitfaden durch die verschiedenen Gütesiegel und Zertifikate.

Warum ist eine Akkreditierung der Business-School wichtig?

Der MBA richtet sich in Gestaltung und Abschluss des Programms an Berufserfahrene, die ihre bisherigen Möglichkeiten und ihr Netzwerk ausbauen sowie die Karriereleiter weiter nach oben steigen wollen. Dementsprechend wichtig ist für diese Personengruppe auch die Anerkennung ihrer Leistungen, sei es die bisherige Berufserfahrung oder die Kenntnisse und Fähigkeiten, die durch ein MBA-Studium neu gewonnen werden können. Diese Anerkennung erfolgt auf übergeordneter Ebene über die Akkreditierungszertifikate. Sie sichern internationale Qualitätsstandards der Management-Ausbildung. Nur so kann ein zukünftiger Arbeitgeber darauf vertrauen, dass ein Bewerber die Fähigkeiten erworben hat, die für die zu besetzende Stelle notwendig sind. Ein Akkreditierungszertifikat bestätigt also einerseits das Renommee der Business School und dient damit auch der Anerkennung der Leistung eines künftigen Absolventen. Andererseits wird über die Akkreditierung vor allem auch die Qualität des Studiums gesichert. So können Sie sicher gehen, dass die Studiengebühren eine sinnvolle Investition sind. Letztendlich kommt es nicht nur auf eine gute Abschlussnote an, sondern auf die im Studium erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse. Daher lohnt es auf jeden Fall, die angestrebte Hochschule oder Business School genau unter die Lupe zu nehmen. Die Überprüfung der Akkreditierung ist dafür ein guter Anfang.

Sind alle Akkreditierungen gleich wichtig für den MBA?

Nein, es gibt deutliche Unterschiede. Um die zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Arbeit von Akkreditierungsagenturen und -stiftungen werfen:

In Deutschland ist an oberster Stelle der Akkreditierungsrat für die Qualitätssicherung verantwortlich. Der Rat hat wiederum mehrere Akkreditierungsagenturen beauftragt, Studiengänge und Fakultäten hinsichtlich ihrer Qualitätsstandards zu prüfen. Am deutlichsten unterscheiden sich die verschiedenen Agenturen in ihrer Ausrichtung und in ihrem Vorgehen bei der Bewertung einer Hochschule. In Deutschland gibt es eine vielfältige Landschaft an Akkreditierungsorganisationen. Dabei sind besonders auch die europaweiten und internationalen Kooperationen und Vernetzungen hervorzuheben. Gerade in Europa sind die Hochschulen durch den Bologna-Prozess stark miteinander verwoben. Daher ist auch die Vergleichbarkeit der Studiengänge und die Sicherung einer fundierten Qualität der Bildungseinrichtungen von großer Bedeutung. Nur durch die Qualitätssicherung und -entwicklung können Bildungswege internationalisiert werden.

Nicht alle Akkreditierungorganisationen befassen sich mit wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen oder noch spezieller mit dem MBA-Studium. Deswegen sollte man sich nicht einfach von Akkreditierungssiegeln blenden lassen, sondern zunächst die Ausrichtung der Akkreditierung in Augenschein nehmen. Für die Akkreditierung von wirtschaftswissenschaftlichen bzw. genau auf den MBA ausgerichteten Studiengängen sind ausschließlich folgende Unternehmen zuständig: EFMD (EQUIS), FIBAA, AACSB und AMBA. Wenn eine Hochschule mit anderen Akkreditierungssiegeln wirbt, beziehen sich diese auf andere Studiengänge und Fakultäten, aber nicht auf die wirtschaftswissenschaftlichen oder MBA-Programme. Es folgt nun ein Überblick über die für den MBA relevanten Akkreditierungen sowie die jeweiligen Ausrichtungen und Akkreditierungsverfahren. Doch vorher wollen wir noch kurz auf eine Frage eingehen, die immer wieder von MBA-Interessenten gestellt wird:

Was ist die Triple Crown und ist sie wirklich notwendig?

