Die Aufnahme zum MBA-Studium –

was ist GMAT?

Zugangsvoraussetzungen des MBA-Programms an der WHU

Der Master of Business Administration: 130 verschiedene Fachhochschulen, Universitäten und Akademien bieten deutschlandweit 256 verschiedene MBA-Programme an. Viele Studieninteressierte fragen sich, was die einzelnen Studiengänge und Programme unterscheidet. Für was sollen sie sich entscheiden? Schließlich ist auch die Wahl der Hochschule von wesentlicher Bedeutung. Neben den Kosten und den angebotenen Formaten sind vor allem auch die Zugangsvoraussetzungen der Hochschulen zu den MBA-Programmenentscheidend. Die meisten MBA-Anbieter setzen wahlweise auf Motivationsschreiben, Berufserfahrung, persönliches Gespräch oder manchmal auch Einschreibungstests als Auswahlkriterium. Fast immer sind aber GMAT und TOEFL oder alternativ GRE und IELTS als Zugangsvoraussetzungen mit dabei. Auch an der WHU. Was hat es mit diesen Akronymen auf sich?

Graduate Management Admission Test (GMAT)

– “The test that takes you places”

Allgemeine Fakten zum GMAT

Dieses Testverfahren wurde von Business Schools für Business Schools entwickelt, um einen gemeinsamen Standard zu etablieren. 5.000 Business Schools weltweit, davon 2.300 allein in Europa, nutzen den GMAT als Zulassungskriterium für ihr MBA-Programm. Dementsprechend finden sich Testcenter auch überall auf der Welt, in Deutschland unter anderem in Berlin, Hamburg und München. Er erfreut sich reger Beliebtheit – ebenso wie der Master of Business Administration selbst. Die Teilnehmerrate ist in den letzten zwei Jahren von 31 auf 40 Prozent gestiegen. Ursprünglich stammt das Testformat aus dem nordamerikanischen Raum. Daher wird der Test auch ausschließlich in englischer Sprache und darüber hinaus computergestützt durchgeführt.

Außerdem ist das Testverfahren des GMAT adaptiv, das heißt, es richtet sich am Teilnehmer aus. Das funktioniert so: Wenn eine Frage richtig beantwortet wird, ist die darauffolgende Frage schwerer. Ist die Antwort falsch, ist die nächste Frage einfacher. Bei Letzterem verliert man allerdings Punkte. Das kann zur Falle werden. Denn man kann zwar bis zu 800 Punkte erreichen – das schaffen aber nur die wenigsten. 2017 erreichten von insgesamt 4.220 Teilnehmern nur 543 eine Punktzahl von über 700 Punkten. Der durchschnittliche Punktwert in Deutschland liegt aktuell bei 584 Punkten. Die meisten Business Schools erwarten für eine Zulassung mindestens 600 Punkte beim GMAT-Testergebnis.

Eine Teilnahme am Test kostet 250 Euro. Man kann den Test bis zu achtmal wiederholen, um sein Ergebnis zu verbessern. Zwischen jeder Teilnahme ist aber ein Monat Pause vorgeschrieben. Die früheren Testergebnisse werden nicht gelöscht, sondern bleiben bestehen, sodass man selbst und eventuell die Business School, an der man sich bewirbt, die Entwicklung nachvollziehen kann.

Was wird getestet?

Generell steht die Fähigkeit, verschiedene Kanäle, Quellen und Informationen zu verstehen, zu interpretieren und miteinander zu verknüpfen, im Fokus des Testverfahrens. Es soll die konkrete Problemlösefähigkeit in Bezug auf reale Themen aus der Berufspraxis von Führungskräften evaluiert werden. Denn es zielt nicht nur darauf ab, an einer Business School angenommen zu werden, sondern auch, auf die Karriere danach vorzubereiten. So jedenfalls präsentiert sich der GMAT seinen potenziellen Teilnehmern und Interessenten gegenüber.

Konkret beinhaltet der Test vier verschiedene Abschnitte: Im ersten Teil soll innerhalb von 30 Minuten ein Essay zu einem vorgegebenen Thema geschrieben werden. GMAT-Experten meinen, dass man sich selbst auf dieses freiere Aufgabenformat vorbereiten kann, da es baukasten-ähnlich gelöst werden kann. Das hängt damit zusammen, dass eine spezielle Software die Texte ausliest und bewertet.

