Forum Mittelstand 2017

Unternehmernachmittag am 20. Juni 2017
Internationalisierung in mittelständischen Unternehmen

Viele mittelständische Unternehmer agieren bereits erfolgreich im europäischen Ausland und festigen so den Ruf der deutschen Wirtschaft als Exportweltmeister. Doch auch jenseits der europäischen Grenzen locken neue, wachstumsstarke Absatzmärkte. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen riskieren viel, doch können auch umso mehr gewinnen, wenn sie vertraute nationale oder europäische Grenzen überschreiten und es ihnen gelingt, sich im Wettbewerb mit ressourcenstarken Großunternehmen erfolgreich in neuen Märkten zu positionieren. Der Schritt ins Ausland ist damit immer eine weitreichende Entscheidung und sollte klaren Überlegungen folgen. Hier setzte am 20. Juni das erste Forum Mittelstand des Jahres 2017 mit einem Unternehmernachmittag zum Thema „Neue Wachstumsmärkte erschließen – Potenziale und Stolpersteine für mittelständische Unternehmer“ an.

Bei der Planung einer Auslandsexpansion ist die Kenntnis rechtlicher Rahmenbedingungen vor Ort eine unerlässliche Voraussetzung. Das Forum Mittelstand folgte dieser Logik und überließ, nach der Begrüßung durch die Organisatoren Prof. Dr. Christina Günther, Inhaberin des IHK-Lehrstuhls für kleine und mittlere Unternehmen an der WHU und Ralf Lawaczek, Geschäftsführer der IHK Koblenz, Rechtsanwalt Dr. Timo Karsten den ersten Vortrag des Tages. Während seines Überblicks über rechtliche Schritte zur erfolgreichen Internationalisierung und Geschäftstätigkeit im Ausland wurde deutlich, dass die Bedeutung einzelner rechtlicher Aspekte auch maßgeblich von individuellen, strategischen Entscheidungen abhängt. Karsten verwies auf unterschiedliche Rechtsformen, darunter etwa Niederlassungen oder Tochtergesellschaften, deren juristische Stellung verschiedene Vor- und Nachteile mit sich brächten. Auch die Entscheidung für die Entsendung eigener Fach- und Führungskräfte oder die Anwerbung lokaler Mitarbeiter stelle die Weichen für spätere Entwicklungen. Um bei steuer- und arbeitsrechtlichen Fragen im Dschungel lokaler Gesetzgebungen den Durchblick zu behalten, riet er den Teilnehmern zur Durchführung einer Markstudie. Auch die Investition in eine landeskundige Rechtsberatung und der Einsatz eines Tax- oder Payroll-Teams sowie gut vernetzter Recruiter zahlten sich langfristig aus.

Beobachtungen, die auch Holger Hoffmann, Management Consultant und Interim Manager, iLux Electricals Pvt. Ltd, im Rückblick auf vier Jahre als Vorstandsmitglied einer indischen Produktionsfirma teilt. Hoffmann, inzwischen im Start-up-Bereich tätig, nahm die Anwesenden mit auf eine Reise in eine fremde Welt. Sein sehr persönlicher Vortrag über Personalführung und Kommunikation im Ausland, am Beispiel seiner Erfahrungen als einziger Europäer in einem ehemaligen indischen Familienunternehmen, beleuchtete alltagsrelevante Aspekte wie Religion, Sprache, Kultur und Politik. Ein großes Paradoxon sei die indische Vorliebe für Bürokratie bei gleichzeitiger Nichtbeachtung der zahllosen, oft nicht umsetzbaren Gesetze. Die daraus resultierenden, allgegenwärtigen Ausweichstrukturen und Netzwerke seien nützlich und verlässlich, wenn man sie akzeptiere und zu verstehen lerne. Echtes Interesse, offener Dialog und Akzeptanz für Traditionen aller Art stellte Hoffmann als Erfolgsfaktoren heraus. „Bei einem können Sie sicher sein: es funktioniert nichts wie geplant aber alles ist verhandelbar und möglich“, fasste er seine Erfahrungen in Indien zusammen.

