Dienstag, 28. März 2017

Durch Design Thinking zur Digitalisierung

Kick-off Workshop der “Digitize Nonprofits Initiative” in der Pre-CeBIT-Woche

Nicht erst seit der diesjährigen CeBIT-Eröffnung durch Kanzlerin Angela Merkel ist klar, dass Digitalisierung weitaus mehr Lebensbereiche betrifft als nur die Wirtschaft. So sprach der japanische Premierminister Shinzō Abe bei der gleichen Veranstaltung von seiner Vision einer „Society 5.0“.

Nonprofit-Organisationen sind ein zentrales Fundament unser heutigen und zukünftigen Gesellschaft – und damit ebenso von den Chancen und Risiken der Digitalisierung tangiert. Auf Initiative von Betterplace, Capgemini und der Stiftung WHU waren am 16. März 2017 rund 20 Vertreter von Stiftungen, Nonprofits sowie Technologieunternehmen in Berlin zusammengekommen. Ziel war es, im Rahmen eines Design Thinking Workshops die größten Herausforderungen zu identifizieren und erste Lösungsansätze für ein wirkungsvolles gesellschaftliches Engagement im digitalen Zeitalter zu entwickeln. Das ASE (Accelerated Solutions Environment) von Capgemini in Berlin bot dabei eine innovative und kreative Arbeitsumgebung, die Capgemini im Rahmen ihrer CSR-Aktivitäten großzügig zur Verfügung stellte.

Ausgangspunkt der Workshoparbeit war die Vorstellung von aktuellen Erkenntnissen aus der demnächst erscheinenden Begleitstudie zur Google Impact Challenge (GIC). Laut der Studie glauben 97 Prozent der befragten Teilnehmer, dass soziale Organisationen durch die Digitalisierung ihre Wirksamkeit erhöhen können. Gleichzeitig attestieren aber 91 Prozent der Befragten dem sozialen Sektor erheblichen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung. Die Digitalisierung wird demnach fast nur mit Marketing und PR gleichgesetzt und auf ‘Tools’ (primär Social Media) reduziert. Zeit, Geld und fehlende Verantwortlichkeiten werden als wichtigste Hürden genannt.

Ziel des Workshops war es nun, erste Ausbildungs- und Schulungsmodelle für den dritten Sektor zu skizzieren, um das Themenfeld „Digitalisierung“ positiv zu besetzen und für soziale Zwecke nutzbar zu machen. Hierzu wurden in heterogenen Teams über den Ansatz des Design Thinking auf kreative und spielerische Weise der Sektor als sogenannte „Persona“ dargestellt, die eine intensive Verbindung mit der Zielgruppe herstellt und ein besseres Verständnis für deren Bedarfsstrukturen und Problemlagen ermöglicht.

Nicole Dufft, eine der Initiatorinnen der Digitize-Nonprofits-Initiative, verweist auf die Kraft dieser Vorgehensweise: „Wie wir in anderen Design Thinking Workshops mit der WHU für den Unternehmensbereich wiederholt feststellen konnten, öffnet die Methode durch einen sehr strukturierten und gleichzeitig kreativen Prozess neue Perspektiven. Es ist immer wieder überraschend, wie schnell hier greifbare Ergebnisse entstehen.“ Als wichtige Herausforderungen wurden identifiziert:

  • Führungskräfte von NGOs müssen für die Chancen und Notwendigkeit der Digitalisierung sensibilisiert und in ihrer Bereitschaft für Veränderungen gestärkt werden.
  • Digitalisierung muss die Arbeit des sozialen Sektors jenseits von ‘Buzzwords’ praxisorientiert und pragmatisch unterstützen, also zum Beispiel Abläufe erleichtern, Organisationsstrukturen agiler machen, Kommunikation verbessern und Netzwerke stärken.
  • Es bedarf Best Practice Beispielen und eines intensiven Austausches zwischen NGOs untereinander, aber auch zwischen NGOs und gewinnorientierten Unternehmen, um die Potentiale greifbar zu machen.
  • Soziale Organisationen brauchen konkrete, auf ihre Problemlagen zugeschnittene Lösungen und müssen bei der Implementierung an die Hand genommen werden.

Die erarbeiteten Ideen zur Adressierung dieser Herausforderungen reichten von der Einrichtung von Digital-Mobilen über Festival- und Workshop-Formate bis hin zu Webinaren und Video-Tutorials. Diese Ideen wurden dann mithilfe des Business Model Canvas-Ansatzes in konkrete Prototypen überführt.

Am Ende des intensiven und spannenden Tages hatte sich für alle Teilnehmern klar herauskristallisiert, dass ein gebündeltes Aktivitäten- und Ausbildungsangebot notwendig ist, das auf die unterschiedlichen Bedarfe von Nonprofits abgestimmt ist. Einige der Teilnehmer haben sich bereits zu einer ersten Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, um eine Projektidee weiter voranzutreiben.

Dr. Peter Kreutter, Direktor der Stiftung WHU, war von den Ergebnissen begeistert: „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich weitere Institutionen und auch Unternehmen unserer „Digitize Nonprofits Initiative“ anschließen, um gemeinsam die Potentiale der Digitalisierung für den Nonprofitsektor zu identifizieren und zu heben.“ Die nächsten Aktivitäten sind bereits geplant. So wurden erste Ergebnisse der Begleitstudie zur GIC bei der WHU Social Entrepreneurship Konferenz „Sensability“ am 23. März in Vallendar nochmals vorgestellt. Weiterhin wird es in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftungsakademie am 17. Mai auf dem Deutschen Stiftungstag 2017 in Osnabrück eine Veranstaltung zur „Digitalisierung der Bildung“ geben.

Die WHU bietet für alle an Design Thinking Interessierten im Rahmen ihres Executive Education Angebots ein eigenes WHU Design Thinking Programm an.

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