Donnerstag, 28. März 2013

Zypern hat kein Geschäftsmodell mehr - aber was ist mit Luxemburg und der Schweiz

Im Rahmen der ZypernRettung hat sich heraus gestellt, dass manche Volkswirtschaften auf eine extreme Expansion des Finanzsektors gesetzt haben, weil sie so hohe Renditen und Steigerungen des Bruttoinlandsproduktes erzielen konnte. Aktuell wird diskutiert, ob dies ein nachhaltiges Geschäftsmodell für Volkswirtschaften wäre. Länder wie Luxemburg aber auch die Schweiz oder Malta und letztlich auch Großbritannien sind durch diese Diskussion alarmiert und verweisen darauf, dass andere Länder sich ja ebenfalls auf bestimmt industrielle Sektoren konzentrieren.

Deutschland zum Beispiel ist stark auf den Automobil und Maschinenbausektor konzentriert. Dennoch hinken solche Vergleiche. Denn während ein potenzieller Zusammenbruch des Maschinenbausektors schwerwiegende Auswirkungen auf Deutschland hätte, ist keine systemische Kettenreaktion für andere Länder zu erwarten. Das hat einerseits damit zu tun, dass der Bankensektor mit allen realwirtschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Sektoren vernetzt ist. Aber auch damit, dass die Eigenkapitalausstattungen der Banken noch immer weit niedriger sind als die anderer Industriezweige. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass der luxemburgische oder sogar der schweizerische Bankensektor durch die Währungsgemeinschaft eines Tages gerettet werden muss wesentlich größer als dass der deutsche Maschinenbausektor gemeinsame Hilfen benötigt.

Insofern ist die Schaffung einer gemeinsamen Einlagensicherung im Rahmen einer Europäischen Bankenunion im Interesse der Staaten mit einem sehr großen Bankensektor im Vergleich zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt. Die Größe der Volkswirtschaft, von der eine Bank getragen wird, und die eine implizite Garantie für die Rettung einer Bank darstellt, ist für die Kosten der Einlagensicherung ein entscheidender Faktor. Ohne gemeinsame Einlagensicherung würden große Banken in Zukunft nicht mehr ihren Sitz in kleinen Volkswirtschaften nehmen können, weil dort die Sparguthaben in Gefahr wären. Das wäre ein Nachteil für Länder wie Luxemburg, der Schweiz oder sogar des UK. Bei einer einheitlichen Einlagensicherung ist es für eine Bank irrelevant, ob sie ihren Sitz in Luxemburg oder in Deutschland hat. Die Größe der deutschen Volkswirtschaft ist ein Wettbewerbsvorteil für den deutschen Bankensektor, der im Falle einer gemeinsamen Einlagensicherung wegfiele. Gleichzeitig kann die Bankenunion aber die europäische Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend wird dann aber sein, ob wichtige Bankenplätze wie die Schweiz oder Großbritannien, die beide „too big to fail“ sind, sich an der Bankenunion beteiligen.

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