Robert Lippmann, Geschäftsführer Standortpolitik und International der IHK Koblenz, leitete den zweiten Teil der Veranstaltung mit einer Präsentation über die Außenhandelskammern der IHK ein. Im Anschluss diskutieren Thomas Kleppel, Winkler und Dünnebier Süßwarenmaschinen GmbH, Dr. Antje Eckel, Dr. Eckel Animal Nutrition GmbH & Co. KG und WHU Alumnus Dr. Henning Kocks, Kocks Consult GmbH, beim traditionellen Programmpunkt „Unternehmer im Dialog“ mit den Teilnehmern über eigene erfolgreiche Expansionen ins Ausland, respektive Russland, Thailand und Kasachstan. Zum Abschluss des Unternehmernachmittags stellte Alexander Feltes, Analyst bei der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, verschiedene Angebote und Maßnahmen zur Begleitung deutscher Mittelständler in Wachstumsmärkten vor. Am Beispiel dreier Fälle aus der eigenen Beratungsarbeit informierte er über Motive, Sorgen sowie Überraschungen bei Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet im Herbst 2017 statt.

Forum Mittelstand 2016

Unternehmernachmittag am 10. November: Lebenswerk sichern!

Aktueller Handlungsbedarf bei Finanzen, Recht und Steuern

Der Abschied vom aktiven Berufsleben und die damit verbundenen Veränderungen stellen sowohl den scheidenden Mitarbeiter als auch das betroffene Unternehmen vor vielfältige Herausforderung. Die Nachfolge ranghoher Mitarbeiter optimal zu gestalten, bedarf eines langen Atems und sorgfältiger Planung. Geht es dabei um die Nachfolge in kleinen oder mittelständischen Betrieben, so ist der Abschied vom Chefsessel meist auch ein emotionaler Abschied. Wer die eigene Firma verkauft oder an den Nachwuchs übergibt, blickt automatisch auf sein eigenes Lebenswerk zurück.

Da sich die Sicherung des Lebenswerks sowie die Nachfolgeregelungen innerhalb und außerhalb der Unternehmerfamilie ändern und das Erbschaftssteuerrecht derzeit neu geregelt wird, punktete das zweite Forum Mittelstand des Jahres 2016 am 10. November mit dem Thema „Lebenswerk sichern! Aktueller Handlungsbedarf bei Finanzen, Recht und Steuern“ mit Aktualität. Die erneut hohe Teilnehmerzahl sprach dabei auch klar für die hohe praktische Relevanz des gewählten Themas.

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Prof. Dr. Christina Günther, Inhaberin des IHK-Lehrstuhls für kleine und mittlere Unternehmen an der WHU und Ralf Lawaczeck, Geschäftsführer der IHK Koblenz, begeisterte Dr. Andreas Fromm, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater, die rund 50 anwesenden Mittelständler aus der Region mit seinem Vortrag über Eckpunkte für die strategische Planung für die familieninterne sowie die familienexterne Nachfolge in den Bereichen Finanzen, Recht und Steuern. Dabei gelang es Fromm, ein komplexes, diverse Handlungsfelder umspannendes Thema lebensnah und verständlich aufzubereiten. Anhand von teils amüsanten, teils überraschenden Fällen aus der Praxis verwies er auf potenzielle Fallstricke und gab konkrete Tipps und Tricks zur Vermeidung häufiger und vermeidbarer, im Einzelfall jedoch oft katastrophaler Planungsfehler. Zu oft gebe es in der Nachfolgeplanung eine „Scheingenauigkeit“. Der Eindruck, alles sei gut geregelt, entstehe meist aus einer zu detaillierten Planung, bei der das Gesamtbild aus dem Auge verloren gegangen sei. Mit Hilfe einer selbstentwickelten Nachfolgematrix beleuchtete Fromm die Nachfolgeplanung systematisch im Hinblick auf alle relevanten Themen, darunter neben offensichtlichen Bereichen wie der betriebswirtschaftlichen Analyse und dem Erbrecht auch nicht zu vernachlässigende Faktoren wie Emotion und Psychologie.

Auch Diplom-Kaufmann Thomas Paul von der Kanzlei für Vermögensmanagement Böker & Paul AG, warnte vor zu viel Sorglosigkeit bei der Nachfolgeplanung. Die unter Unternehmern verbreitete Annahme „Mein Unternehmen ist meine Altersvorsorge!“ sei oft zu wenig durchdacht. Am Musterbeispiel einer durchschnittlichen Unternehmerfamilie zeigte er eindrucksvoll auf, wie sich bestehendes Vermögen nach Renteneintritt in verschiedenen Szenarien entwickeln kann. Dabei betrachtete er sowohl die familieninterne wie auch die familienexterne Übernahme sowie einen Verkauf des Unternehmens. Den anwesenden Unternehmern riet er dazu, die Ruhe zu bewahren und sich frühzeitig ein Gesamtbild der Sachlage in der eigenen Firma zu machen. Als häufigste Versäumnisse deutscher Unternehmer in der Nachfolge- und Ruhestandsplanung nannte er eine zu geringe private Vermögensbildung, unzureichende vertragliche Gestaltung und eine falsche Vorbereitung der eigentlichen Übernahme.

