Dienstag, 26. November 2019

forumWHU - Wirtschaft in der Verantwortung

„Für unser Team ist forumWHU eine Leidenschaft.“ Mit diesen Worten eröffnete Philipp Furthmayr, General Manager von forumWHU 2019, den diesjährigen Kongress auf dem Campus der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Unter dem Leitthema Wirtschaft in der Verantwortung bietet forumWHU seinen Teilnehmern seit nunmehr 16 Jahren eine Plattform zum konstruktiven Meinungsaustausch. Dieses Jahr war „ZukunftsDEnken“ das zentrale Motto, wobei während zahlreicher Reden, Podiumsdiskussionen und Workshops die Bereiche Digitalisierung und Wandel der Arbeitswelt thematisiert und diskutiert wurden.

Bundespräsident a.D. Christian Wulff

Digitalisierung – Voranschreiten statt Zurückbleiben

Es kommt nicht so häufig vor, dass sich bei einer Podiumsdiskussion alle Gäste auf etwas einigen können. Hinsichtlich der digitalen Transformation in Deutschland war es Zvedana Seeger, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, die es auf den Punkt brachte: „Wir waren alle zu langsam, das ist Fakt.“ Mit dem Pronomen „alle“ bezieht sie sich nicht nur auf die in der Diskussion anwesenden Unternehmen, sondern die Mehrheit der etablierten deutschen Großkonzerne. Deutsche Unternehmen hätten es versäumt frühzeitig in neue, digitale Technologien zu investieren. Stefan Stroh, Chief Digital Officer der Deutschen Bahn, gab ihr damit zwar recht, merkte jedoch auch an, dass wir für die Komplexität und die gegebenen regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland noch immer „gut“ daständen. Frank Theissen von IBM, der ebenfalls Teil der Diskussionsrunde war, verdeutlichte dennoch, dass es nicht ausschließlich an den politischen Gegebenheiten läge. Wir würden uns als Deutsche noch immer zu stark mit den Risiken neuer Technologien beschäftigen und dabei deren Chancen übersehen.

Am Folgetag griff der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff während seiner Rede das Thema erneut auf. Seiner Meinung nach müssen wir optimistischer sein und uns auf die von Theissen angesprochenen Chancen fokussieren. Dennoch sei es weiterhin eine Schlüsselfrage, wie man den Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter unter Einbezug aller Generationen gestalte. In einer „Zeit der Extreme,“ in der wir laut Wulff leben würden, müsse die Politik dazu Rahmenbedingungen schaffen und „extrem innovativ“ vorgehen. Dennoch sieht er die große Herausforderung der aktuellen Generation anderswo: Die vergangenen Generationen hätten den Wiederaufbau und die Wiedervereinigung bewältigt, in der heutigen, polarisierenden Welt, ginge es vielmehr mehr darum die Gemeinschaft der Gesellschaft zu sichern, für Fairness zu sorgen und sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Nur so könne unser demokratisches System im digitalen Zeitalter langfristig Bestand haben.

Wandel der Arbeitswelt – Zwischen Ungewissheit und Zuversicht

Ein zweiter Schwerpunkt des Kongresses war der Wandel der Arbeitswelt, welcher unter anderem vom technischem Fortschritt, der Globalisierung sowie dem demographischen Wandel getrieben wird. New Work ist ein zentraler Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig fällt. So gibt es neue Konzepte wie die Vier-Tage-Woche, das Remote Working oder ganzheitlich neue Bürokonzepte. Bei Letzteren sitzt beispielsweise das Management mit im Großraumbüro, um die Distanz zu den Mitarbeitern abzubauen und ein „hierarchieübergreifendes Arbeiten“ zu ermöglichen, wie es Damaris Greiff von Sky Deutschland beschreibt. Florian Weiß von der Hubert Burda Media Tochter jameda wies zudem darauf hin, dass Unternehmen heutzutage mehr denn je „ein Umfeld schaffen müssen, wo sich Mitarbeiter entwickeln können.“ New Work müsse für ihn zugleich „erfüllend“ als auch „bewegend“ sein.

Eine adaptive Firmenkultur und eine agile Geschäftsführung sind somit gemeinsam mit Innovationskraft und entsprechenden politischen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen zentrale Voraussetzungen, um die Digitalisierung aktiv mitzugestalten und vom Wandel der Arbeitswelt zu profitieren. Zvedana Seeger fand auch hierfür schon zu Beginn der Veranstaltung klare Worte: „Wenn wir jetzt sagen, wir haben keine Zeit und Kraft mehr, dann haben wir schon verloren.“