Montag, 08. Juli 2019

Lust am Lernen statt Angst vorm Scheitern

Eigene Fehler nicht zu verteufeln, sondern die Erfahrung aus dem Scheitern positiv zu nutzen, klingt banal, ist aber in den meisten Fällen gar nicht so einfach. Insbesondere im beruflichen Kontext, kann Scheitern unangenehm bis peinlich werden oder sogar den Job kosten. Dass Scheitern aber tatsächlich einen Mehrwert für den Mitarbeiter und das Unternehmen hat, zeigt Prof. Dr. Miriam Müthel von der WHU – Otto Beisheim School of Management.

Prof. Dr. Miriam Müthel, Lehrstuhl für Organizational Behaviour an der WHU

Prof. Müthel ist Inhaberin des Lehrstuhls für Organizational Behaviour und lehrt unter anderem zu Themen wie „Dealing with Failure“. Am 4. Juli hielt Prof. Müthel gemeinsam mit dem WHU-Alumnus Jörg Haas, PeopleFactor GmbH, einen Vortrag über „Positive Fehlerkultur - Scheitern kann schön werden“. Der Impulsvortrag verband die wissenschaftlichen Erkenntnisse Müthels mit Haas‘ persönlichen Erfahrungen aus der Praxis.

Dass es wehtut, die vom Unternehmen vorgegebenen oder selbst gesteckten Ziele nicht zu erreichen, streitet Müthel nicht ab. Dennoch plädiert sie für einen Umdenkprozess in der Wirtschaft. „Unternehmen mit einer positiven Fehlerkultur sehen vor allem die Lernchancen, die sich aus dem (schnellen) Scheitern von Projekten ergeben“, so Müthel. Diese Unternehmen haben dadurch einen Wettbewerbsvorteil, denn: „Je mehr Lust am Lernen Manager haben, desto mehr Transformationsprojekte werden initialisiert.“ Bei Unternehmen mit einer negativen Fehlerkultur steht nicht das Lernen für die Zukunft, sondern das identifizieren und abstrafen eines Sündenbocks im Vordergrund. Statt Lust am Lernen gibt es in diesen Unternehmen Angst vor dem Scheitern.  Dadurch haben Unternehmen mit einer negativen Fehlerkultur schlichtweg weniger Möglichkeiten Erfolge zu generieren.

Aber nur zu behaupten, dass Scheitern etwas Positives ist, reicht bei weitem nicht aus. Auch im Zeitalter der Digitalisierung ist Scheitern nicht schön.  „Die Verantwortung, die aus dem Scheitern entsteht, spiegelt sich allerdings nicht darin, einen Schuldigen festzumachen, sondern möglichst viel für die Zukunft zu lernen“, so Müthel. Die so gewonnenen Erkenntnisse können dann wiederum den Erfolg späterer Projekte fördern. Dieser Erfolg kann jedoch durch ein anderes Team erfolgen. Verantwortungsvolles Scheitern heißt daher, nicht nur für sich selbst, sondern für das Unternehmen zu lernen. Führungskräfte sind daher dazu aufgefordert, das Lernen aus Ihren Projekten zu fördern – auch wenn ihr Team nicht direkt davon profitiert.