Im Anschluss diskutieren Hans-Jörg Platz, Geschäftsführender Gesellschafter der Hunsrück Sondertransport GmbH und Dr. Antje Eckel, Geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Eckel Animal Nutrition GmbH & Co. KG beim traditionellen Programmpunkt „Unternehmer im Dialog“ mit den Teilnehmern über Nachfolgeüberlegungen in den eigenen Unternehmen.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet im Frühjahr 2017 statt.

Forum Mittelstand 2016

Grundsätze zur Buchführung und Datenschutz im Mittelstand am 20. April 2016

Als gutes Beispiel für die Verbindung von Wissenschaft und Praxis bezeichnete Prof. Dr. Markus Rudolf, Rektor der WHU – Otto Beisheim School of Management, die langjährige Kooperation von WHU und IHK Koblenz in seiner Eröffnungsrede. Dass das erste Forum Mittelstand des Jahres 2016 mit rund 80 Teilnehmern besonders gut besucht war, war auch für Ralf Lawaczeck von der IHK Koblenz Beweis für die hohe praktische Relevanz des gewählten Themas „Neue Grundsätze zur Buchführung - eine Herausforderung für das Informationsmanagement der Unternehmen“. Mittelständler aus der Region diskutierten mit Experten über die neuen Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD), deren Implikationen für Unternehmen sowie über Strategien zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit im Mittelstand.

„Die GoBD haben keine Gesetzeskraft und sind lediglich eine Meinungsäußerung der Finanzverwaltung“, stellte Helmut Heimfarth von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ETL-Heimfarth & Kollegen in seinem Vortrag über die am 14. November 2014 durch das Bundesministerium der   Finanzen eingeführten GoBD klar. Heimfarth betonte, es sei dennoch wichtig, sich mit den GoBD auseinanderzusetzen, im Sinne der eigenen erfolgreichen Unternehmenssteuerung und um das eigene Unternehmen zu schützen. So bestimme der Steuerpflichtige Form und Inhalt der Unterlagen, es sei jedoch im eigenen Interesse die Unveränderbarkeit von Buchungen und Aufzeichnungen zu gewährleisten, Aufzeichnungen dauerhaft zu sichern und dem in den GoBD vorgeschriebenen Schutz vor Verlust nachzukommen, indem alle Belege im Grundbuch dokumentiert werden. Ziel sei die Bewahrung des Datenzustands, um Auswertbarkeit durch Dritte zu ermöglichen.

Einen praktischen Leitfaden zur GoBD Verfahrensdokumentation, heute Prüfungspunkt in der Betriebsprüfung, gab Thomas Martin, Geschäftsführer der IT REVIEW GmbH. Während einst separate Abteilungen wie die klassische Finanzbuchhaltung die Strukturen mittelständischer Unternehmen prägten, verknüpften heute komplexe ERP-Systeme ganze Unternehmensprozesse. Daher müssten Dokumentationsverfahren und Prozesse beschrieben werden, um nachzuweisen, dass die GoBD Ordnungsmäßigkeitsgrundsätze erfüllt werden, sagte Martin. Die Verfahrensdokumentation umfasse eine Beschreibung des Geschäftsprozesses, Anwenderdokumente, technische Systemdokumente und Betriebsdokumente und müsse für einen Sachverständigen in angemessener Zeit prüfbar sein. Dies bedeute zwar etwas Aufwand, doch „man sollte die GoBD zum Anlass nehmen, sein Unternehmen in Sachen IT-Sicherheit einem Check zu unterwerfen“, so Martin.

