Donnerstag, 12. April 2018

90 Dollar für ein Menschenleben

Daniel Rentschler von der International Justice Mission sprach im Rahmen der WHU Speaker Series über moderne Sklaverei

Es sind erschreckende Zahlen, die Daniel Rentschler den Zuhörern an der WHU – Otto Beisheim School of Management im Rahmen der Vortragsreihe des Studium Generale mitgebracht hat. Der 37jährige engagiert sich als Leiter der Bildungs- und Gemeindearbeit der IJM Deutschland e.V zusammen mit rund 1000 Gleichgesinnten auf der ganzen Welt für ein Ende der Sklaverei. Doch das ist keine leichte Aufgabe. Denn das Geschäft mit Menschenleben boomt und rangiert in Sachen Profit gleich hinter Waffen- und Drogenhandel. „Von Moderner Sklaverei sprechen wir, wenn zwei Faktoren zusammenkommen“, erklärt Rentschler zu Beginn. Sie liegt dann vor, wenn Menschen wie Ware behandelt werden, also gekauft, weiter verkauft und unter Androhung oder Anwendung von Gewalt für beliebige Zwecke missbraucht werden.

Im Jahr 2018 leben mehr als 40 Millionen Menschen weltweit in Sklaverei. So viele wie nie zuvor. Der Handel mit Menschenleben ist längst zum Geschäftsmodell geworden. Mit sexueller Ausbeutung machen Kriminelle dabei das größte Geschäft. Sexarbeit macht rund 75 Prozent des Profits im internationalen Menschenhandel aus. Und obgleich Indien mit circa 18 Millionen Betroffenen das Land mit der größten Zahl an Sklaven ist, ist es kein fernes Problem. Mehr als 45 Milliarden Dollar verdienen Menschenhändel jedes Jahr – und das allein in Nordamerika und Europa. Auch in der westlichen Welt besteht die Mehrheit der modernen Sklaven zu nahezu 70 Prozent aus Opfern sexueller Ausbeutung. Erschreckend ist jedoch nicht nur die Zahl der Opfer sondern gleichsam, dass der Wert eines Menschenlebens dramatisch gesunken ist. Zahlte ein Menschenhändler im Jahr 1850 noch im Durchschnitt 40.000 Dollar für einen Sklaven, sind es heute nur noch 90. Die Folgen sind verheerend: „Wenn mich mein Arbeiter 90 Dollar kostet, überlege ich nicht lange, ob ich ihn für 100 Dollar im Krankenhaus behandeln lasse. Da lasse ich ihn einfach sterben“, so Daniel Rentschler.

Die International Justice Mission (IJM) ist eine gemeinnützige Menschenrechts­organisation, die sich weltweit für die Rechte von Menschen einsetzt, die von Gewalt und Armut betroffen sind. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Bekämpfung von Menschenhandel, Zwangsprostitution und moderner Sklaverei. Die Organisation wurde 1997 von dem Menschenrechtsanwalt und ehemaligen UN-Chefermittler Gary A. Haugen gegründet. Ihr Hauptsitz befindet sich in Washington D. C. Derzeit arbeiten über 1.000 festangestellte Mitarbeiter in 16 Ländern bei der IJM, um mit lokalen Partnern Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika umzusetzen. Ziel dieser Projekte ist die Befreiung und Nachbetreuung von Menschen, die sich in einer Situation der Menschenrechtsverletzungen sehen, sowie die Täter zur Verantwortung zu ziehen, um ihnen die Konsequenzen ihrer Taten aufzuzeigen und auch weitere potentielle Täter abzuschrecken.

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