Mittwoch, 14. März 2018

„Das Unternehmen muss den Menschen dienen“

„Je höher die Führungsposition, desto wichtiger ist ein ganzheitliches Bild auf die Welt“, argumentierte Heinrich Deichmann gleich zu Beginn seines Vortrags am 13. März im gut gefüllten Hörsaal auf dem Vallendarer Campus der WHU.

Heinrich Deichmann betonte beim Vortrag unter anderem: „Jeder Mensch sollte von seiner Arbeit leben können.“

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats des Schuhgiganten Deichmann führt das deutsche Familienunternehmen bereits in der dritten Generation. Den Menschen, so erzählt Heinrich Deichmann, habe sich schon sein Großvater verpflichtet gefühlt. Damals habe er im Ruhrgebiet gute und preisgünstige Schuhe für seine Nachbarn und Freunde fertigen wollen - für Bergleute, die hart arbeiteten, um ihre Familien zu ernähren, und für ihr Geld ein hochwertiges Produkt verdienten.

Mittlerweile, knapp 80 Jahre später, fertigt die Firma Deichmann ihre Schuhe längst nicht mehr selbst. Ein Großteil der jährlich rund 175 Millionen Paar Schuhe, die Deichmann in ganz Europa und den USA verkauft, stammt aus Zulieferbetrieben in China. Kinder- und Zwangsarbeit, so versichert Heinrich Deichmann, dulde seine Firma nicht. Man verfolge einen strengen Kodex, der sich an den Vorgaben der UNO orientiere. „Unabhängige Prüfunternehmen führen für uns in regelmäßigen Abständen unangekündigte Kontrollen durch“, erklärt der Familienunternehmer. Bei Verstößen werde zunächst versucht aufzuklären und die Missstände abzustellen, im Falle einer Nichtverbesserung werde die Zusammenarbeit jedoch gänzlich beendet. Auch auf einen fairen Lohn bei den Zulieferbetrieben achte Deichmann: „Jeder Mensch sollte von seiner Arbeit leben können.“

Doch auch im eigenen Betrieb liegt Heinrich Deichmann viel daran, seine Mitarbeiter mit Würde und Respekt zu behandeln. Unter anderem bot das Familienunternehmen bereits lange vor Einführung der Riesterrente eine eigene Betriebsvorsorge an, hat eine eigene Unterstützungskasse für in Not geratene Mitarbeiter und bietet für alle Angestellten eine kostenfreie Gesundheitswoche in der Schweiz an. Die Ausbildung von jährlich rund 3000 Auszubildenden stelle ebenfalls einen Beitrag zur Übernahme sozialer Verantwortung dar, so Deichmann. „Auch in der Flüchtlingskrise haben wir uns seit jeher engagiert“, erzählt der Unternehmer. „Unternehmen müssen hier unterstützen, der Staat alleine kann es nicht schaffen.“

Einen Fokus legte Deichmann in seinem Vortrag auch auf das humanitäre Engagement seines Unternehmens in Ländern wie Tansania, Indien und Moldawien. Hier baut seine Stiftung Schulen und Gesundheitszentren, hilft bei der Ausbildung von Kindern und jungen Erwachsenen und dem Ausbau der Infrastruktur. Insgesamt 250.000 Menschen erreicht sein Hilfswerk auf diesem Weg. Jeder Mitarbeiter seines Unternehmens habe auf Wunsch Einblick in die humanitären Aktivitäten seines Arbeitgebers. Dass die Firma Deichmann soziale Verantwortung ernstnehme und sich dieses Engagement auch durchaus etwas kosten ließe, zahle sich aus. „Die Menschen arbeiten gerne für Deichmann. Ein Mangel an Ethik in einem Unternehmen führt letztlich zu geringer Produktivität und Innovation und einer hohen Fluktuation der Mitarbeiter“, erklärt Deichmann. Gegründet sei sein Weltbild und das seiner Familie auf einer Ethik, die sich von christlichen Werten ableiten ließe. „Jeder Mensch ist ein Mitmensch“, sagt er und führt fort: „Die Würde des Menschen darf dem Kapitalismus nicht untergeordnet werden.“  

Der Vortrag war Teil der WHU Speaker Series