Einen Perspektivenwechsel wagte Rüdiger Mönkhoff, Geschäftsführer der RDG Management-Beratungen GmbH, der in seinem Vortrag „Wie tickt ihre Bank? - Strategien zur Sicherung und Verbesserung der Kreditwürdigkeit im Mittelstand“ die Einschätzung von Unternehmensunterlagen aus Bankensicht vornahm. „Was ist das zentrale Ratingkriterium bei der Einschätzung von Kreditwürdigkeit?“, fragte Mönkhoff in die Runde. Neben Eigenkapital, Net Working Capital, Unternehmerpersönlichkeit, Sicherheiten und Unternehmensstrategien schauten Banken vor allem auf die Kapitaldienstfähigkeit (KDF), die auf Basis der letzten Bilanz festgestellt werde. Banken könnten jedoch die KDF aus dem Ergebnis der Betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) ableiten. Daher sollten Unternehmer das richtige Ergebnis der eigenen BWA kennen um eine Berechnung der KDF aus der BWA zu erwirken, wenn die KDF des Vorjahres nicht ausreiche, so Mönkhoff.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet am 21. September 2016 zu dem Thema „Demografischer Wandel und Chancen durch internationale Mitarbeiter“ statt.

Ein Artikel zu diesem Forum ist in der Zeitschrift Controlling & Management Review erschienen:
Heimfarth, Helmut; Martin, Thomas; Rehm, Sven-Volker (2017): Mit Verfahrensdokumentationen fit für die digitale Zukunft. In: Controlling & Management Review 61 (1), S. 56–61. DOI: 10.1007/s12176-016-0106-8.    LINK

Forum Mittelstand 2015

Unternehmernachmittag an der WHU: Digitale Transformation der Wertschöpfung

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Mittelstand der WHU und der IHK Koblenz fand am 11. November der zweite Unternehmernachmittag im Jahr 2015 an der WHU – Otto Beisheim School of Management statt. Unter dem Motto „Produktion und Dienstleistung – wie WHU-Absolventen erfolgreiche Beiträge zur digitalen Transformation der Wertschöpfung in kleinen und mittleren Unternehmen leisten“ diskutierten Vertreter der regionalen Wirtschaft, Experten aus Wissenschaft und Praxis und WHU-Alumni über Chancen und Herausforderungen bei der digitalen Transformation in mittelständischen Unternehmen.

Die Digitalisierung erfasst zunehmend weite Teile des privaten wie auch des beruflichen Lebens. Deshalb ist das Thema „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ zunehmend auch für mittelständische Unternehmer von erheblicher Bedeutung. In der Öffentlichkeit werden vielfach übergreifende Themen wie Big-Data, Informationssicherheit und Datenschutz, Industrie 4.0, die smarte Fabrik oder auch Cloud-Computing diskutiert.

Nur selten wird bislang gezeigt, wie sich jetzt und vor allem künftig im mittelständischen Unternehmen diese Transformationsprozesse in der Praxis zeigen und wie sich diese Transformationen auf die jeweiligen Geschäftsmodelle auswirken werden. Im Rahmen des Forum Mittelstand zeigten junge Unternehmerinnen und Unternehmer – alle Absolventen der WHU und alle heute im Familienbetrieb tätig - anhand ihrer Firmen und der realisierten Konzepte aus unterschiedlichen Branchen, wie sich konkret die Potentiale der Digitalisierung nutzen lassen, um auch in Zukunft unter den sich permanent verändernden technologischen Möglichkeiten erfolgreich am Markt agieren zu können.

Nach der Begrüßung durch Ralf Lawaczeck von der IHK Koblenz sprach Prof. Dr. Thomas Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU, einige einführende Worte und betonte die Unaufhaltsamkeit der Digitalisierung. Die technologische Entwicklung, so Fischer, dringe in alle Wertschöpfungsprozesse ein und verändere dabei auch die Gesellschaft. Den anwesenden Unternehmern empfahl er, auf Innovationen offen zuzugehen, von der Konkurrenz zu lernen und Kunden aktiv in Innovationsprozesse einzubinden.

Als erste Rednerin des Nachmittags stellte Alumna Julia Kasper ihr Unternehmen „holzgespür“ vor. Aufgewachsen im Umfeld der väterlichen Tischlerei entwickelte Kasper während ihres Studiums an der WHU den Business Plan für ihr Gründungsvorhaben, eine Onlineplattform für individuelle, maßgefertigte Möbel aus heimischen Qualitätshölzern. Wer bei „holzgespür“ etwa einen Tisch bestellt, kann dieses online in einem eigens für das Unternehmen entwickelten 3D-Designer entwerfen. Den Fertigungsprozess begleitet Kaspers Team mit der Kamera und lässt den Käufern Dank individueller Videos an der Verarbeitung vom Baum zum Tisch teilhaben. Auf diese Weise will Kasper nicht nur die Tischlerei ihres Vaters fit für die Zukunft machen, sondern in Zukunft auch weiteren Tischlereien eine digitale Plattform bieten. „Veränderungen sind leise, schnell und nachhaltig“, erklärte sie und riet den Anwesenden, sich möglichst frühzeitig auf Wandel vorzubereiten.

