Montag, 23. September 2019

Integration: 10 Jahre In Praxi Award

Zum Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Verleihung des „In Praxi Outstanding Thesis Award“ durch die WHU Alumni Association In Praxi e.V. stellt die WHU einige Preisträger und ihre Abschlussarbeiten aus den vergangenen Jahren vor.

Am 28. September 2018 verlieh WHU-Alumnus Dr. Marco Vietor den In Praxi Outstanding Thesis Award an Nils Aschmann und Leo Polwein (beide BSc 2018) für ihre Thesis mit dem Titel „Integration von Flüchtlingen als Arbeitskräfte: Chance oder Herausforderung für deutsche Familienunternehmen?“

Für die beiden Preisträger war ein vorangegangenes persönliches Engagement in der Flüchtlingshilfe ausschlaggebend bei der Themenwahl ihrer Abschlussarbeit, die von Professor Dr. Nadine Kammerlander und Khadija Mubarka am Lehrstuhl für Familienunternehmen betreut wurde. Knapp drei Jahre nachdem der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland im Jahr 2015 seinen Höhepunkt erreicht hatte, analysierten die Autoren, wie Familienunternehmen die Integration von Flüchtlingen in ihre Arbeitswelt erlebt haben und wie sie diese Erfahrungen bewerten.

Mit ihrer Abschlussarbeit wagten sich die Autoren an ein Thema, das in der öffentlichen Debatte nach wie vor für Diskussionsstoff sorgt. Die Autoren fanden heraus, dass die Entscheidungsbefugnis und das soziale Engagement der Familienunternehmer ein wesentlicher Treiber der Integrationsbemühungen sind. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen werden Unterschiede im kulturellen und persönlichen Hintergrund der Flüchtlinge vor allem als bereichernd empfunden. Sprachdefizite sowie regulatorische Hindernisse erweisen sich als die häufigsten Herausforderungen. Die Autoren verwiesen auf eine Vielzahl von intern entwickelten Maßnahmen sowie externe Unterstützungsangebote, die helfen können, diese Herausforderungen zu bewältigen. Die Untersuchung solcher Maßnahmen macht diese Arbeit besonders relevant für Praktiker.

 

3 Fragen an Nils Aschmann und Leo Polwein

1. Verfolgen Sie die Entwicklungen um das Thema Ihrer damaligen Abschlussarbeit auch heute noch?

Leo: Das Thema Flüchtlinge in Deutschland allgemein verfolgen wir noch aufmerksam, was bei der häufigen Berichterstattung auch nicht allzu schwer ist. Wenn es aber um die Integration von Flüchtlingen in (Familien)unternehmen geht, ist es schon etwas schwieriger, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Hier würden wir uns beide freuen, wenn das Thema Integration von Flüchtlingen in die deutsche Arbeitswelt, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Presse, mehr Beachtung findet. Schließlich handelt es sich dabei um ein gesellschaftlich sehr relevantes Thema. Generell wäre es schon, wenn der öffentliche Dialog über Flüchtlinge, auch in der Politik, etwas sachlicher geführt werden würde. Es ist nämlich ein vielschichtiges Thema, dem man mit einfachen Stammtischparolen nicht gerecht werden kann.

2. Würden Sie rückblickend das Thema genauso angehen wie damals?

Nils: Wir haben das Thema ausschließlich aus Unternehmens- bzw. Arbeitgebersicht betrachtet. Interessant wäre für uns rückblickend auch die direkte Perspektive der Arbeitnehmer, also der Flüchtlinge gewesen, um ein umfassenderes und evtl. noch tiefgreifenderes Bild zu erhalten. Eine noch detailliertere Betrachtung des regulatorischen Rahmens hätte außerdem mit Sicherheit noch weitere spannende Ansatzpunkte geliefert.

3. Wenn Sie sich zum jetzigen Zeitpunkt, mit etwas Abstand zum Studium, für ein Thema für eine wissenschaftliche Arbeit entscheiden müssten: Wofür würden Sie sich entscheiden?

Leo: Da ich sehr breit interessiert bin, gibt es viele Themen, die für mich in Frage kommen würden. Besonders begeistern kann ich mich aber für Themen, die über die Betriebswirtschaft hinausgehen und weitreichende gesellschaftliche Folgen haben, so wie das bei unserer Bachelorarbeit der Fall war. Ein Thema, mit dem ich zuletzt viel zu tun hatte und das ich mir deswegen gut vorstellen könnte, wäre Mobilität. Hier gibt es, von autonomen Autos bis zu neuen Verkehrskonzepten für Städte, viele Fragestellungen, die mich interessieren würden.

Nils: Auch, wenn ich spontan kein konkretes Thema nennen könnte, wäre für mich weiterhin allgemein ein wichtiger Faktor, dass eine gewisse gesellschaftliche Relevanz von dem Thema ausgeht.

Ganz losgelöst davon wäre rückblickend mit Sicherheit auch eine wissenschaftliche Arbeit interessant gewesen, deren Erkenntnisse ich direkt in meine eigene Unternehmensgründung hätte übertragen können, also bspw. im Bereich Entrepreneurship oder Logistik im konkreten Fall. Aber das war zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht absehbar.