Dienstag, 08. Oktober 2019

KI-Wüste trotz Wirtschaftswachstum?

Der Gründung eines Start-ups in Deutschland, dem Land, dessen Unternehmenslandschaft von traditionsreichen Familienunternehmen geprägt ist, steht nicht nur diese Firmenkultur oft im Weg. Trotz des Wirtschaftswachstums in Deutschland und Europa haben Start-ups, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen, kaum eine Chance, den Vorsprung, der auf diesem Gebiet in den USA und China herrscht, aufzuholen. Unser Absolvent Adrian Görgen hat sich in seiner Bachelorthesis „Systematic Analysis of the German AI Startup Ecosystem“ mit genau diesen Herausforderungen für ein Unternehmerisches Ökosystem in Deutschland beschäftigt.

Foto: Adobe Stock/gustavofrazao

Dennoch gibt es sie, die KI Start-up Szene in Deutschland. Sie konzentriert sich in den Städten Berlin, München, Hamburg und auf die Region Köln-Düsseldorf, sowie Karlsruhe-Stuttgart. Die Automobilbranche und der Gesundheits- und Finanzsektor profitieren am meisten von den 278 deutschen KI Start-ups. Am häufigsten vertreten unter den KI-gestützten Anwendungen sind Marketingtools und Chatbots, aber auch intelligente Roboter.

Görgen analysierte in seiner Arbeit den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmen der KI Start-up Szene. Betrachtet man die globale KI-Entwicklung, stehen die USA und China weit vor Deutschland, welches nicht nur in der Digitalisierung hinterher hängt. Auch fehlt in Deutschland ein ausgebautes Netzwerk an Unternehmen, Investoren und Forschern; sowie einer großen Masse an bereitgestellten Daten. Aber auch der Arbeitsmarkt und die Bereitschaft, in KI Start-ups zu investieren, ist in den USA attraktiver und größer, weshalb viele Fachkräfte und Experten Deutschland den Rücken kehren und ihren Erfolg in Übersee suchen.

Aus seiner Analyse schlussfolgert Görgen, dass Deutschland allein aufgrund der geringen Ressourcen an Daten, Finanzierung, Software und Hardware keine ganzheitliche Verbesserung erzielen kann. Vielmehr braucht es einen europäischen Ansatz, der durch die Förderung des europäischen (Daten-) Binnenmarktes die Wettbewerbsfähigkeit sichert. Insbesondere in Deutschland liegen die Marktpotenziale laut Görgen in der Digitalisierung des Mittelstandes und der Etablierung von Initiativen, die Unternehmen mit KI in Berührung bringen. Um den Rückstand aufzuholen, müssten bürokratische Hürden verringert, die lückenhafte Finanzierungslandschaft verbessert und die in der deutschen Kultur verankerte Risikoaversion gegenüber unternehmerischer Aktivität verringert werden.

Der Titel der Bachelorarbeit lautet „Systematic Analysis of the German AI Startup Ecosystem“. Sie wurde von Prof. Dr. Dries Faems, Lehrstuhl für Entrepreneurship, Innovation and Technological Transformation, betreut.