Auch Alumna Milen Volkmar ist als Unternehmerin im eigenen Familienbetrieb tätig. Als ihr Vater 1990 den IT-Provider „Q-SOFT“ gründete, lagen Digitalisierung und Big Data noch in weiter Ferne. Volkmar widmet sich nun der Entwicklung und Vernetzung eines digitalen Assistenzsystems, dem „Q/M/S mediasystem“, das insbesondere älteren Menschen das  selbstbestimmtes Leben im eigenen Heim erleichtern soll. Das modulare und plattformübergreifende Bediensystem kann in jedem Haus mit Internetzugang an den Fernseher angeschlossen werden und bietet Funktionen wie eine Tablettenalarmierung, Kalenderfunktion oder einer automatischen Statusabfrage, um altersgerechtes Wohnen im Sinne des sogenannten AAL (Ambient Assisted Living) zu ermöglichen. Sorgen bereitet Volkmar derzeit noch die fehlende Vernetzung und Kooperation der verschiedenen Akteure im AAL Markt. 

Zum Abschluss des Nachmittags gewährte Alumnus Dr. Christian Coppeneur-Gülz Einblicke in sein Unternehmen „WWM Live Marketing Solutions“. Ursprünglich 1977 unter dem Namen Werbewerkstätten Monschau als Messebauunternehmen von seinem Vater gegründet, stand das Unternehmen Ende der 2000er-Jahre vor der Herausforderung, in der Dank Internet und Globalisierung schrumpfenden Messebaubranche, zukunftsfähig zu bleiben. Coppeneur-Gülz wagte ein Experiment und ging die Digitalisierung des Live-Marketings an. Zunächst digitalisierte er alle individuellen Grafiken, Druck- und Werbeerzeugnisse seiner Kunden und virtualisierte danach deren Messestände. Heute ist sein Unternehmen unter anderem in der Lage innerhalb von 48 Stunden komplette Messestände mit vorher stückzahlgenau bestellten Materialien zu liefern.

Zum Abschluss des Forum Mittelstandes stellte Prof. Dr. Fischer die laufende Forschungsarbeit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Melinda Jiang vor. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit entwickelt Jiang einen Lösungsansatz, um den aktuellen digitalen Entwicklungsstand kleiner und mittlerer Unternehmen zu beurteilen, und deren digitale Transformation individuell zu fördern. Den anwesenden Unternehmern bot sie eine Zusammenarbeit an, die auf reges Interesse stieß.

Das Forum Mittelstand an der WHU hat sich zum Ziel gesetzt, mittelständische Unternehmen, insbesondere aus der Region, in der die WHU - Otto Beisheim School of Management beheimatet ist, über neue wissenschaftliche Erkenntnisse kompetent zu informieren. Durch regelmäßige Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der IHK Koblenz möchte das Forum Mittelstand einen signifikanten Beitrag zur Wirtschafts- und Innovationskraft der Unternehmen leisten und den Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaftlern fördern.

Unternehmernachmittag an der WHU: Strategische Personalentwicklung: Vom Recruiting bis zur Mitarbeiterbindung

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Mittelstand der WHU und der IHK Koblenz fand am 23. April erneut ein Unternehmernachmittag an der WHU – Otto Beisheim School of Management statt. Unter dem Motto „Strategische Personalentwicklung: Vom Recruiting bis zur Mitarbeiterbindung“ diskutierten führende Vertreter der regionalen Wirtschaft und Experten aus Wissenschaft und Praxis über Herausforderungen und innovative Lösungen im Bereich der Mitarbeitergewinnung sowie Personalplanung und -entwicklung in mittelständischen Unternehmen.

In Zeiten des demographischen Wandelns führen unbesetzte Stellen, ein Mangel an qualifizierten Auszubildenden  und eine stetig alternde Belegschaft besonders in kleinen und mittleren Unternehmen zu empfindlichen Umsatzverlusten und Wachstumsbeschränkungen. Für diese Problematiken suchte ein Panel aus fünf Experten durch Best Practice und konkrete Handlungsvorschläge im direkten Austausch mit Unternehmern der Region Lösungen.

