Donnerstag, 27. Februar 2020

Vier Fragen an HeyJobs

WHU-Alumnus Marius Jeuck beantwortet fünf Fragen zu seinem Start-up "HeyJobs" und rund ums Gründen.

1) Der Fachkräftemangel hat Deutschland fest im Griff. Wo setzt ihr mit HeyJobs bei der Lösung dieses Problems an?

Das Grundproblem besteht darin, Fachkräfte und Unternehmen zusammenzubringen. Klassische Jobbörsen funktionieren nicht mehr, weil viele bereits in Beschäftigung sind und gar nicht aktiv nach einem neuen Job suchen. HeyJobs nutzt einen selbstlernenden Algorithmus, um passive Kandidaten genau dort anzusprechen, wo sie sich aufhalten: In den Sozialen Medien. Dafür schalten Kunden mit uns Stellenanzeigen auf über 1.000 relevanten Seiten, was eine enorme Reichweite darstellt. Zusätzlich finden aktiv Jobsuchende die Stellenangebote als Premium-Anzeige auf allen relevanten Jobportalen. Dazu bieten wir Auswahlfragen an, die jeder Bewerber vorab online beantworten muss und stellen so die Qualität der Bewerbungen sicher. 

2) Wie kann datenbasiertes Recruiting zu weniger Diskriminierung bei der Jobsuche beitragen?

Wenn ein Unternehmen lediglich auf die Qualifikationen des Bewerbers schaut, wird die/der Recruiter/in nicht von Personendaten wie Bildern, der Herkunft oder dem Alter abgelenkt. Um einen guten Bewerber zu bewerten, sollte im ersten Schritt auf seine Erfahrung und fachlichen Kenntnisse geschaut werden, der Personal Fit kann im Nachgang erfolgen. Eine Bewerbung ohne Anschreiben bzw. CV ist eine Möglichkeit, um erst den Bewerber und seine Qualifikationen kennenzulernen, bevor man etwas über das Alter, die Hautfarbe oder die Herkunft erfährt.Doch selbst wenn ein Anschreiben und CV vorliegen, ist es an jedem Unternehmen selbst, aktiv gegen Diskriminierung vorzugehen. Bei HeyJobs beschäftigen wir zum Beispiel 30 verschiedene Nationalitäten, haben einen Frauenanteil von 43% (34% weibliche Führungskräfte) und eine große LGBT-Community. Diversität gehört zu einem der wichtigsten Elemente in unserer Unternehmenskultur. Das zu verinnerlichen und im Recruiting umzusetzen ist der einzig sichere Weg, Diskriminierung abzuschaffen. 

3) Wie wird sich eurer Einschätzung nach der Arbeitsmarkt in Deutschland in den nächsten zehn Jahren verändern?

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird der Bedarf an Fachkräften weiter steigen. 2030 werden dem Arbeitsmarkt voraussichtlich nur etwa 40 Millionen Erwerbstätige zur Verfügung stehen, 6 Millionen weniger als jetzt. Klassische Recruiting-Maßnahmen wie Zeitungsannoncen oder Stellenbörsen schaffen es schon jetzt nicht mehr, die nötigen Bewerber zu beschaffen. Zusätzlich ändert sich auch das Bewerberverhalten: Schon heute bevorzugen 76% der Kandidat*innen eine Bewerbung über das Mobiltelefon. Die Möglichkeit der reibungslosen Bewerbung über mobile Endgeräte ist bisher aber nur bei wenigen Unternehmen und Plattformen möglich. Die Digitalisierung wird und muss einen wachsenden Raum beim Recruiting einnehmen, um diese Lücke zu schließen. Das Finden von Mitarbeitern wird in der Zukunft überwiegend digital und automatisiert erfolgen, Technologien wie unsere werden eine zentrale Rolle spielen. 

4) Wenn ihr jungen Gründern oder Gründungsinteressierten nur einen einzigen Tipp geben dürftet: Was würdet Ihr ihnen raten?

Einfach anfangen, der Rest ergibt sich.

 

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