Montag, 02. März 2020

Gewerbesteuer: Zahlt am Ende der Verbraucher?

Bereits seit Längerem steht die Vermutung im Raum, dass Unternehmen im Allgemeinen Steuererhöhungen auch an die Endverbraucher weitergeben. Getestet haben das jetzt Prof. Martin Jacob und Doktorand Thorben Wulff von der WHU – Otto Beisheim School of Management sowie Prof. Maximilian Müller von der ESMT in Berlin. Für ihre Studie „Do Consumers Pay the Corporate Tax?” untersuchten sie das Tankstellennetz in Deutschland mit seinen mehr als 15.000 Filialen. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Tankstellen bezogen auf die Gewerbesteuer Steuererhöhungen an die Konsumenten weitergeben. Dieser Umstand ist insbesondere für politische Entscheidungsträger wissenswert, weil die Erhöhung der Gewerbesteuer in hunderten Kommunen jährlich ansteht. Gerne wird sie als Stellschraube für höhere Steuereinnahmen genutzt, bei der nach den Erkenntnissen der Studie indirekt aber der Verbraucher statt des Unternehmens zur Kasse gebeten wird.

Wie die Wissenschaftler herausfanden, wurde der Benzinpreis im Durchschnitt um 0,1 Cent angezogen, wenn die Gewerbesteuer in der betreffenden Kommune um einen Prozentpunkt stieg. Damit konnte belegt werden, dass Steuererhöhungen für die Unternehmen sich nicht nur auf die Inhaber oder geringqualifizierte Mitarbeiter auswirken, sondern auch auf den Endverbraucher. Nachgewiesen ist dies jedoch vorerst nur für notwendige Bedarfsgüter wie Treibstoff.

Bei ihrer Analyse verglichen die Forscher die Benzinpreise von Tankstellen in Kommunen, die die Gewerbesteuer anhoben mit benachbarten Kommunen, die dies nicht taten. Im Ergebnis lagen die Preise für Autofahrer beinahe flächendeckend dort höher, wo auch die Gewerbesteuer erhöht wurde. Bei einigen Tankstellen gab es jedoch Ausnahmen, weil für die Kostenweitergabe ein Faktor entscheidend ist: Die Elastizität des Preises. So konnten Tankstellen in einem sehr dichten Netz von Filialen aufgrund der Konkurrenz ihre Preise nicht ohne Weiteres an die Kundschaft weitergeben. Ebenso wenig konnten Tankstellen mit Konkurrenz aus dem nahen Ausland die Verbraucherpreise anziehen, wo die Benzin- und Dieselpreise niedriger liegen als in Deutschland. Dafür wurden Steuererhöhungen umso stärker an die Verbraucher weitergegeben, wenn in den Nachbarländern die Benzinpreise ohnehin höher lagen. Besondere Preistreiber für den Verbraucher waren nach Steuererhöhungen auch Markentankstellen und Filialen, die direkt an der Autobahn liegen oder nachts geöffnet haben.

Da die Tankstellen selbst nur einen Gestaltungsspielraum von weniger als zehn Prozent bei den Preisen haben, zeichnete sich die Weitergabe von Gewerbesteuererhöhungen deutlich ab. Damit verfügt die große Mehrheit der Tankstellen über einen sogenannten „Steuerschild“, der es ermöglicht, Steuerhöhungen an die Kunden zu übertragen und so die eigene Profitabilität zu schützen.