Dienstag, 27. März 2018

WHU Private Equity Conference 2018

Zwischen Eurokrise, Grexit, Brexit und der Flüchtlingskrise macht Europa mitunter den Eindruck eines krisengebeutelten Kontinents. Vor dem Hintergrund des Leitthemas „Falling Apart or Growing Together – Is Crisis-Shattered Europe Still Worth the Investment?” fand vom 22. bis 23. März 2018 die Campus for Finance – WHU Private Equity Conference an der WHU - Otto Beisheim School of Management statt.

Prof. Dr. Serden Ozcan eröffnete die Campus for Finance - WHU Private Equity Conference

Nach der feierlichen Eröffnung der diesjährigen Konferenz durch Prof. Dr. Serden Ozcan, Inhaber des Lehrstuhls für Innovation und Organisation an der WHU, bot Birger Berendes, Head of M&A GAS der Bank of America Merrill Lynch, den Teilnehmern in der ersten Rede des Tages anschaulich einen Überblick über Aktive Investoren und Shareholder Activism in Europa. Am Beispiel der Fälle von Stada und Nestlé erläuterte er, wie Aktive Investoren Zielunternehmen anvisieren und öffentliche Kampagnen gestalten. Er betonte, dass selbst Unternehmen, deren Kapital- und Shareholderstrukturen sie eigentlich immun gegen Shareholder Activism machen sollten, oft durch mediale Attacken zum Handeln gezwungen sein, um ihr Image zu erhalten. Um dem zuvorzukommen würden in den USA bereits heute etwa 85 Prozent aller Kampagnen frühzeitig intern geschlichtet und damit gar nicht erst öffentlich.

Im Anschluss widmete sich Dr. Markus Peterseim, Partner bei PwC Germany, auf Basis einer umfangreichen Studie ganz konkret dem Konferenzthema - der Frage, wie sinnvoll Investitionen in Europa in Krisenzeiten sind. Dabei gelangte er zu einem positiven Fazit. Private Equity Prognosen bis 2021 seien insgesamt erfreulich, mit steigenden Exit-Zahlen und -Values. Trotz des Brexits seien das Vereinigte Königreich und Irland auch heute noch der größte PE-Markt Europas. Für die Zukunft prognostizierte Peterseim zahlreiche neue Investmentmöglichkeiten, habe sich doch das Image des Private-Equity-Sektors weg vom alten Bild der rücksichtlosen „Heuschrecken“ entwickelt. Inzwischen sei etwa die Zusammenarbeit mit klassischen Mittelständlern keine Ausnahme mehr.

Diese positive Grundhaltung unterstützte auch Dr. Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer bei Credit Suisse. In einem überraschend philosophischen Vortrag ermutigte er vor allem die anwesenden Studenten, ihrer Leidenschaft zu folgen, statt Karrieren akribisch zu planen. Der Weltwirtschaft gehe es gut, die Medien bevorzugten nur negative Nachrichten, erklärte Varnholt und betonte: „Es liegt Wert und Nutzen darin, Optimist zu sein.“ Dabei warnte er ausdrücklich vor einem Handelskrieg mit China, der schlussendlich auch westlichen Firmen schaden würde. Mit Blick auf seine eigene Erfahrung riet er den Teilnehmern, wesentliche Erfolgsfaktoren nicht aus den Augen zu verlieren. „Die härtesten Erfolgsfaktoren sind stets die weichen Faktoren wie Teamspirit und Arbeitsatmosphäre“, erklärte er.

Einen tieferen Exkurs zum Thema Wirtschaftsmacht China wagte Peter Chun, Gründer und Managing Partner von Silverbear Capital, der am Ende seines Vortrages über kulturelle Unterschiede, strategische Partnerschaften und gesellschaftliche Veränderung eine erstaunliche Prognose machte: In 15 Jahren werde China eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen, jedoch keine führende.

Auch für einen thematisch anders gelagerten Vortrag bot die 13. Ausgabe der WHU Private Equity Conference Raum: Am Nachmittag des zweiten Konferenztages lieferte Kary Bheemaiah, Head of Research bei Uchange, außergewöhnlich detaillierte Einblicke in die Themen Blockchains, Kryptowährungen und Alternative Investments.

Die Campus for Finance – WHU Private Equity Conference ist englischsprachig und international ausgerichtet. Ziel der seit 2006 jährlich stattfindenden Veranstaltung ist es, Politiker, führende Unternehmensvertreter, herausragende Wissenschaftler und Studenten zusammenzubringen und eine Plattform zum Austausch und zur Diskussion über aktuelle Geschehnisse im Private-Equity-Sektor zu schaffen. Neben Reden und Podiumsdiskussionen zu Themen wie „Private vs. Public - Private Equity as a Destructive Establishment or the Governance Structure of the Future?" und „Chinese Investments in Europe - Indispensable, but yet Worrisome?" haben die Teilnehmer außerdem die Gelegenheit, während einer Career Fair ihre Karrieremöglichkeiten zu erweitern.

Birger Berendes sprach zum Thema Shareholder Activism

Experten wie Helena Quinn diskutierten aktuelle Themen rund um den Private-Equity-Sektor

Dr. Markus Peterseim bescheinigte dem Private-Equity-Sektor einen positiven Imagewandel