Dienstag, 29. März 2016

Startup: Seed-Finanzierungsrunden abschließen

Reparando schließt Seed-Finanzierung mit hoher sechsstellige Summe ab: WHU-Alumnus Vincent Osterloh berichetet von Learnings und Erfahrungen seine Start-ups

Vor wenigen Wochen haben wir mit Reparando unsere Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Catagonia Capital, Richmond View Ventures, die Gründer von trivago und einige internationale Business Angels haben eine hohe sechsstellige Summe investiert. Wie wir vorgegangen sind und was wir dabei gelernt haben, berichte ich im Folgenden.

Aber von vorne angefangen: Was ist Reparando überhaupt?

Reparando ist ein überregionaler mobiler Smartphone-Reparaturservice, der für herausragende Kundenerlebnisse sorgt. Unseren Kunden mit einem perfekten Service zu begeistern, ist unser tägliches Ziel. Um diese Mission bestmöglich umzusetzen, wurde Reparando im Juli 2015 von Jakob Schoroth (WHU BSc 2011, MSc 2015), Till Kratochwill und Vincent Osterloh (WHU MSc 2015) gegründet. Zu Beginn haben wir das Unternehmen aus eigenen Mitteln und mit Unterstützung der beiden Business Angels Peter Ambrozy (Gründer edelight und Mädchenflohmarkt) und Feliks Eyser (Gründer RegioHelden) finanziert. Doch wir wussten von Anfang an, dass wir das angestrebte Wachstumstempo nur mit Hilfe externer Investoren erreichen konnten. Daher haben wir im Dezember 2015 eine Seedfinanzierungsrunde abgeschlossen. 

Was war dabei wichtig? Was hat funktioniert und was hat nicht funktioniert? Was haben wir gelernt? Und was hat letztlich zum Erfolg geführt?

1.  Baue dir rechtzeitig ein Netzwerk auf

Eines der Probleme, die es zunächst zu lösen gilt, ist die Ansprache der Investoren. Generell gilt die ungeschriebene Regel, dass man Investoren, die man noch nicht persönlich kennt am besten über eine Empfehlung eines gemeinsamen Bekannten anspricht. Viele Investoren, insbesondere im institutionellen Bereich, reagieren auf direkte Anfragen überhaupt nicht oder nur sehr vereinzelt.

Dementsprechend ist es essentiell, sich frühzeitig ein gutes Netzwerk zu aktiven Business Angels und Wagniskapitalgebern aufzubauen und dieses auch aktiv zu pflegen. Das Aufbauen eines entsprechenden Netzwerks ist relativ simpel, wenn man sich an folgende Grundregel hält: Hilf so vielen Menschen wie möglich ihre Ziele zu erreichen und im Gegenzug werden viele Menschen nur darauf warten, dir bei Gelegenheit ebenfalls zu helfen, deine Ziele zu erreichen. Wir haben z.B. während unseres gesamten Studiums probiert, in jedem Praktikum möglichst viele Kollegen kennenzulernen, immer Top-Ergebnisse zu liefern und andere bei der Erreichung Ihrer Ziele zu unterstützen. Im Gegenzug hatten wir das Glück, dass das Netzwerk unseres Gründerteams uns bei der Herstellung von Kontakten sehr unterstützt hatte.

Ein weiterer wichtiger Faktor war die Unterstützung unserer Angel Investoren. Beide Angels hatten schon mehrere Finanzierungsrunden mit unterschiedlichsten Investoren abgeschlossen und konnten uns nicht nur mit Tipps und Feedback weiterhelfen, sondern haben uns ebenfalls viele wertvolle Kontakte hergestellt – die letztlich einen wesentlichen Teil unserer Finanzierungsrunde ausmachten.

2. Bereite dich perfekt vor

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, und trotzdem ist es so wichtig, dass es sich lohnt, es noch mal zu erwähnen: Alles, wirklich alles, was an mögliche Investoren rausgeschickt wird, sollte absolut fehlerfrei und durchdacht sein und auch kritischen Betrachtungen Stand halten können. Egal ob es sich um das Pitch Deck, den Finanzplan oder den Erstkontakt per E-Mail handelt – hier gilt es zu zeigen, dass man einen Blick fürs Detail hat und Dinge fehlerfrei umsetzen kann. Wie beim ersten Date möchte man hier keinen schlechten Eindruck hinterlassen.