Den Teilnehmern des diesjährigen Forum Mittelstand stehen unter folgendem Link die Präsentationen der Referenten zur Verfügung. Um das Passwort zum Öffnen der Dokuments zu bekommen, kontaktieren Sie bitte die IHK Koblenz (Maxeiner@koblenz.ihk.de).

Forum Mittelstand 2014

Innovation durch Kooperation – Ist mein Unternehmen netzwerkfähig?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe der „Unternehmernachmittage“ fand am 12. März 2014 an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar ein Workshop zum Thema Innovation durch Kooperation – Ist mein Unternehmen netzwerkfähig? statt.

Die Fähigkeit von Unternehmen zur Innovation geht heute zunehmend einher mit ihrer Bereitschaft, mit geeigneten Partnern zu kooperieren. Um Vorteile zu erschließen, benötigen sie die Fähigkeit, sich das spezifische Wissen von Kunden und Lieferanten zu Nutze zu machen. Aber auch die potenziellen Kenntnisse und Fähigkeiten der Partner aus angewandter Forschung und Beratung liefern häufig Anstöße und konkrete Beiträge zu gemeinschaftlicher Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen.

Ende 2013 wurde deshalb in Koblenz im Rahmen des von der Landesregierung Rheinland-Pfalz jährlich ausgelobten Innovationspreises die Innovationspartnerschaft eines mittelständischen Unternehmens mit einer Hochschule als vorbildliches Innovationskonzept ausgezeichnet.

Das Forum Mittelstand an der WHU und die IHK Koblenz haben nun aktuell aus Sicht der Praxis aufgezeigt, wie Unternehmen und Dienstleister gemeinsamen Innovationserfolg erreichen können. Hierzu wurden auch die Ergebnisse eines umfassenden internationalen Forschungsprojektes genutzt. Dieses hat in systematischer Weise die Netzwerkfä̈higkeit von kleinen und mittleren Unternehmen untersucht und in konkreten Innovationsprojekten Verbesserungen praktisch umgesetzt.

Erläuterung:

  • Netzwerkfähigkeit setzt generell voraus, dass Unternehmen
  • ü̈ber individuelle Kompetenzen der beteiligten Mitarbeiter verfügen,
  • geeignete organisationale Strukturen besitzen, 
  • Erfahrung mit unternehmensübergreifender Wertschöpfung
    (z. B. Wertschöpfungsketten) haben und
  • die notwendige Informationstechnologie beherrschen.

Diese Eigenschaften und Fähigkeiten müssen im Einzelnen überprüft und differenziert bewertet werden. 

Netzwerkkompetenz

Prof. Dr. Thomas Fischer, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU, zeigte mit seinen Mitarbeitern den Rahmen und wesentliche Faktoren auf, um systematisch die Kooperationsfähigkeit von Unternehmen bewerten zu können.

Praxistest während des Workshops mit den Teilnehmern/Teilnehmerinnen aus den Unternehmen

Hier ging es um die Ermittlung der Netzwerkfähigkeit anhand von anonymen Fragebögen, in denen die individuellen Faktoren erfasst und im Rahmen einer Diskussion diskutiert und bewertet wurden. Anschließend erfolgte die Bewertung der Ergebnisse in Schwerpunktgruppen und die Ableitung möglicher Bedarfe in den Unternehmen. Danach folgte eine Diskussion im Plenum.

Ziel

Jeder Teilnehmer des Workshops sollte in die Lage versetzt werden, eine individuelle Einschätzung der Netzwerkfähigkeit des eigenen Unternehmens vorzunehmen sowie Ansätze zur Verbesserung zu erkennen.

Das Angebot zur Weiterführung eines Praxisdialoges zwischen den Unternehmen und dem Lehrstuhl wurde im Nachgang gern angenommen. Hierzu haben Prof. Dr. Thomas Fischer, Juniorprofessor Dr.-Ing. Sven-V. Rehm und die Mitarbeiter des Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU mögliche Themenfelder einer weiteren praxisorientierten Zusammenarbeit aufgezeigt. 