Der zweite Abschnitt dreht sich um die richtige Analyse und Interpretation von Daten und Informationen. Auch er dauert 30 Minuten. Die dritte Testkategorie ist mathematischer Natur und befasst sich mit Textaufgaben und Datenmengen, aus denen die richtigen Schlussfolgerungen gezogen werden sollen. Aufgrund seiner Komplexität nimmt er 62 Minuten in Anspruch.

Der letzte Abschnitt ist wieder vorrangig sprachlich: Es gilt wieder, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, diesmal aus wissenschaftlichen Texten. So findet sich auch hier der Anspruch, Problemlösefähigkeiten sowie Analyse- und Interpretationskompetenzen zu testen, wieder. Darüber hinaus müssen in vorgegebenen Sätzen Wortalternativen gefunden und Argumentationsketten überprüft werden. Die Länge dieses Abschnitts beträgt analog zum mathematischen Teil 65 Minuten.

Wie wird getestet?

Während des Testes können die Teilnehmer selbstständig und flexibel zwischen den Inhalten wählen und sind nicht gezwungen, ständig zwischen den Testblöcken hin und her zu springen. Das soll einen besseren Workflow während des Tests garantieren. Besonders entscheidend für ein erfolgreiches Absolvieren des Testes ist daher ein strukturiertes Vorgehen und Zeitmanagement. Denn die reine Testzeit beträgt zwar 3,5 Stunden, aber im Schnitt hat man nur zwei Minuten pro Aufgabe Zeit.

Wie kann man sich vorbereiten?

Als Faustregel kann man sich merken: 100 Stunden Vorbereitungszeit sollte man auf jeden Fall einplanen. Der Test an sich, aber noch mehr die Vorbereitungsmöglichkeiten für den Test sind inzwischen zu einem sehr lukrativen Geschäft geworden. Entsprechend groß ist das Angebot von Vorbereitungskursen und der dazugehörigen Literatur an Übungs- und Vorbereitungsbüchern. Da das Zeitmanagement und auch die Aufgabenformate im Test eine wesentliche Rolle für das Bestehen des Tests spielen, ist es auch sinnvoll, anhand der entsprechenden Aufgabenformate zu üben. Doch Vorsicht: Die Teilnahme an den Kursen – egal ob eintägiger Crashkurs oder mehrwöchiger Vorbereitungskurs – kann sehr schnell sehr kostenintensiv werden. Ein paar Beispiele:

  • Eintägiger Trainingstag: 150–200 €
  • 28-Stunden-Trainingswoche: 990 €
  • 40-Stunden-Trainingswoche: 1.190 €
  • Eine Woche Einzelunterricht: 1.600 €

Welche Kritik gibt es an dem GMAT?

Angesichts der relativ hohen Preise richtet sich die Kritik bezüglich des GMAT meist gegen die Monetarisierung des Prüfungsverfahrens, das für die Bewerbung an nahezu allen Wirtschaftshochschulen gefordert wird. Häufig wird beklagt, dass die Preise nicht im Verhältnis zur eigentlichen Leistung stehen – nämlich der Vorbereitung auf den Test. Unter anderem wegen dieser Monetarisierung wenden sich manche Hochschulen von dem Testverfahren ab. Sie begründen es unter anderem damit, dass der GMAT nur einen kleinen Teilausschnitt der Kompetenzen und Fähigkeiten für ein MBA-Studium prüfe und das Testergebnis wenig über die Qualitäten einer Person als Führungskraft aussage.

Der Test bereite also kaum auf die Karriere nach dem Studium vor, wie es die Prüfungsorganisation verspricht. Aus Sicht der ablehnenden Hochschulen gibt das Prüfungsergebnis lediglich eine Auskunft über die akademischen Qualitäten. Auf der anderen Seite wird manchen der ablehnenden Hochschulen vorgeworfen, sie würden auf den GMAT verzichten, weil die Bewerberzahlen bei ihnen aufgrund der Zulassungsbeschränkung des anspruchsvollen GMAT zurückgingen.