Montag, 13. Oktober 2014

Burnout - kein Thema für Manager?

Die Tabuisierung des Erschöpfungssyndroms in den Führungsetagen

Von Schulungen über Gastvorträge bis hin zu Flyern in Betriebskantinen versuchen Betriebsräte alles, um Mitarbeiter beim Erhalt einer gesunden Work-Life Balance zu unterstützen. Führungskräfte sollen Warnsignale und Symptome der Erschöpfung frühzeitig erkennen und ihre Mitarbeiter entlasten. Dabei werden sie selbst als potentielle Risikogruppe oft vergessen. In seinem Gastbeitrag in der Wirtschaftswoche gibt der Diplom-Betriebswirt, Berater und Coach Thomas Kleina einen Denkanstoß zum Thema Burnout Prävention auf Managerebene.

 
Erschöpfung und Überforderung im Arbeitsalltag wird schon seit Jahren immer wieder von Betriebsräten, Personalberatungen und bei Leadership-seminaren angesprochen. Böse Zungen behaupten, die Diagnose Burnout sei zum Trendbegriff im Zeitalter der Unternehmensberater und Investmentbanker geworden. Mit Seminaren und Schulungen zum Thema „Stressmanagement“ versuchen Unternehmen wie K+S und Volkswagen der zunehmenden Belastung ihrer Mitarbeiter proaktiv entgegenzusteuern. Die Aufmerksamkeit liegt hierbei jedoch im Regelfall im Bereich der Schulung von Führungskräften bei der achtsamen Leitung ihres Personals, und der langfristigen Förderung deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Manager, Abteilungsleiter und Unternehmer sollen ihre Mitarbeiter bei der Stressbewältigung unterstützen und bei ersten Anzeichen von Burnout entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Nach Kleina sei jedoch fraglich, ob Führungskräfte ihrer Wahrnehmungs- und Diagnosefähigkeit vertrauen können, wenn sie selbst überbelastet sind. Ihr eigenes Arbeitspensum und Stresslevel würde nämlich selten bei solchen Coachings thematisiert. Selbst wenn Angestellte die psychische Überbeanspruchung ihrer Vorgesetzten erkennen sei oftmals unklar, ob und wie dies angesprochen werden kann. Der Diplom-Betriebswirt empfiehlt in diesem Zusammenhang den Einsatz eines externen Kontrollgremiums, das unvoreingenommen die Arbeitsbelastung des Führungspersonals bewerten könne.


Im ersten Schritt sei jedoch wichtig, die Tabuisierung von Burnout auf Managementebene anzugehen und Problembewusstsein zu schaffen. Manager sollten ihre persönlichen Grenzen auch ohne Bewertung akzeptieren können. Hierbei ist die Unternehmenskultur von zentraler Bedeutung. Eine gewisse Toleranz für Fehler und Schwächen nimmt Managern wie Angestellten den Druck und schafft Raum für Menschlichkeit.