Donnerstag, 19. April 2018

Digitale Transformation im Mittelstand

Die „Digitale Transformation“ hat sich in den vergangenen Jahren zum Dauerthema entwickelt. Immer mehr Unternehmen überprüfen ihre Wertschöpfungsprozesse auf Potentiale zur „Digitalisierung“. Zur Debatte stehen Effizienzsteigerungen, Automatisierung, Vernetzung sowie die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Gerade wegen der vielfältigen Unwägbarkeiten bleibt das Thema für mittelständische Unternehmen von erheblicher Bedeutung. Hier setzte das erste Forum Mittelstand des Jahres 2018 am 17. April an der WHU – Otto Beisheim School of Management mit dem Thema „Die Digitale Transformation als praktische Aufgabe im mittelständischen Unternehmen“ an.

Dr. Armin Lau berichtete über Innovationsmanagement im Familenunternehmen

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Dr. Sven-V. Rehm, Lehrstuhlvertreter des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU und Ralf Lawaczeck, Geschäftsführer der IHK Koblenz, erhielt Dr. Armin Lau von der Schaeffler Technologies AG & Co. KG das Wort. In einem anschaulichen Vortrag zum Thema zukunftsorientiertes Innovationsmanagement erläuterte der Experte für Innovation Management Methodik und Mindset seines Unternehmens. Bereits hier wurde deutlich, dass die Themenfelder Digitalisierung und Innovation eng verbunden sind. In einer eigenen Innovation Strategy Abteilung konzentrieren sich bei Schaeffler geschulte Mitarbeiter ausschließlich auf die Entwicklung neuer Ideen. Innovation, erklärte Lau, sei eine direkte Investition in die Unternehmenszukunft. Innerhalb des Unternehmens begrüße man systematisches Querdenken und schaffe bewusst Synergien zwischen den verschiedenen Abteilungen, denn: „Es ist schwer, innerhalb der eigenen vier Wände außerhalb der Box zu denken“, so Lau.

Vorausschauend und themenübergreifend denkt auch Dr. Bernhard Albert, Gründer und Geschäftsführer von Foresight Solutions, der Foresight-Projekte für Strategie und Innovation betreut und eng mit kleinen und mittleren Unternehmen zusammenarbeitet. Aus seinem Arbeitsalltag berichtete er von Erfahrungen verschiedener Foresight-Projekte mit kleinen und mittleren Unternehmen und teilte Erkenntnisse aus einer konkreten Fallstudie der AWB Automation GmbH in Lampertheim, die einen Foresight-Prozess hin zur digitalen Erneuerung ihrer Produkte und Dienstleistungen durchlaufen hat. Als Erfolgsfaktoren zählen für Albert insbesondere der Open-Innovation-Ansatz, also Ideen öffentlich zu teilen und andere partizipieren zu lassen sowie Cross-Industry Innovationen, denn bereits heute werde bei bis zu 80 Prozent der Innovationen schon vorhandenes Wissen neu kombiniert.

Auch Milan Vukas möchte vorhandenes Wissen nutzen. Neben seiner Tätigkeit als Key Account Manager bei der quintly GmbH Köln hat er einen gemeinnützigen Verein, Wesseling Digital e.V., ins Leben gerufen, um aktiv die Digitalisierung seines Heimatortes voranzutreiben und die Bürger unmittelbar einzubinden. Er ist überzeugt, dass man die Digitale Transformation gemeinsam meistern kann und dass es für erfolgreiche Digitalisierungsprojekte nicht zwingend ausufernde Budgets und spezialisierte Einheiten braucht. Oft reiche echte Leidenschaft und eine konkrete Vision. In Vukas Fall war das die Hoffnung, Ideen lokal gemeinsam zu entwickeln statt professionelle Berater zu engagieren, die basierend auf allgemeinen Konzepten die Zukunft vordefinieren. Dazu hat er Privatpersonen, Unternehmen und Vereinigungen in Wesseling im Digital Lab vernetzt. Mit weiteren Freiwilligen bietet er Coding Camps und Programmierkurse für Kinder und Jugendliche an, veranstaltet Do-It-Yourself-Werkstätten und berät kleine Unternehmen vor Ort.

Johannes Utsch aus Koblenz liegt die eigene Heimat ebenfalls am Herzen. Sein Vortrag „Wie ich als Unternehmer die Start-up Idee zur Transformation ins digitale Zeitalter nutzen kann“ lieferte Praxis-Beispiele direkt aus der Region. Überzeugt davon, dass Startups und Mittelstand viel voneinander lernen können und frustriert davon, dass Kooperationen noch viel zu selten sind, gründete Utsch mit Geschäftspartnern die Eck.ventures GmbH. Ziel des Unternehmens ist es, Startups in der Frühphase professionell mit Kapital und Wissen zu unterstützen. Zudem betreuen Utsch und sein Team etablierte Unternehmen, die einzelne Innovationsvorhaben im Stile eines Startups angehen wollen.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet voraussichtlich im Juni 2018 statt.

Die Teilnehmer des Forum Mittelstand erhielten Einblicke in die Digitalisierungsstrategien regionaler Unternehmen

Ralf Lawaczeck, Geschäftsführer der IHK Koblenz, möchte den Austausch zwischen Unternehmen und Wissenschaft fördern