Montag, 30. April 2018

Sinkende Kulturausgaben schaden Städten

Die Stadt Koblenz hat ihre Kulturausgaben seit 2011 deutlich reduziert und zwar sowohl ihre Gesamt- als auch ihre Pro-Kopf-Ausgaben. Dabei positioniert sich Koblenz gegen den Trend der Oberzentren in Rheinland-Pfalz und gegen den bundesdeutschen Trend. In Nordrhein-Westfalen etwa sind die Kulturausgaben um etwa 3 Prozent pro Jahr gestiegen, alleine in Köln um 13 Prozent pro Jahr. Wissenschaftler der WHU warnen nun in einer aktuellen Studie vor einem Fortschreiten der Entwicklung in Koblenz. Sinkende Kulturausgaben reduzierten die Attraktivität der Stadt, vor allem für so genannte Bildungsbürger, welche typischerweise auch über ein höheres Einkommen verfügen sowie für junge Familien.

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Die durch die Sparkasse Koblenz finanzierte Studie von WHU-Rektor Prof. Dr. Markus Rudolf und Dr. Katrin Baedorf, Direktorin am Center of Asset and Wealth Management an der WHU, geht der Frage nach, ob eine höhere Kaufkraft  beziehungsweise ein höheres Einkommen in deutschen Oberzentren wie Koblenz mit höheren kommunalen Subventionen des Kulturbetriebs einhergeht, das heißt, ob es einen Zusammenhang zwischen kommunalem Wohlstand und kommunalen Kulturausgaben gibt. Um diese Zusammenhänge untersuchen zu können, stellten die Wissenschaftler einen Datensatz aus 44 deutschen Oberzentren aus 8 Bundesländern zusammen, die mit Koblenz vergleichbar sind.

Verschiedene Studien haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass wohlhabendere Menschen kulturelle Angebote stärker in Anspruch nehmen und mehr Geld dafür ausgeben als Menschen mit niedrigem Einkommen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass städtische Kultursubventionen die Lebensqualität verbessern und gleichzeitig Menschen anziehen, die sich für Kultur besonders interessieren. Die Forscher ermittelten, dass Koblenz pro Kopf mit 119 Euro relativ geringe Netto-Kulturausgaben tätigt. Nimmt man allerdings Eintrittsgelder und Spenden hinzu, liegt Koblenz mit 213 Euro pro Kopf im vorderen Viertel. Die Kostenabdeckung von Kulturangeboten durch die Zuschauer und Besucher ist in Koblenz damit extrem groß, wobei ein deutlicher Anteil auf Spenden entfällt. Der mit Abstand größte Anteil der Koblenzer Kulturausgaben, nämlich etwa 62 Prozent, fällt auf die Theater. Eine Zahl, die deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Koblenz gehört zu einer kleinen Gruppe von 10 deutschen Oberzentren, die die städtischen Kulturausgaben seit 2011 deutlich reduziert haben. Zwischen den Steigerungen der Kulturausgaben und den Steigerungen der Einkommenskennzahlen einer Region fanden die Forscher keinen Zusammenhang. Tatsächlich zeigte sich eine positive Korrelation aber zwischen den Kulturausgaben eines Oberzentrums und den Pro-Kopf-Einkommenskennzahlen. So hat Koblenz innerhalb von Rheinland-Pfalz ein deutlich niedrigeres Niveau an BIP pro Kopf als etwa Ludwigshafen sowie niedrigere Löhne und eine geringere Kaufkraft als Mainz.

Auch wenn die Zusammenhangsdaten naturgemäß nicht vollkommen eindeutig sind, dürfte relativ gesichert sein, dass eine attraktive Kulturszene mittelfristig Haushalte und Familien mit höherem Einkommen anzieht. Klar ist, dass die Einschnitte in den Kulturausgaben die Stadt Koblenz unattraktiver machen für jüngere Familien. Klar ist auch, dass diese restriktive Haltung bei den Kulturausgaben der angespannten Finanzsituation von Koblenz geschuldet ist. Gegenüber 2011 sind die Netto-Kulturausgaben um etwa 2.2 Millionen Euro zurück gefahren worden und die Brutto-Ausgaben um 1.4 Millionen Euro. Einen Weg, die Kulturausgaben trotz angespannter Haushaltslage zumindest wieder auf das Niveau von 2011 zu bringen, sehen die Wissenschaftler in Kofinanzierung-Optionen. Sie plädieren außerdem dafür, freiwillige Haushaltsleistungen verstärkt für Kultur als strategisches Investment zur Entwicklung der Region zur Verfügung zu stellen.