Donnerstag, 14. April 2016

Silicon Valley im Rheintal?

US-Botschafter sprach beim „WHU Entrepreneurship Roundtable“: Deutschen Gründern fehlt der Mut zum Scheitern

Start-ups sind heute nicht mehr aus Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft wegzudenken. Als Impulsgeber treiben sie auch die Innovationskraft etablierter Unternehmen voran. Im Rahmen der Start-Up-Woche Düsseldorf brachte der „WHU Entrepreneurship Roundtable“ der WHU – Otto Beisheim School of Management am 13. April Gründer, Studierende, Investoren und Unternehmen an einen Tisch, um Innovationschancen durch Corporate Venture-Capital zu diskutieren.

Corporate Venture-Capital beschreibt die Investitionen von Gesellschaften und Firmen in Start-up- oder Privatunternehmen. Dabei verfolgen die Kapitalgeber nicht nur finanzielle Ziele, sondern auch strategische Ziele wie Stärkung von Geschäftsfeldern, Zugang zu (technischen) Innovationen und Diversifikation. Neben der Bereitstellung von Eigenkapital werden auch Ressourcen und Managementunterstützung zur Verfügung gestellt. Inzwischen setzt eine wachsende Zahl von deutschen Konzernen auf den Ausbau der hauseigenen Venture-Capital-Aktivitäten.

Die erfolgreichen deutschen Start-ups des letzten Jahrhunderts seien heute die etablierten Unternehmen des weltweit respektierten deutschen Mittelstands, erklärte US-Botschafter John B. Emerson, der als Hauptredner des „WHU Entrepreneurship Roundtables“ sprach, gleich zu Beginn seines Vortrags. Umso wichtiger sei es, die Aktivitäten junger Gründer zu fördern. Dabei mache es keinen Sinn, in Deutschland das Silicon Valley noch einmal neu erfinden zu wollen. Vielmehr komme es darauf an, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam ein innovationsfreundliches Klima schafften, betonte Emerson und warb für eine liberale Einwanderungspolitik und das Freihandelsabkommen TTIP als große Chance für Start-ups. Mit Blick auf die USA stellte er fest, dass Deutschland noch immer eine Kultur des Scheiterns fehle und riet Gründern dazu, sich auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. „Junge Unternehmer sollten Risiken nicht alleine schultern müssen“, sagte Emerson und appellierte an Investoren, kleine und mittlere Risiken bei Investitionen in Start-ups in Kauf zu nehmen und mitzutragen.

Im Anschluss diskutierte Emerson mit WHU-Alumnus Uwe Horstmann, Partner bei Project A Ventures, Jewell Strong-Sparks, Global Head of Innovation Scouting & Inclusion bei METRO und Dirk Nachtigal, Managing Director bei BASF Venture Capital die Frage, wie viel Innovation sich durch Corporate-Venture-Aktivitäten erreichen lässt. Sie beleuchteten dabei die Vor- und Nachteile von Corporate Venture-Capital aus Sicht der Investoren und der Gründer.

In Kurzpräsentation gaben namhafte Unternehmen, Investoren und Gründer zusätzlich einen Überblick über die aktuelle Corporate-Venture-Capital-Landschaft in Deutschland und  stellten Organisationsstrukturen nationaler und internationaler Corporate-Venture-Aktivitäten sowie erfolgreiche Kooperationen vor. Eine Auswahl von insgesamt 16 Start-ups präsentierte während des Events die eigene Geschäftsidee in einem Showroom. Darunter zum Beispiel die Plattform HiMate!, die Flüchtlinge und Unternehmen zusammenbringt, oder das von WHU-Absolventen gegründete Start-up Evopark, das mit einer Parkkarte bargeldlos den Zugang zu Parkhäusern ermöglicht.

Das Team des "WHU Entrepreneurship Roundtable" mit US-Botschafter John B. Emerson

WHU-Rektor Prof. Dr. Markus Rudolf eröffnet das Event

Teilnehmer des "WHU Entrepreneurship Roundtables"

US-Botschafter John B. Emerson

Podiumsdiskussion mit Chris Grew, John B. Emerson, Uwe Horstmann, Jewell Strong-Sparks und Dirk Nachtigal (vlnr.)