3. Execute

Wie so oft hängt der Erfolg der Finanzierungsrunde letztlich von der Umsetzung ab. Das heißt in diesem Fall: Von der Qualität des Pitches, davon wie schlüssig und fundiert man die Fragen der Investoren beantworten kann und wie man die Finanzierungsrunde organisiert, um an Tag X eine Unterschrift aller Investoren auf dem Papier zu haben.

Was uns hier extrem geholfen hat, war, dass wir sehr frühzeitig angefangen haben, ein Term Sheet und dann auch direkt einen ersten Vertragsentwurf vorzubereiten. Insbesondere die Ausgestaltung des Beteiligungsvertrags dauert immer länger als man es ursprünglich plant, weshalb es sich auszahlt damit frühzeitig anzufangen. Auch bei diesem Thema haben wir einmal mehr gemerkt, wie entscheidend es ist mit einem guten Anwalt zusammenzuarbeiten. Es spart einem unglaublich viel Zeit wenn ein Anwalt selbst aktiv mitdenkt und darauf achtet, den Vertrag schlank und für Gründer und Investoren gleichermaßen fair zu gestalten.

4. Nutzen von psychologischen Effekten

Eines unserer größten Learnings war, wie wichtig es ist, die psychologischen Mechanismen aller Beteiligten zu berücksichtigen. Eine Finanzierungsrunde ist eine komplexe Angelegenheit, insbesondere wenn man bedenkt, wer alles in irgendeiner Form involviert ist: Potenzielle Investoren, ggfs. bestehende Investoren, die Mitarbeiter, für die die Fortführung des Unternehmens existenziell ist und natürlich das Gründerteam, das sich nervlich auf die ein oder andere Belastungsprobe einstellen muss. Dementsprechend gilt es, mit allen Beteiligten klar und offen zu kommunizieren, ohne zugleich außer Acht zu lassen, dass jeder Stakeholder anders auf die Entwicklungen während einer Finanzierungsrunde reagiert.

Bei Reparando ist die Finanzierungsrunde zu Beginn zunächst sehr positiv angelaufen, und wir hatten schnell die ersten Zusagen. Doch dann kam eine Phase von knapp zwei Wochen, in denen die Finanzierung ein wenig ins Stocken kam. Wir haben immer weitere Leute angesprochen, hatten gute Gespräche, aber letztlich keine weiteren Zusagen. Wir haben daraufhin zwei Dinge gemacht, die letztlich zum Erfolg geführt haben: 1. Wir haben einen Notartermin vier Wochen später festgesetzt und uns gesagt: An diesem Tag schließen wir die Runde ab – entweder mit mehr oder mit weniger Investoren. 2. Wir haben unsere Business Angels und die Investoren, die bereits zugesagt hatten, darum gebeten noch mal weitere Kontakte herzustellen und uns zu unterstützen. Der Effekt dieser Maßnahme war ebenfalls sehr positiv und hat uns zu weiteren Zusagen verholen.

5. Zug zum Tor

Anschließend an die im letzten Abschnitt genannten Punkte war es schließlich der „Zug zum Tor“, der zum erfolgreichen Abschluss der Finanzierungsrunde im geplanten Zeitraum geführt hatte. Dadurch, dass wir einen feststehenden Notartermin hatten konnten wir jedem interessierten Investor ein festes Datum nennen, an dem die Runde abgeschlossen sein würde – mit ihm oder ohne ihn. Das führte dazu, dass die Entscheidungen schneller getroffen wurden und wir auch die Investoren, die die ersten Zusagen gaben, nicht zu lange warten lassen mussten, da dies sonst irgendwann zu Verunsicherung führt.

Ähnlich war es mit der Abstimmung der Verträge mit den Anwälten und Investoren. Auch hier haben wir alles drangesetzt, bis zum Tag des Notartermins alles abzuschließen. Wir haben uns letztlich gesagt: Es muss gehen. Ein Verschieben des Notartermins ist für uns keine Option.

Auch wenn die zwei Monate der Finanzierungsrunde anstrengend und intensiv waren, haben wir viel gelernt und es hat Spaß gemacht. Und letztlich hat sich gezeigt, was wir schon im Studium an der WHU oft festgestellt haben: Man schafft alles in der Zeit, die man zur Verfügung hat.

(Text unseres Alumnus Vincent Osterloh, Reparando)