Im Kontext der Akkreditierung von MBA-Programmen und Business Schools kommt immer wieder die Frage nach der sogenannten Triple Crown auf. Oder ob ein potentieller MBA-Studierender vorzugsweise nur an Business School studieren sollte, die über diese Auszeichnung verfügen. Die Triple Crown bezeichnet die dreifache Auszeichnung einer Business School durch AACSB, EFMD und AMBA. Es handelt sich hierbei nach Einschätzung einiger Experten hauptsächlich um ein Prestigeobjekt und ein Marketing-Argument. Denn mit dieser scheinbaren Vollständigkeit aller MBA-spezifischen Akkreditierungen kann sich eine Business School natürlich deutlich besser im Wettbewerb, besonders auf internationaler Ebene, positionieren. Fachlich oder hinsichtlich des Qualitätsstandards muss es nicht zwangsläufig ein Vorsprung gegenüber einer Hochschule mit nur zwei der Gütesiegel bedeuten, zumal die EFMD sich mehrheitlich auf Akkreditierungen in Europa konzentriert. Auch gilt die sogenannte AMBA-Akkreditierung für europäische Business Schools als obsolet, wenn die anderen beiden Auszeichnungen bereits vorhanden sind. Denn AMBA prüft nur einzelne Programme oder Studiengänge, während die anderen beiden die ganze Fakultät bzw. Business School unter die Lupe nehmen. Die Triple Crown sollte also entgegen der Marketing-Strategie mancher Hochschule zumindest keine ausschlaggebende Bedeutung bei der Wahl der Hochschule bei MBA-Anwärtern haben. Nun aber zu den einzelnen Akkreditierungen und ihren Ausrichtungen:

EFMD EQUIS Accredited

Was ist die EFMD?

EFMD bezeichnet die European Foundation for Management Development, eine Non-Profit-Organisation. Sie wurde in den 1970’er Jahren als ein Netzwerk der Business Schools gegründet und vergibt seit 1997 einheitliche Qualitätsstandards für Business Schools und Wirtschaftsfakultäten und -hochschulen. Das Besondere dabei ist, dass die Akkreditierungszertifikate nicht einmal für alle Zeiten vergeben werden, sondern im Sinne einer kontinuierlichen Performance und Weiterentwicklung alle drei oder fünf Jahre wieder erneuert werden müssen. Die Foundation setzt sich aus 760 Mitgliedern aus Wirtschaft, Management-Ausbildung, öffentlichem Dienst und Consulting aus 81 Ländern zusammen. Bis zum August 2019 wurden drei verschiedene Gütesiegel vergeben: EPAS (EFMD Programme Accreditation System), EOCCS (EFMD Online Course Certification System) und EQUIS, wobei EQUIS sich von den anderen beiden Zertifikaten abhebt - dazu gleich mehr. EPAS akkreditiert seit 2006 einzelne Programme oder Studiengänge einer Hochschule, z.B. Master und Bachelor-Studiengänge sowie MBAs. EOCCS bezieht sich auf die Untersuchung und Einschätzung der Online-Kurse einer Hochschule. Seit dem ersten August 2019 werden von der EFMD nur die Zertifikate EFMD Accredited und EMFD EQUIS Accredited vergeben. Ersteres fasst dabei die Gütesiegel EOCCS und EPAS zusammen.

Wofür steht EQUIS?

Das Akronym EQUIS steht für EMFD Quality Improvement System und ist sowohl ein Gütesiegel als auch ein System zur Einschätzung von Business Schools und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. Es stellt einen Gegenpol zu den amerikanisch geprägten Akkreditierungs-Standards dar. Da sowohl das grundlegende Konzept der Business Schools als auch der Master of Business Administration als Studiengang ursprünglich aus den Vereinigten Staaten von Amerika stammt, ist es nicht verwunderlich, dass die USA in der Vergangenheit stets federführend in Bezug auf die Gestaltung der MBA-Programme waren. Das gilt auch für die Akkreditierungssysteme und -standards für MBA-Programme.

Was zeichnet EQUIS aus?

Im Gegensatz zu anderen institutionellen Akkreditierungssystemen von Business-Schools verlangt EQUIS bewusst keine weltweite Standardisierung der Ausbildungsmodule und -inhalte. Viel mehr unterstützt es regionale und nationale Besonderheiten der jeweiligen Standorte, in dem es solche Fakten auch in die Bewertung mit einbezieht. Dieser Umstand wurde von den spezifischen Bedürfnissen, die durch die kulturelle Vielfalt in Europa entstanden sind, inspiriert. Dementsprechend ist EQUIS auch dezent europäisch geprägt. Nichts desto trotz handelt es sich hier um Qualitätssicherung auf internationaler Ebene. Insgesamt soll auf diese Weise die Qualitätsbeurteilung von wirtschaftlichen Bildungsinstitutionen international vereinfacht werden, ohne dabei eine Standardisierung vorzunehmen oder ein bestimmtes Business School-Konzept zu bevorzugen.

Was ist das Ziel der EQUIS Akkreditierung?

