Donnerstag, 27. Februar 2020

Das Streben nach Erkenntnisgewinn

Hochqualitative und wegweisende Forschung im Fachgebiet der Wirtschaftswissenschaften ist eine der Hauptsäulen des Exzellenz-Anspruchs der WHU – Otto Beisheim School of Management. 35 AbsolventInnen bringt das Promotionsprogramm der Business School im Jahr durchschnittlich hervor, 50 Publikationen in Top Wirtschaftsmagazinen sind in Kooperation mit WHU-DoktorandInnen entstanden. Prof. Dr. Christian Andres, Inhaber des Lehrstuhls für Empirical Corporate Finance und Prorektor Research, und Claudia Heymann, Leiterin des Doktorandenprogramms, hauchen diesen Zahlen im Interview Leben ein.

1) Die WHU ist derzeit die einzige deutsche private Business School, die Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist. Wie wird die hohe Forschungsqualität garantiert und was macht eine Promotion an der WHU besonders?

Andres: Als Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft richtet sich die WHU nach den Leitlinien der guten wissenschaftlichen Praxis der DFG.

Heymann: Das wird durch die Kommission der guten wissenschaftlichen Praxis an der WHU sichergestellt, die sich regelmäßig trifft und – basierend auf den Vorgaben der DFG – Leitlinien für die WHU erarbeitet hat. Alle DoktorandInnen verpflichten sich, nach diesen Leitlinien zu arbeiten.

Andres: Was das Promotionsprogramm der WHU besonders macht, ist der Hybrid aus theoretischer wissenschaftlicher Doktorandenausbildung auf internationalem Niveau und einem globalen Forschungsnetzwerk. In regelmäßigen Seminargesprächen, auf Forschungskonferenzen und im Rahmen von Austauschaufenthalten an den Partneruniversitäten können unsere DoktorandInnen den aktuellen Stand ihrer Arbeit anderen Forschenden vorstellen und so kontinuierlich Feedback einholen.

 

2) Auch die Promovierenden müssen dem hohen Forschungsstandard der WHU entsprechen. Welche Voraussetzung sollte jemand mitbringen, der sich auf eine Promotionsstelle bewirbt?

Heymann: Formale Grundvoraussetzung ist natürlich ein abgeschlossenes Masterstudium oder ein Diplomstudium an einer Universität mit einer überdurchschnittlichen Gesamtnote.

Andres: Darüber hinaus sollten sich Interessierte in erster Linie für die Forschung begeistern und in einem internationalen Umfeld arbeiten wollen. Das bedeutet, dass sie in der englischen Sprache nicht nur sattelfest sein sollten, sondern sich darin auch wissenschaftlich ausdrücken können. Das Doktorandenprogramm beinhaltet zwar Kurse zur wissenschaftlichen Ausdrucksweise sowie zum Thema wissenschaftliche Veröffentlichung, doch ein gewisses Sprachniveau und –gefühl setzen wir voraus. Im direkten Austausch mit den BewerberInnen erkennen wir zudem, ob ein wirkliches Streben nach Erkenntnisgewinn gegeben ist.

Heymann: Grundsätzlich steht unser Promotionsprogramm auch AbsolventInnen nicht wirtschaftlicher Studiengänge offen, sofern diese Interesse an den Schnittstellen zwischen ihren Fachrichtungen und der Wirtschaft haben. Wir haben zum Beispiel einige Psychologen hier.

 

3) Welche beruflichen Möglichkeiten bietet eine Promotion außerhalb des wissenschaftlichen Sektors? Inwiefern ist sie auch für diejenigen von Interesse, die nach dem Studium eine Karriere in der Praxis anstreben?

Andres: Die Promotion befähigt zum selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten. AbsolventInnen sind somit prädestiniert für die Arbeit an Hochschulen, wissenschaftlichen Instituten und Verbänden. Wissenschaftliches Arbeiten ist aber auch in vielen Anwendungsbereichen der Industrie gefragt, so zum Beispiel in Banken und im Supply Chain Management. Ebenso können Beratungsunternehmen nicht nur Lösungen von der Stange verkaufen. Auf den Benutzer zugeschnittene Lösungen erfordern häufig auch wissenschaftliche Ansätze.

Heymann: Vielen ist gar nicht bewusst, dass es noch so viele Einsatzmöglichkeiten außerhalb der universitären Forschung gibt.

 

4) Welche Forschungsthemen sind derzeit besonders hoch im Kurs und was sind die vielversprechenden Geheimtipps, also weniger prominente Themen, die ein großes Forschungspotenzial bieten und Wissenschaft sowie Wirtschaft vorantreiben könnten?

Andres: Geheimtipps als solche gibt es nicht. Zunehmend im Trend liegen aber Themen, die an Schnittstellenbereichen angesiedelt sind, die also Wirtschaftswissenschaften mit anderen Wissenschaftsbereichen zusammenbringen. Beispiele finden sich unter anderem in den Themenfeldern Wirtschaft/Verhaltensforschung, Gesetz/Finanzwirtschaft und Wirtschaft/Gesundheitswesen. Diese Schnittstellenthemen spiegeln den Anspruch wider, der zunehmend an Unternehmen gestellt wird und demzufolge diese sich ihrer gesellschaftlichen, ökologischen, ethischen Verantwortung bewusst werden sollen. Ebenfalls hoch im Kurs stehen, wie in jeder anderen Branche auch, sämtliche Themen rund um die Digitalisierung.

 

5) Wer sich für eine Promotion interessiert, muss sich auch Gedanken über die Finanzierung machen. Welche Möglichkeiten bieten sich diesbezüglich an der WHU?

Andres: Interne DoktorandInnen, die am Lehrstuhl angestellt sind, müssen sich keine Gedanken um die Finanzierung machen. Sie bezahlen zum einen keine Gebühren für das Programm und bekommen zum anderen ein Gehalt gezahlt, von dem es sich gut leben lässt.

Heymann: Selbst wenn die internen DoktorandInnen nach Ablauf ihres Arbeitsvertrages in den externen Status wechseln, sind sie zwei weitere Jahre von den Gebühren befreit. Falls die Promotion etwas länger dauern sollte.

Andres: Für externe DoktorandInnen bieten sich dieselben Finanzierungsmöglichkeiten wie für Studierende, so zum Beispiel der KfW-Studienkredit der Sparkasse Koblenz und der Umgekehrte Generationenvertrag der WHU-Initiative Brain Capital. Teilnahmen an Forschungskonferenzen werden zudem über den Forschungsfonds des Rektors und teilweise von den Lehrstühlen und Gruppen der WHU finanziell unterstützt.

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