Dienstag, 25. Februar 2020

Können Algorithmen ethisch handeln?

Ob programmierte Algorithmen ethisch handeln können, dieser Frage ging der Leiter der Geschäftsfeldsteuerung Transaction Banking der DZ BANK AG und Vorsitzender der EACB Gruppe „Digitalisation and the Use of Data“ Dr. Udo Milkau nach. Als Gastredner im Masterkurs „Financial Technologies“ gewährte er spannende Einblicke, in was überhaupt messbar ist und welchen Verzerrungen es durch die Komponente Mensch unterliegt. Thema seines Vortrags: “Ethics of Algorithms - Between Automated Decision-making and Responsibility of a Bank”.

Das Thema Algorithmen wird derzeit in Forschung wie Politik stark diskutiert. Dabei bestimmen die Rechenvorgänge heute schon bewusst oder unbewusst große Teile unseres Lebens: Ob bei der Kreditvergabe, der Wohnungssuche oder den Kosten für Versicherungen. Automatisierte Berechnungen geben vielfach Antworten auf komplexe Fragen. Dabei stellt sich die Frage: Ist alles davon sinnvoll, nur weil es technisch möglich ist?

Gastredner Dr. Udo Milkau illustrierte vor allem, dass die Menschen sich darüber bewusst sein müssen, was sie überhaupt messen wollen und welche Parameter sie dafür in den Algorithmus einfließen lassen. Die Ergebnisse sollten regelmäßig kritisch überprüft werden, ob sie auch tatsächlich das berechnen, was sie sollen. Darin sieht Milkau die Verantwortung der Nutzer des Algorithmus. Denn eine fehlerfrei arbeitende Berechnung ist noch keine Garantie dafür, dass sie auch valide Ergebnisse liefert. Es können Verzerrungen entstehen, die menschengemacht sind. Das passiert insbesondere dann, wenn sich im Vorfeld nicht genügend Gedanken darüber gemacht wurden, welche Faktoren alle in die Berechnungsgrundlage einfließen sollen und müssen.

Die Technologie kann dabei keine moralischen Probleme lösen, die vorher nicht schon von Menschen hätten gelöst werden können. Daher handeln Algorithmen weder ethisch noch unethisch und sind auch nicht in der Lage, dem Menschen die Lösung von Dilemmas abzunehmen. Dies gilt ebenso für die Bankenbranche. Dort lässt sich zwar ohne automatisierte Berechnungsmethoden nicht arbeiten, aber es kommt weiterhin den Mitarbeitern die Verantwortung zu, die Ergebnisse auf ihre Vertretbarkeit hin zu prüfen.