Dienstag, 28. Januar 2020

Blockchain-Technologie: Vertrauen als Basis

Bitcoin, Ethereum oder das geplante Libra-Bezahlsystem von Facebook – Sie alle und viele weitere Kryptowährungen nutzen die sogenannte Blockchain-Technologie. Doch während diese alternativen Währungen längst dabei sind, dem etablierten Bar- oder Giralgeld Konkurrenz zu machen, wissen die wenigsten, was genau sich hinter den ungezählten Einsen und Nullen verbirgt. Eine, die sich bestens mit den dahinterstehenden Zahlenketten auskennt, ist Fabiane Völter. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement (FIM) und hat zuvor Internationale Betriebswirtschaftslehre an der WHU - Otto Beisheim School of Management studiert. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sie sich intensiv mit der Rolle des Vertrauens bei neuen Finanzmarktinstrumenten auseinandergesetzt und kam für einen Gastvortrag am Lehrstuhl für Corporate Finance zurück nach Vallendar.

Unter dem Titel “Designing Blockchain for the Value of Trust” erläuterte die Promovendin den Studierenden, welche neuen Möglichkeiten sich durch den Handel unter Zuhilfenahme von Blockchain-Technologie ergeben. Experten sind sich einig, dass Kryptowährungen als Zahlungsmittel bislang praktisch nicht manipulierbar sind, weil sie dezentral gehandelt werden. Das sorgt dafür, dass kein Vertrauensverhältnis mehr zwischen zwei Akteuren bestehen muss, sondern alleine das Vertrauen in die Technologie nun ausreicht. Auf diese Weise erschließen sich neue Geschäftsfelder. So kann durch Kryptowährung auch mit Personen gehandelt werden, mit denen man ansonsten eher keine Geschäftsbeziehung eingehen würde. Das Finanzinstrument selbst liefert die nötige Sicherheit für die Zahlungsfähigkeit des Gegenüber.

Dafür ist jedoch zunächst Vertrauen in die jeweilige Kryptowährung notwendig. Denn ohne Vertrauen in den Gegenwert des traditionellen Geldes würde auch dieses nicht als Tauschmittel funktionieren. So zeigte Völter in ihrem Vortrag, dass viele, die angefangen haben beispielsweise mit Bitcoin zu zahlen, dies nur taten, weil Freunde es bereits vorher gemacht haben. Über diesen Netzwerk-Effekt gewinnen Kryptowährungen zunehmend an Einfluss als Zahlungsmittel.

Der Computer und die Technologie werden in Geschäftsbeziehungen, die Kryptowährung beinhalten, selbst zu sozialen Akteuren. Um die Entscheidungsprozesse beim Menschen dabei besser zu verstehen, hat die Universität Zürich der „Neuroökonomie“ ein eigenes Forschungsfeld gewidmet. Auch dort wird ähnlich wie in Völters Arbeit die Rolle des Vertrauens und welche Impulse menschliche Entscheidungen bei Transaktionen beeinflussen untersucht.