Forum Mittelstand 2013

Geschäftsführung, Familie, Nachfolge und Ruhestand - Handlungsbedarf 2013 bei Finanzen, Recht und Steuern 

Die IHK Koblenz und WHU - Otto Beisheim School of Management veranstalteten zum wiederholten Mal einen Unternehmernachmittag zu aktuellen Themen und stießen auf großes Interesse: "Geschäftsführung, Familie, Nachfolge und Ruhestand - Handlungsbedarf 2013 bei Finanzen, Recht und Steuern". 


Unter diesem Motto veranstalteten die IHK Koblenz in Zusammenarbeit mit der WHU - Otto Beisheim School of Management zum wiederholten Male einen Unternehmernachmittag im Rahmen der Initiative "Forum Mittelstand an der WHU - Wissen stärkt unseren Standort". Am 04. Juni 2013 trafen sich 50 interessierte Unternehmer der Region, um technologische Entwicklungen und neue Managementkonzepte kennen zu lernen. Prof. Dr. Sabine Rau, Leiterin des INTES Instituts für Familienunternehmen der WHU, begrüßte die Teilnehmer und führte durch das spannende Programm der Referenten. So sprach Dr. jur. Rüdiger Fromm, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht, Koblenz, zum Thema "Allgemeine Betrachtung: Handlungsbedarf für Unternehmen bei Vorsorge, Recht und Nachfolge - erforderliche Maßnahmen und Gestaltungsoptionen" sowie zusammen mit Dipl.-Kfm. Thomas Paul (Certified Financial Planner (CFP®)) über Gesellschafts-, Steuer- und Erbrecht sowie über "Eckpunkte für strategische Planung von Familienunternehmen in den Bereichen Finanzen, Recht und Steuern".

Die Themen stießen auf großes Interesse und zusammen mit Dipl.-Ing. Martin Görlitz traten die Unternehmer in einen interessanten Dialog und diskutierten über o.g. Themen.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Forum Mittelstand sind in Planung.

Forum Mittelstand 2012

Innovationsfreudigkeit versus langfristige Stabilität mittelständischer Unternehmen ‐ Widerspruch oder kombiniertes Erfolgsrezept?

Unternehmernachmittag an der WHU: Innovation in mittelständigen Unternehmen – Chancen und Risiken. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Mittelstand der WHU und der IHK Koblenz fand am 22. November 2012 erneut ein Unternehmernachmittag an der WHU – Otto Beisheim School of Management statt.

Unter dem Motto „Innovationsfreudigkeit versus langfristige Stabilität mittelständischer Unternehmen ‐ Widerspruch oder kombiniertes Erfolgsrezept?“ wurden Ergebnisse einer repräsentativen und umfassenden Untersuchung diskutiert und konkrete Erfolgsgeschichten vorgestellt.

In dem ersten Vortrag gab Dr. Christoph Zanker, Projektleiter im Fraunhofer ‐Institut für System‐ und Innovationsforschung, einen Einblick in Innovationsstrategien im Mittelstand“. Grundlage seines Vortrages war eine repräsentative und einmalige Umfrage des Fraunhofer Instituts, welche sich mit der „Modernisierung der Produktion“ befasst. Zahlreiche Aspekte wie die Personalpolitik oder Innovationsstrategien familiengeführter Betriebe wurden hierbei beleuchtet. Als Fazit stellte Zanker heraus, dass inhabergeführte Familienbetriebe tendenziell eher auf mittel‐ bis langfristige Strategien im Bereich Investitionen, Personalpolitik und Gewinnsteuerung setzen.

Weiterhin betreiben viele inhabergeführte Familienunternehmen nur in geringem Umfang Forschung und Entwicklung, sind im Endergebnis jedoch trotzdem innovativ und langfristig wettbewerbs‐ und überlebensfähig.

Unter dem Präsentationstitel „Warum man Regeln brechen muss, um Märkte zu erobern“, berichtete Dr. Christian Coppeneur‐Gülz, wie es ihm als Geschäfts-führer gelungen ist, durch den intensiven Einsatz von Informations-technologien das traditionelle Messebauunternehmen WWM in ein ganzheitliches Dienstleistungsunternehmen zu transformieren. Coppeneur‐Gülz definierte „Innovation“ als „strategisch“ und als einen „Prozess“, für welchen man Zeit, Geld, aber auch ganz besonders Mut braucht. Gerade in gewachsenen Unternehmen ist demnach die Veränderungsbereitschaft eingeschränkt – es erfordert somit eine gute Idee, Mut und Überzeugungskraft, Veränderungs-prozesse in Gang zu setzen und erfolgreich zu realisieren. Die WWM Gruppe ist heute der führende Anbieter für integrierte Marketing‐Lösungen.

