Donnerstag, 15. August 2019

Indien – Ein Land mit vielen Gesichtern

Bachelorstudent Alexander Maxelon berichtet von seinen Erfahrungen während seines Auslandspraktikums in Indien.

Bunt, laut, chaotisch. So waren meine ersten Eindrücke von Indien, als ich vom Airport in Bangalore mit dem Taxi in Richtung Infosys-Campus fuhr. Die etwa zweistündige Fahrt durch das indische Verkehrschaos sollte den Start in ein dreimonatiges Abenteuer bedeuten, währenddessen ich viel über Indien, aber auch mich selbst lernte.

Infosys ist der zweitgrößte IT-Konzern Indiens, hat weltweit über 225.000 Mitarbeiter und ist für die vergangenen Monate zu meinem zu Hause geworden. Im Rahmen des renommierten InStep Praktikantenprogramms, das 2019 von der Karriereplattform Vault als bestes Praktikum der Welt ausgezeichnet wurde, lebte ich gemeinsam mit 130 weiteren, über 35 Nationen angehörigen Praktikanten, in der Firmenzentrale von Infosys. Im Herzen von Electronic City, dem Stadtteil Bangalores, der auch unter dem Namen Silicon Valley Indiens bekannt ist, liegt der riesige Unternehmenscampus, auf dem es alles, von Bürogebäuden bis hin zu einem Swimmingpool, einem Cricket Feld und diversen Foodcourts, Platz findet.

Doch warum überhaupt Indien? Warum nicht ein Praktikum in Deutschland oder dem europäischen Ausland? Ich entschied mich ganz bewusst dazu Indien kennenzulernen, denn es war mir eine bis dahin völlig fremde Kultur, die jedoch immer größer und bedeutender zu werden scheint. Indien wird häufig als größte Demokratie der Welt bezeichnet, ist weltweit als einer der größten Absatzmärkte für Software bekannt und wird in absehbarer Zeit China einholen und die weltweite größte Bevölkerung haben. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Noch immer leben ein Großteil der Inder in extremer Armut, die Infrastruktur ist speziell auf dem Land häufig mangelhaft und es gibt so viele Verkehrstote wie nirgendwo anders auf der Welt. In Indien trifft Rückstand auf Fortschritt, Armut auf Reichtum. So sind es im Mumbai keine dreißig Minuten Fahrt vom größten Slum Asiens bis zum teuersten Einfamilienhaus der Welt. Solche Gegensätze sind es, die mich interessierten und über die ich mehr erfahren wollte.

Natürlich lernte ich Indien nur aus der Perspektive eines Ausländers kennen, doch konnte ich nicht zuletzt durch viele Reisen und die Arbeit mit indischen Kollegen ein Gefühl für die dortigen Gepflogenheiten bekommen. Was mich vor allem faszinierte, war, wie divers Indien ist. In jedem Bundesstaat wird eine andere Sprache gesprochen. Physiognomisch betrachtet findet man alles von den höchsten Bergen der Welt bis hin zu wunderschönen Sandstränden. Bewegt man sich in einer Metropole wie Bangalore, kann es vorkommen, dass man in einem ein Kilometer langen Straßenabschnitt sowohl einen Tempel als auch eine Kirche und eine Moschee findet. Ebenfalls auffällig ist, wie farbenfroh Indien ist. Nirgends auf der Welt habe ich so viele Menschen so viele leuchtende Farben tragen sehen.

Neben diesen ganzen Eindrücken und dem fachlichen Knowhow, das ich mir während meines Praktikums angeeignet habe, nehme ich vor allem die vielen Begegnungen mit Menschen mit zurück, die geknüpften Kontakte, die entstanden Freundschaften. Hierdurch konnte ich nicht zuletzt Vorurteile abbauen und habe das Gefühl vermittelt bekommen, hautnah dabei gewesen zu sein, als sich ein Land mit großen Schritten in Richtung Zukunft aufmachte. Es war schon ein bisschen Wehmut dabei Indien nach drei Monaten wieder zu verlassen, wird sich bei meiner Rückkehr in ein paar Jahren doch wahrscheinlich schon so viel verändert haben.

Meine letzte Aufgabe ist nun eine, die uns Mr. Murthy, Gründer von Infosys, während einer Veranstaltung mit auf den Weg gegeben hat: Indien als junger Botschafter in der Welt zu vertreten und von all den tollen Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken zu berichten, die mich hoffentlich ein Leben lang begleiten werden.