Ziel ist es, über das Akkreditierungssystem einen Wissensaustausch zwischen den Partnerorganisationen innerhalb des EFMD- und des engeren EQUIS-Netzwerkes anzuregen. Dazu finden regelmäßig Konferenzen, Seminare und Workshops statt. Der Fokus der Akkreditierung liegt auf einem ausgeglichenem Verhältnis der drei Kernpunkte: Hohe wissenschaftliche Qualität, internationale Ausprägung und Praxisbezug zur Unternehmenswelt.

Wie findet die Durchführung einer EQUIS Akkreditierung statt?

Die Evaluation einer Business School oder eines Studiengangs erfolgt nach einer Anmeldung der Institution für die Zertifizierung zunächst über eine Selbstauskunft und -einschätzung seitens der Institution.

Für die Durchführung der Akkreditierung von MBA-Programmen durch EQUIS sind drei Instanzen eingerichtet worden: Committee, Awarding Body und Peer Review Team. Das Committee setzt sich aus Akademikern und Wirtschaftsvertretern bzw. Unternehmern zusammen, die über die generelle Eignung einer Institution entscheiden. Man könnte sagen, dass das Committee die Studieninhalte und Konzeption der Studiengänge wie MBA-Programme überprüft.

Das Peer Review Team besteht wiederum aus vier Mitgliedern, die selbst leitende Positionen in einer Managementausbildung bekleiden oder über eine ähnliche Qualifikation verfügen. Dem Peer Review Team kommt die Aufgabe zu, sich vor Ort der Business Schools einen Eindruck zu verschaffen. Etwas salopp formuliert, widmen sie sich unter anderem der Frage, wie der Alltag an der betreffenden Business School aussieht. Die eigentliche Untersuchung des Peer Review Teams gestaltet sich natürlich deutlich komplexer. Das Hauptaugenmerk des Teams liegt vor allem darauf, der Institution Empfehlungen auf „Augenhöhe“ zu geben, wie sie sich noch verbessern kann oder an welchen Stellen in Lehre und Forschung noch Potential vorhanden ist.

Awarding Body bezeichnet schließlich die Interessenvertreter, die nach der Auswertung der Ergebnisse die finale Entscheidung über eine Auszeichnung mit dem Akkreditierungssiegel fällen.

Die zehn Prüfungskriterien für eine EQUIS Akkreditierung

  1. Evaluation der Studiengänge
  2. Kontext, Führung und Strategie der wirtschaftswissenschaftlichen Institution
  3. Zusammensetzung der Studentenschaft
  4. Self-Assessment der Institution in einem Bericht
  5. Peer-Review: Begutachtung und Empfehlung
  6. Qualifikation und Background der wissenschaftlichen Mitarbeiter
  7. Forschung
  8. Internationalisierung
  9. Ethik und Nachhaltigkeit
  10. Kontakte zu Unternehmen (Praxisbezug)
  • Optional: Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte (Executive Education), z.B. EMBA, in Bezug auf ihre Programmqualität (sofern vorhanden)

Welche Hochschulen und Business Schools in Deutschland haben die EQUIS Akkreditierung?

  • Universität Köln (wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät)
  • Universität Mannheim (betriebswissenschaftliche Fakultät)
  • TUM School of Management
  • ESCP Europe
  • European School of Management and Technology (ESMT Berlin)
  • Frankfurt School of Finance and Management
  • WHU Otto Beisheim School of Management

EQUAL – Netzwerk des EFMD

Als ein Produkt der Arbeit der EFMD kann das Netzwerk oder die „Denkfabrik“ EQUAL bezeichnet werden. EQUAL steht für European Quality Link und bezeichnet ein 1996 gegründetes, unabhängiges Netzwerk zur Förderung des Nachwuchses von Führungskräften. Es leistet einen wesentlichen Beitrag zur strategischen Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung von Wirtschaftfachkräften auf internationaler Ebene. Das umfasst nicht nur MBA-Programme oder die sogenannte spezifische Executive Education, sondern widmet sich der gesamten möglichen Karriere vom ersten Semester bis zur Führung eines international agierenden Unternehmens. Dafür entwickelt das innovative Netzwerk Leitfäden für die Qualitätssicherung der verschiedenen Abschlüsse im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich. Damit sorgt sie gleichzeitig für die Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Diese Leitfäden werden gebündelt als die European MBA-Guidelines bezeichnet. Daran orientiert sich auch die Akkreditierungsagentur FIBAA, daher ist sie ebenfalls Mitglied in EQUAL.

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