Auch Franz‐Jürgen Kümpers sorgte für eine Umstrukturierung seines Unter-nehmens. Das bereits 110 Jahre bestehende Unternehmen F.A. Kümpers hat sich von einer Baumwoll‐Spinnerei und ‐Weberei zu einer Produktionsstätte von technischen Hochleistungstextilien (Carbon) entwickelt. Unternehmensziel ist die Entwicklung und Produktion technischer Hochleistungstextilien für die Wind-energie‐, Automobil‐ und Luftfahrtindustrie.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Professor Thomas Fischer (WHU), Dr. Christoph Zanker (Fraunhofer Institut), Professor Sabine Rau (WHU) und Franz‐Jürgen Kümpers (SGL Kümpers) über den Einfluss, den  Familien-mitglieder in der Geschäftsführung auf die Innovationsfreudigkeit einerseits sowie auf die langfristige Stabilität der Unternehmen andererseits nehmen.

Forum Mittelstand 2011

Turnaround Management in Familienunternehmen

Am 09. November 2011 beschäftigte sich ein Unternehmernachmittag zum Thema "Turnaround Management in Familienunternehmen" mit den spezifischen Krisenmustern von Familienunternehmen, den Möglichkeiten eines proaktiven Krisenmanagements sowie mit Maßnahmen zur Abwendung einer bestehenden Krise oder einer drohenden Insolvenz.

Robert Mürdter, Geschäftsführender Gesellschafter der Mürdter Gruppe Mutlangen, berichtete aus eigener Erfahrung über die besonderen Herausforderungen bei der Abwendung einer Insolvenz. Am Beispiel seines Unternehmens skizzierten er zusammen mit dem Turnaround-Fachmann Holmer Glietz von der Bonnio GmbH und Martina Rabe (ehem. Deutsche Großbank) sehr persönlich den schwierigen Weg aus der Krise.

Mehr als 100 Mitglieder des Marketing-Club Rhein-Mosel kamen am 12. April 2011 auf das Forum Mittelstand an der WHU. Prof. Dr. Ove Jensen beleuchtete in einem kurzweiligen und praxisnahen Vortrag unter dem Titel "Vertriebsherausforderungen: Dauerbrenner und neue Brennpunkte" klassische und zukünftige Vertriebsherausforderungen. "Back to the Basics!" forderte er.Vertriebsarbeit sei Detailarbeit. Die beste Vertriebsstrategie nutze nichts, wenn es an den Grundlagen des Verkaufens und Führens mangele.

Bionik - Produktideen und Problemlösungen aus der Natur

Unter dem Motto "Bionik - Produktideen und Problemlösungen aus der Natur" fand am 24. Februar 2011 erneut ein Unternehmernachmittag des Forum Mittelstand an der WHU statt. Vertreter der Firmen Festo, ITV Denkendorf und INPRO präsentierten herausragende Innovationen aus dem Bereich der Bionik.

So begeisterte unter anderen Markus Fischer, Leiter Corporate Design der Festo AG & Co. KG, die Teilnehmer mit dem Bionischen Handling-Assistenten, durch welchen das Unternehmen mit dem Deutschen Zukunftspreis 2010 ausgezeichnet wurde.

Forum Mittelstand 2010

Neue Fasern – Neue Verbundwerkstoffe – Neue Wertschöpfungsnetzwerke

Das Thema "Neue Fasern – Neue Verbundwerkstoffe – Neue Wertschöpfungsnetzwerke" stand im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung zu der Veranstaltungsreihe "Chancen für den Mittelstand: Mit neuen Materialien, Technologien und Methoden zu neuen Märkten", die am 17. November 2010 an der WHU stattgefunden hat.

Der Unternehmernachmittag beschäftigte sich mit der Frage, wie mittelständische Unternehmen von aktuellen Entwicklungen im Bereich Fasern profitieren und neue Märkte erschließen können. In Fachvorträgen und Diskussionen wurde deutlich, dass Fasern und Faserverbundwerkstoffe ein großes Zukunftspotenzial darstellen. Kohlenstoff- oder Kevlar-Fasern beispielsweise eröffnen vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der Leichtbauweise, die in der Automobilindustrie und in der Luft- und Raumfahrt zukünftig eine sehr wichtige Rolle spielt.

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