Donnerstag, 08. August 2019

Fünf Fragen an Alumnus Robert Maier

WHU-Alumnus Robert Maier hat unter anderem das Startup Ladenzeile mitgegründet und in viele andere Firmen investiert. Nun möchte er SPD-Vorsitzender werden.

Sie sind eine feste Größe in der deutschen Start-up-Szene. Inwieweit können Sie diese Erfahrungen in ein politisches Amt einbringen?
Ein Unternehmen muss sich kontinuierlich neu erfinden und den Gegebenheiten anpassen. Man muss sehr offen sein für Neues. Das darf nicht beliebig sein, man darf die DNA des Unternehmens nicht aufgeben. Aber man darf eben auch keine Angst vor Veränderungen haben und muss die Menschen mitnehmen. Wenn ich aber das Gefühl für meine Kunden verliere, wird mein Unternehmen uninteressant. Daher muss ich wissen, was meine Kunden wollen. All diese Punkte kann man zu einem gewissen Grad auf die Politik übertragen. 

Die ersten 100 Tage stehen immer besonders im Fokus – was würden Sie als erstes auf den Weg bringen?
Ich würde in den ersten 100 Tagen auf drei Themen setzen: (1) Konkrete Maßnahmen entwickeln, die die Probleme der Inneren Sicherheit adressieren. (2) Gespräche veranlassen mit dem Ziel einer europäischen Seenotrettung und mit dem Ziel, Auffanglager in Nordafrika und anderen Gebieten zu errichten, die von der EU beziehungsweise UNO beaufsichtigt werden. Dort sollen die Chancen der Flüchtlinge auf Asyl beziehungsweise auf einen Aufenthaltstitel überprüft werden und dorthin sollen Flüchtlinge, die auf dem Mittelmeer gerettet werden, zurück gebracht werden, um ihren Status zu klären. (3) Das Thema Zukunftsoptimismus und Startups anpacken: Einen konkreten Plan erarbeiten für einen Deutschlandfonds zur Finanzierung innovativer Startups

Wie sieht Ihr „Plan“ für die Kandidatur aus? 

Aktuell bin ich ja nur ein "Bewerber" für die SPD-Mitgliederbefragung. Ich muss jetzt bis zum 31.8.2019 die Unterstützung von fünf Unterbezirken erhalten, damit ich offiziell als Kandidat an der Mitgliederbefragung teilnehmen kann. Wenn dieses Etappenziel erreicht ist, werde ich die 23 Regionalkonferenzen im September und Oktober nutzen, um die Mitglieder von mir und meinen Inhalten zu überzeugen.

Woher kommt Ihr Interesse für Politik?

Ich bin in einer sehr politischen Familie aufgewachsen. Meine Eltern waren beide politisch sehr aktiv, meine Mutter saß lange für die SPD im Bundestag. Ich fand Politik schon immer sehr spannend und habe zu vielen Themen eine klare eigene Meinung. Zudem habe ich mich bereits als Unternehmer immer an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft bewegt, unter anderem als Mitgründer und Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums sowie im Startup-Verband. 

Jetzt konkret trete ich aus Überzeugung an. Die aktuellen Entwicklungen erfüllen mich mit Besorgnis: Der rasante Aufstieg radikaler Politiker*innen am rechten Rand und unsere Schwäche in der Klimapolitik sowie im Bereich von Zukunftstechnologien und digitalen Geschäftsmodellen. Das möchte ich ändern, damit es meine Kinder später genauso gut haben wie wir es hatten.

Wie sieht ein perfektes Europa für Sie aus?

Europa ist zu allererst ein Friedensprojekt. Dass weder mein Vater (Jahrgang 1944) noch ich (Jahrgang 1980) in einen Krieg ziehen mussten, verdanken wir eben insbesondere diesem europäischen Projekt. Das ist ein riesiger Erfolg und alles andere als selbstverständlich. Das perfekte Europa sichert weiterhin den Frieden, so dass auch meine Kinder nie einen Krieg erleben müssen. Es steht klar für die Einhaltung aller Menschen- bzw. Grundrechte. Es trifft zügige Entscheidungen nach dem Mehrheitsprinzip, um handlungsfähig und innovativ zu bleiben. Es wächst zu einem großen Binnenmarkt zusammen mit führenden Positionen in den Bereichen der Hochtechnologie und innovativen Geschäftsmodellen. Startups aus Europa werden zu globalen Champions und sichern neben dem Mittelstand und den KMUs die Arbeitsplätze der Zukunft. Eine starke europäische Wirtschaft finanziert einen starken Rechts- und Sozialstaat und eine starke Umwelt.  

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