Mittwoch, 27. April 2016

Start-up & Social Media: 6 Fragen an Kale&Me

WHU-Alumnus Konstantin Timm erklärt im Interview, wie sein Start-up Social Media im Marketing einsetzt

Der Markt mit Saftkuren ist hart umkämpft. Was ist euer Erfolgsrezept?

Die Lebensmittelbranche in Deutschland ist aktuell sehr stark in Bewegung. Gesundheitstrends aus dem Ausland schwappen mit einigen Jahren Verzögerung nun auch nach Deutschland, und so entstehen viele Unternehmen, die in diesen Markt drängen. Wir haben jedoch nicht das Gefühl, dass man um jeden Marktanteil kämpfen muss, da der Markt selber noch stark am wachsen ist und jeder Mitbewerber zu diesem Wachstum beiträgt. Dennoch ist eine frühzeitige Positionierung und Abgrenzung zum Wettbewerb ausschlaggebend, um auch in einer späteren Konsolidierungsphase bestehen zu können. Wir setzen hier stark auf die Kombination von traditionellen Herstellungsmethoden und kombinieren diese mit innovativen Technologien. So sind unsere Säfte zum Beispiel ohne Pasteurisierung und Zusatzstoffe mehrere Wochen haltbar.

Ihr arbeitet mit vielen Bloggern und Youtubern zusammen. Wie läuft die Kontaktaufnahme und Kooperation mit diesen ab?

Wir haben neben hohen Qualitätsansprüchen an unsere Säfte die Verpackungen so konzipiert, dass diese ansprechend aussehen und auch auf Fotos eine starke Wirkung haben. Durch die Optik und den allgemeinen Gesundheitstrend haben wir nun das Glück, dass unsere Produkte bei Bloggern einfach “in” sind. Daher erhalten wir aktuell circa 5-20 Anfragen pro Tag von Influencern und Bloggern, die unsere Produkte testen wollen und dann kostenlos darüber berichten. So können wir sehr kostengünstig eine große Menge an möglichen Kunden erreichen. Neuerdings gesellen sich nun auch einige Promis und Instagramgrößen wie Stefanie Giesinger und Lena Meyer-Landrut dazu. 

 

Welche Herausforderungen bringt das für euch als Unternehmen mit sich, wenn Werbung zunehmend auch auf Youtube gekennzeichnet werden muss?

Bei diesen Kennzeichnungspflichten ist es ausschlaggebend, ob es eine monetäre Gegenleistung an den Influencer gegeben hat. Da wir viele Kooperationen ohne monetäre Gegenleistung eingehen, trifft uns diese Pflichtkennzeichnung nicht so stark, wie man denken mag. Zusätzlich haben gute Influencer den Anspruch nur über Produkte zu berichten, hinter denen sie auch stehen. Daher werden die Verträge auch meist so konzipiert, dass es nur zu einer Berichterstattung kommt, wenn das Produkt auch überzeugend ist. Das wissen die Follower, und so leidet die Glaubwürdigkeit der Influencer in der Regel nicht allzu sehr. 


Social Media Marketing rückt nun auch in den Fokus von vielen größeren Unternehmen, die den Trend nicht verpassen wollen. Hat dies Auswirkungen auf euch und wie geht ihr mit diesen um? 

Ja, dieses Interesse spüren wir sehr stark. Es kommt häufiger vor, dass wir zum allgemeinen Austausch von größeren Unternehmen eingeladen werden, um über das Thema Social Media Marketing zu sprechen. 

Kurzfristig halten sich die Auswirkungen noch im Rahmen. Langfristig wird sich der Bereich jedoch stark verändern. So haben sich die Preise der bezahlten Kooperationen innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt - wir hatten neulich eine Angebot für 10000 Euro pro Instagram Post auf dem Tisch-  die Gesamtzahl an bezahlten Posts steigt an und mehr und mehr Menschen werden Influencer. Dies hat negative Auswirkungen auf das Nutzerverhalten. Viele Nutzer bei zum Beispiel Instagram werden mit Product Placements überschüttet und so verringert sich seit geraumer Zeit das Gesamtengagement der Nutzer mit diesen Plattformen. Daher ist es wichtig sich schnell an die neuen Gegebenheiten anzupassen und neue Kanäle zu finden. So sind wir nun beispielsweise dabei Snapchat als möglichen Kanal zu testen. 

 

Ihr seid auch selbst im Social Media-Bereich sehr aktiv. Abgesehen von Kooperationen, wie nutzt ihr Facebook, Instagram und Co.?

Wir nutzen unsere Social Media Kanäle hauptsächlich aus zwei Gründen:

1. Neukundengewinnung: Diese unterteilt sich dann zum einen in die schon erwähnten Kooperationen mit Influencern. Zum anderen nutzen wir diese Kanäle für unser enges Netz des Remarketings. Das bedeutet, dass wir alle möglichen Kunden, die schon einmal auf unserer Website gewesen sind, über verschiedenste Anzeigen bewerben. Die Meisten, die schon einmal auf unserer Website waren, werden dies eventuell schon bemerkt haben. 

2. Kundenbindung: Wir wollen unseren Kunden transparent aufzeigen wie wir arbeiten und unsere Produkte produzieren. Einer unserer starken Merkmale ist, dass wir auf Deutschland als Produktionsland setzen und nicht wie unsere Konkurrenz aufgrund von Kosteneffizienzen die Produktion ins Ausland verlagern. Für uns ist es daher sehr wichtig, dass wir uns nicht hinter der Firma Kale&Me verstecken, sondern authentische Einblicke in das Geschehen bieten. Hierfür sind diese Social Media Plattformen ideal geeignet. 

 

Was könnt ihr anderen Start-Ups bezüglich Firmengründung und Social Media raten?

Bei einem B2C Business kommt man um die Nutzung von Social Media kaum herum, da die meisten Zielgruppen hierüber schnell und effizient zu erreichen sind. Daher würden wir jedem Gründerteam empfehlen sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und frühzeitig eine Strategie auszuarbeiten, die sich von anderen Unternehmen abgrenzen lässt. 

Website Kale&Me

Das Kale&Me Team Konstantin Timm, Annemarie Heyl und David Vinnitski