Freitag, 04. Mai 2018

Das schmutzige Geschäft mit der Mode

Im Jahr 2013 stürzte die Textilfabrik „Rana Plaza“ in Bangladesh ein, es starben über 1.000 Menschen. Aber nicht nur die Arbeitsbedingungen der Textilindustrie, die durch wenig Gehalt, schlechte Arbeitszeiten und Kinderarbeit gekennzeichnet sind, sind erschreckend, auch für die Umwelt ist die Herstellung von Mode eine Katastrophe: Die Modeindustrie ist die umweltschädlichste nach der Ölindustrie. Grund genug etwas zu ändern. Bei der Fashion Revolution Night, die am 26. April 2018 auf dem Düsseldorfer Campus der WHU – Otto Beisheim School of Management stattfand, wurden Impulse gegeben, wie sich die Industrie wandeln kann.

Den Abschluss des Abends bildete eine Podiumsdiskussion mit Daniel Beernink von Rhumaa, Heiko Wunder von Wunderwerk, Prof. Dr. Stefan Spinler, Lehrstuhl für Logistikmanagement an der WHU, und Patrick Bottermann, Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP)

„Fashion Revolution“ ist eine weltweite Bewegung, die sich an dem Zitat „Buy less, choose well and make it last“ von Vivienne Westwood orientiert. Zentrale Forderung ist eine größere Transparenz der Modemarken und damit ein höheres Bewusstsein aller für die Bedingungen unter denen unsere Kleidung entsteht. Monika Hauck, Direktorin des Entrepreneurship Centers an der WHU und Anja Gräf, Direktorin von HSBC Alternative Investments, haben die Bewegung in die Modestadt Düsseldorf gebracht. „Düsseldorf ist als Fashion-Metropole und Startup-Stadt genau der richtige Ort für dieses Thema“, erklärt Monika Hauck und ergänzt „Viele Gründer haben das Bedürfnis der jüngeren Generation erkannt, die nicht mehr nur billig und viel konsumieren möchte, sondern die sich dafür interessiert, wer ihre Kleidung hergestellt hat und woraus sie besteht. Gerade junge Startups haben grandiose Ideen, wie man die Industrie verändern kann und den Mut, neue Wege in der Mode zu gehen.“

Diesen Mut konnten zwei junge Unternehmer bei der Fashion Night an der WHU beweisen. Seit 2012 ist das Mode-Startup „Wunderwerk“ in Düsseldorf ansässig. Tim Brückmann und Heiko Wunder gründeten ihr Unternehmen, um nachhaltige, faire Kleidung herzustellen, die dennoch nicht dem gängigen „Öko-Look“ entspricht. Sie haben sich für ein komplettes Plastikverbot bis ins kleinste Detail und modische Denim-Designs entschieden. „Unsere Kleidung kann man im Büro tragen, aber auch wenn man sein Kind aus dem Kindergarten abholt“, beschreibt Tim Brückmann den Stil seiner alltagstauglichen Mode. Auch Daniel Beernink, Gründer und Geschäftsführer von Rhumaa, war an dem Abend an der WHU zu Besuch, um über sein Fashion-Startup zu sprechen. Basierend auf seiner eigenen Auslandserfahrung in Südafrika, produziert das Unternehmen aus Amsterdam Mode aus nachhaltigen Materialien mit Designs afrikanischer Künstler. Die Designs sollen nicht nur schön aussehen, sondern künstlerische und kulturelle Geschichten erzählen.

Den Abschluss des Abends bildete eine Podiumsdiskussion bestehend aus den Gründern Heiko Wunder von Wunderwerk und Daniel Beernink von Rhumaa und den Experten Prof. Dr. Stefan Spinler, Lehrstuhl für Logistikmanagement an der WHU, und Patrick Bottermann, Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Unter der Moderation von Monika Hauck widmeten sich die Diskussionsteilnehmer unterschiedlichen Fragen. Prof. Spinler erklärte, dass der Transport der Kleidung über weite Strecken neben der eigentlichen Produktion mit gefährlichen Chemikalien einen großen Teil der Umweltverschmutzung ausmache. Die Startup Gründer Wunder und Beernink berichteten von ihrer Motivation und den Schwierigkeiten beim Gründen eines Fashion-Startups. „Es ist unmöglich ohne Geld eine Modemarke zu gründen“, räumt Daniel Beernink ein.  In einer Frage waren sich alle einig, die Verantwortung für Fairness und Nachhaltigkeit in der Textilwelt tragen die Modekonzerne, aber auch jeder einzelne Konsument durch seine individuelle Kaufentscheidung.

Daniel Beernink, Gründer und Geschäftsführer von Rhumaa

Monika Hauck, Direktorin des Entrepreneurship Centers an der WHU und Mit-Initiatorin von Fashion Revolution in Düsseldorf

Tim Brückmann, Wunderwerk