Dienstag, 07. Januar 2020

Innovationen des deutschen Einzelhandels

Die fortschreitende Digitalisierung des Alltags stellt die Wirtschaft immer wieder vor Herausforderungen. Auch der Einzelhandel wird davon nicht verschont. Seit Jahren zeichnet sich vor allem bei den großen Unternehmen der Trend ab, die Verkaufsstrategien auf die Bedürfnisse der Kunden auszurichten. Die WHU-Absolventin Nina Stöferle hat sich in ihrer Bachelorarbeit „A Corporate Innovation Scan of the German Retail Industry“ mit den größten Herausforderungen und Chancen des deutschen Einzelhandels beschäftigt.

© AdobeStock / peshkova

Ziel ihrer Arbeit war es nicht nur, diese Herausforderungen zu identifizieren, sondern auch Programme zum Meistern ebendieser zu erkennen. In einem dritten Schritt ging es darum, zu untersuchen, wie die Innovationsmaßnahmen erfolgreich ins Unternehmen eingebunden werden können. Als größte Herausforderungen zeigten sich die Erwartung, einzigartige Erlebnisse zu schaffen, und der im Sinne der Digitalisierung fortschreitende Druck, ein „unified retailing“-Konzept zu verwirklichen, welches den Kaufprozess vollends auf die Bedingungen der Konsumierenden ausrichtet und einen über den Kauf hinausgehenden Service vorsieht.

Die Etablierung interner Innovationseinheiten und themenspezifischer Kompetenzzentren, welche die Realisierung vordefinierter Themen in Angriff nehmen, sollen diesen Herausforderungen entgegenwirken können. Wie Stöferle aufzeigt, stellt die Digitalisierung nicht nur Anforderungen an den Einzelhandel, sondern birgt auch die größte Chance. Sie ermöglicht die Optimierung von Hintergrundprozessen und somit auch die des Kundenerlebnisses.

Zur erfolgreichen Einbindung von Innovationsprogrammen in die Unternehmenskultur ist eine innovative Denkhaltung notwendig, welche durch flache Hierarchien, Flexibilität, Offenheit und Freiheit gefördert wird. In bestimmten Fällen sollten Innovationseinheiten dezentral aufgestellt werden und somit über ein eigenes Budget, ein eigenes Team und die Befähigung, selbstständig Entscheidungen zu treffen, ausgestattet sein. Hilfreich ist zudem die Förderung des gegenseitigen Austauschs zwischen der Innovationseinheit und dem Unternehmen über gemeinsame Schnittstellen. Zu guter Letzt plädiert Stöferle für den weiteren Ausbau der 4G- und 5G-Netze durch die Politik.

Die Bachelorthesis wurde von Prof. Dr. Dries Faems, Lehrstuhl für Entrepreneurship, Innovation and Technological Transformation, betreut. Stöferle wertete die Innovationspraktiken von fünf der größten und erfolgreichsten deutschen Einzelhändlern aus. Die Datengrundlage stellten öffentlich zugängliche Materialen zu Otto, Metro, EDEKA, Lidl und Fielmann sowie Experteninterviews dar.