Dienstag, 19. Dezember 2017

Zertifikate überraschen mit geringen Kosten

Wissenschaftliche Studie ermittelt Gesamtkosten der Zertifikateanlage

Prof. Dr. Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU

Die jährlichen Kosten der Anlage in Zertifikaten betragen durchschnittlich 0,71 Prozent. Dies hat der Wissenschaftliche Beirat des Deutschen Derivate Verbands (DDV) auf Basis von 24.830 Anlage­zertifikaten mit einem Emissionsvolumen von 8,169 Mrd. Euro ermittelt. Selbst wenn man die Absicherungs­kosten, also die Einkaufskosten der Produktkomponenten hinzurechnet, übersteigt der Wert die 1-Prozent-Marke nicht.

Die Kosten eines Wertpapiers spielen für jeden Privatanleger gerade in Zeiten niedriger Zinsen und niedriger Renditen eine zentrale Rolle. Die Höhe dieser Kosten ist aber vielfach unbekannt und für die Privatanleger nicht transparent. Die Mitglieder des Deutschen Derivate Verbands haben sich im Fairness Kodex, in der Selbstverpflichtung der Zertifikatebranche, zur vollen Kostentransparenz bekannt. Sie weisen in ihren Produktinformationsblättern bereits seit geraumer Zeit den vom Emittenten geschätzten Wert eines Zertifikats aus. Nunmehr liegen die Durchschnittswerte für die Kosten in den verschiedenen Kategorien der Anlagezertifikate vor.

Die Kosten der Zertifikateanlage, zu denen die Kosten aus Erwarteter Emittentenmarge, Vertriebsprovisionen und Ausgabeaufschlägen zählen, belaufen sich durchschnittlich auf 0,71 Prozent pro Laufzeitjahr. Dies hat der Wissenschaftliche Beirat des DDV, dem auch Prof. Dr. Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU – Otto Beisheim School of Management angehört, auf Basis von 24.830 Anlage­zertifikaten mit einem Emissionsvolumen von 8,169 Mrd. Euro ermittelt, die von den Mitgliedsbanken des DDV im ersten Halbjahr 2016 emittiert wurden. Selbst wenn man die Absicherungs­kosten, also die Einkaufskosten der Produktkomponenten hinzurechnet, übersteigt der Wert die 1-Prozent-Marke nicht.

Von den 0,71 Prozent entfallen 0,3 Prozent  auf die Erwartete Emittentenmarge, 0,32 Prozent auf die Vertriebsprovision und 0,09 Prozent auf die Ausgabeaufschläge. Die Erwartete Emittentenmarge geht an die Emittenten als Vergütung für die Struktu­rierung, das Market Making und die Abwicklung und enthält auch den Gewinn des Emittenten. Dagegen werden mit den Vertriebsprovisionen und Ausgabeaufschlägen die Leistungen der Vertriebseinheiten und die Anlageberatung vergütet.

„Mit der in der Studie erarbeiteten Transparenz der Gesamtkosten und Kostenkomponenten können Anleger schon beim Kauf der Produkte abschätzen, welchen Teil der Anlage sie für die Emission und die Anlageberatung bezahlen. Diese umfassende Kostentransparenz wird ab 2018 nach PRIIPs und MiFID II auch für Lebensversicherungen und Publikumsfonds gefordert und hilft Anleger, Produkte besser zu verstehen und miteinander zu vergleichen“, erklärt Prof. Dr. Johanning, der Mitverfasser der Studie ist.

Dr. Hartmut Knüppel, Geschäftsführender Vorstand des DDV, ergänzt: „Die Verständlichkeit und Transparenz von Zertifikaten und hier insbesondere die Kostentransparenz sind ein wichtiger Beitrag zum Anlegerschutz, der wirklich dem Anleger dient. Wer im Übrigen Vermögen aufbauen und für das Alter vorsorgen will, kommt an Wertpapieren nicht vorbei. Für Zertifikate sprechen dabei neben der großen Auswahl von Basiswerten sowie maßgeschneiderten Risiko-/ Renditeprofilen gerade auch die geringen Kosten.“