Donnerstag, 06. Februar 2020

„Fake News“ beeinflussen die Urteilsbildung

Seit Trumps Präsidentschaftskandidatur werden „Fake News“ zunehmend in den Medien thematisiert. Die WHU-Absolventinnen Johanna Pünder und Isabell Schulze-Lohoff haben sich in ihrer Bachelorarbeit „Fake News - Does Perception Matter More Than the Truth?“ mit der Auswirkung falscher Informationen auf die Urteilsbildung beschäftigt.

1. Warum habt ihr Euch für dieses Thema entschieden? Welche Relevanz hat es Eurer Meinung nach für die Wirtschaft?

Die Wahlen in den USA Anfang 2017 haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir das Thema „Fake News“ ausgewählt haben. Dieses Thema hat auch für die Wirtschaft eine hohe Relevanz. Als die Nachrichten über den Konkurs der Muttergesellschaft von United Airlines im Jahr 2002 sechs Jahre später wiederauftauchten und Menschen glauben ließen, dass das Unternehmen erneut bankrott war, fielen die Aktienkurse dramatisch. Selbst nach der Aufklärung kehrte die Aktie nicht wieder auf ihr altes Niveau zurück. Dieses Beispiel zeigt, dass „Fake News“ eine nachhaltige Wirkung nicht nur auf ihre Leser, sondern auch auf ganze Unternehmen haben können.

2. In Eurer Studie verweist Ihr auf den sogenannten Anker-Effekt, der die Urteilsbildung beim Konsum von Informationen maßgeblich beeinflusst. Wie sieht dieser aus und welche Konsequenzen ergeben sich im Zusammenhang mit „Fake News“?

Der Ankereffekt besagt, dass sich Menschen, wenn sie einen unbekannten Zahlenwert schätzen müssen, Anhaltspunkte in ihrer Umgebung suchen und sich von diesen beeinflussen lassen, ohne es zu wissen. Es ist dabei egal, ob diese Anhaltspunkte thematisch relevant sind oder nicht. In einem Kontext von „Fake News“ bedeutet dies, dass der Anker unabhängig vom Inhalt und der Glaubwürdigkeit der Nachricht als Anker dienen kann. Selbst wenn der Leser zu der Schlussfolgerung gelangt, dass eine bestimmte Nachricht nicht wahr ist, könnte er sich bei der Beurteilung des Themas immer noch von „Fake News“ beeinflussen lassen.

3. Ihr habt 240 WHU-Studierende mit einem gefälschten Zeitungsartikel als Anker konfrontiert und untersucht, welche Auswirkung dieser in Bezug auf das Level an Informiertheit über dessen Wahrhaftigkeit hat. Was habt Ihr bei Eurer Versuchsreihe herausgefunden?

Teilnehmende, denen wir nicht mitgeteilt haben, dass es „Fake News“ geben könnte, sind am wenigsten von dem Anker in den vorgelegten „Fake News“ abgewichen. Im Vergleich dazu haben sich Teilnehmende, die von „Fake News“ wussten oder denen wir vorher gesagt haben, dass die vorliegenden Informationen falsch sind, weiterhin - wenn auch weniger stark - vom gesetzten Anker beeinflussen lassen.

4. Die Studienteilnehmenden hatten in einem zweiten und dritten Schritt die Möglichkeit, weitere (teilweise ebenfalls falsche) Informationen zum Thema zu erhalten und die Meinung anderer einzuholen. Welchen Einfluss hat die Suche nach weiteren Informationen auf die Urteilsbildung?

Die meisten Teilnehmenden suchten nach weiteren Informationen, wenn sie wussten, dass es sich um „Fake News“ handeln könnte. Teilnehmende, denen wir nicht mitgeteilt hatten, dass es „Fake News“ geben könnte, haben am zweitmeisten nach weiteren Informationen gefragt. Am wenigsten interessant war diese Phase für die Teilnehmenden, die bereits wussten, dass die Informationen falsch waren. Durch die dritte Stufe in unserem Experiment wurden die Teilnehmenden mit angeblichen Meinungen ihres Freundeskreises konfrontiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Einschätzungen der Teilnehmenden fast in allen Gruppen durch die Einschätzungen ihres Freundeskreises beeinflusst wurden.

5. Wie kann das Bewusstsein über „Fake News“ konkret verstärkt werden? Was sollten Konsumierende potentieller „Fake News“ beachten und wie können betroffene Unternehmen damit umgehen?

Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, das Bewusstsein der Menschen als entscheidendes Instrument zur Bekämpfung von „Fake News“ zu erhöhen. Ein alltägliches Bewusstsein durch die Verfolgung der öffentlichen Debatte über „Fake News“ reicht nicht aus, um die Voreingenommenheit der Konsumierenden zu verringern. Eine Maßnahme, um das Bewusstsein über die Existenz von „Fake News“ zu verbreiten, könnte darin bestehen, die Bewertung der Glaubwürdigkeit von Quellen umfassender zu besprechen. Eine weitere Möglichkeit stellt, wie in Stufe 2 unseres Experiments bewiesen, der "consider-the-opposite"-Ansatz dar. Hier werden Leser bewusst ermutigt, über Argumente nachzudenken, die dem Ankerwert widersprechen. Von „Fake News“ betroffene Firmen sollten also stets Pressemitteilungen veröffentlichen, die diesen Nachrichten mit einleuchtenden Argumenten widersprechen, um den Ankereffekt so gut es geht zu begrenzen.

 

Die Bachelorthesis wurde von Prof. Dr. Peter-J. Jost, Lehrstuhl für Organization Theory an der WHU – Otto Beisheim School of Management, betreut.