Montag, 23. September 2019

WHU Campus for Family Business 2019

Wie kann man nachfolgende Generationen für das eigene Familienunternehmen begeistern? Wie gelingt eine erfolgreiche Internationalisierung? Und wie gut sind unsere Hidden Champions auf den digitalen Wandel vorbereitet? Dies waren nur einige der Fragen, welche die 130 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des diesjährigen Campus for Family Business vergangenen Freitag auf dem Campus der WHU – Otto Beisheim School of Management diskutierten.

Hermann Simon, Gründer und Ehrenvorsitzender der auf Pricing spezialisierten Strategieberatung Simon-Kucher & Partners, hat wie kaum ein anderer den Begriff des Hidden Champions geprägt. Für ihn steht fest: Die Hidden Champions sind und bleiben Zukunftsmotor der deutschen Wirtschaft. In der Regel würde sich laut Simon global eine lineare Korrelation zwischen der Anzahl der Großunternehmen eines Landes und der Summe dessen Exporte erkennen lassen. Deutschland bilde hier gemeinsam mit China eine Ausnahme, denn zwei Drittel der deutschen Exporte würden mittelständischer Unternehmen, oftmals Hidden Champions, entstammen. Insgesamt 16 solcher Hidden Champions kommen hierzulande auf eine Millionen Einwohner, womit Deutschland weltweit mit Abstand am meisten jener Weltmarktführer hat, die auf ihrem Gebiet Spitzenreiter sind und dennoch national wie international über einen besonders geringen Bekanntheitsgrad verfügen. Aber was macht unsere Hidden Champions eigentlich so erfolgreich? Simon zufolge setzen sie sich extrem ambitiöse Ziele, sind überdurchschnittlich innovativ und verbinden Fokussierung in Produkt und Know-how mit globalem Vertrieb und Marketing.

Doch nicht jeder Teilnehmer des Campus for Family Business ist so optimistisch eingestellt wie Simon. „Hidden Champions sind ein Zukunftsmotor, aber kein Selbstläufer“, führte Catharina Prym, Spezialistin für Familienunternehmen von PwC, an. Michael Mack, CEO des Europa-Freizeitparks, kritisierte darüber hinaus die hiesige, noch immer mangelhafte Infrastruktur. Ein unzureichendes Mobilfunknetz und rechtliche Hürden im Bereich der digitalen Verwaltung wären nur zwei Herausforderungen, die alltägliche Prozesse erschweren. Paul Hertwig von N+P Informationssysteme war ähnlicher Meinung und ergänzte, dass es immer schwerer werden würde, Talente, allen voran IT-Experten, für Familienunternehmen in ländlichen Regionen zu gewinnen.

Mit dem Thema des Nachwuchses für deutsche Mittelständler beschäftigte sich am Nachmittag auch die Podiumsdiskussion „Next Generation“. Man könne die nachfolgenden Generationen nicht mehr an das Unternehmen binden. Vielmehr müsse man schon frühzeitig versuchen, Interesse zu wecken, berichtete Selina Stihl von der gleichnamigen Stihl AG. Die Herausforderung, den Nachwuchs für das eigene Familienunternehmen zu begeistern, würde zusehends auch durch ein in der Öffentlichkeit verbreitetes, negatives Unternehmerbild erschwert, kritisierte Sarna Röser, Bundesvorsitzende der jungen Unternehmer. Unternehmer müssten nicht zuletzt deshalb noch mutiger und experimentierfreudiger werden und dürften nicht in ein von Röser als „German Angst“ bezeichnetes Stadium fallen. Denn eines sei klar: „Gründer und junge Unternehmer sind die Lebensversicherung von Deutschland.“