Donnerstag, 19. November 2015

Digitale Transformation der Wertschöpfung

Forum Mittelstand an der WHU

Forum Mittelstand an der WHU

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Mittelstand der WHU und der IHK Koblenz fand am 11. November der zweite Unternehmernachmittag im Jahr 2015 an der WHU – Otto Beisheim School of Management statt. Unter dem Motto „Produktion und Dienstleistung – wie WHU-Absolventen erfolgreiche Beiträge zur digitalen Transformation der Wertschöpfung in kleinen und mittleren Unternehmen leisten“ diskutierten Vertreter der regionalen Wirtschaft, Experten aus Wissenschaft und Praxis und WHU-Alumni über Chancen und Herausforderungen bei der digitalen Transformation in mittelständischen Unternehmen.

Die Digitalisierung erfasst zunehmend weite Teile des privaten wie auch des beruflichen Lebens. Deshalb ist das Thema „Digitale Transformation der Wertschöpfung“ zunehmend auch für mittelständische Unternehmer von erheblicher Bedeutung. In der Öffentlichkeit werden vielfach übergreifende Themen wie Big-Data, Informationssicherheit und Datenschutz, Industrie 4.0, die smarte Fabrik oder auch Cloud-Computing diskutiert.

Nur selten wird bislang gezeigt, wie sich jetzt und vor allem künftig im mittelständischen Unternehmen diese Transformationsprozesse in der Praxis zeigen und wie sich diese Transformationen auf die jeweiligen Geschäftsmodelle auswirken werden. Im Rahmen des Forum Mittelstand zeigten junge Unternehmerinnen und Unternehmer – alle Absolventen der WHU und alle heute im Familienbetrieb tätig - anhand ihrer Firmen und der realisierten Konzepte aus unterschiedlichen Branchen, wie sich konkret die Potentiale der Digitalisierung nutzen lassen, um auch in Zukunft unter den sich permanent verändernden technologischen Möglichkeiten erfolgreich am Markt agieren zu können.

Nach der Begrüßung durch Ralf Lawaczeck von der IHK Koblenz sprach Prof. Dr. Thomas Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WHU, einige einführende Worte und betonte die Unaufhaltsamkeit der Digitalisierung. Die technologische Entwicklung, so Fischer, dringe in alle Wertschöpfungsprozesse ein und verändere dabei auch die Gesellschaft. Den anwesenden Unternehmern empfahl er, auf Innovationen offen zuzugehen, von der Konkurrenz zu lernen und Kunden aktiv in Innovationsprozesse einzubinden.

Als erste Rednerin des Nachmittags stellte Alumna Julia Kasper ihr Unternehmen „holzgespür“ vor. Aufgewachsen im Umfeld der väterlichen Tischlerei entwickelte Kasper während ihres Studiums an der WHU den Business Plan für ihr Gründungsvorhaben, eine Onlineplattform für individuelle, maßgefertigte Möbel aus heimischen Qualitätshölzern. Wer bei „holzgespür“ etwa einen Tisch bestellt, kann dieses online in einem eigens für das Unternehmen entwickelten 3D-Designer entwerfen. Den Fertigungsprozess begleitet Kaspers Team mit der Kamera und lässt den Käufern Dank individueller Videos an der Verarbeitung vom Baum zum Tisch teilhaben. Auf diese Weise will Kasper nicht nur die Tischlerei ihres Vaters fit für die Zukunft machen, sondern in Zukunft auch weiteren Tischlereien eine digitale Plattform bieten. „Veränderungen sind leise, schnell und nachhaltig“, erklärte sie und riet den Anwesenden, sich möglichst frühzeitig auf Wandel vorzubereiten.

Auch Alumna Milen Volkmar ist als Unternehmerin im eigenen Familienbetrieb tätig. Als ihr Vater 1990 den IT-Provider „Q-SOFT“ gründete, lagen Digitalisierung und Big Data noch in weiter Ferne. Volkmar widmet sich nun der Entwicklung und Vernetzung eines digitalen Assistenzsystems, dem „Q/M/S mediasystem“, das insbesondere älteren Menschen das  selbstbestimmtes Leben im eigenen Heim erleichtern soll. Das modulare und plattformübergreifende Bediensystem kann in jedem Haus mit Internetzugang an den Fernseher angeschlossen werden und bietet Funktionen wie eine Tablettenalarmierung, Kalenderfunktion oder einer automatischen Statusabfrage, um altersgerechtes Wohnen im Sinne des sogenannten AAL (Ambient Assitsted Living) zu ermöglichen. Sorgen bereitet Volkmar derzeit noch die fehlende Vernetzung und Kooperation der verschiedenen Akteure im AAL Markt.

Zum Abschluss des Nachmittags gewährte Alumnus Dr. Christian Coppeneur-Gülz Einblicke in sein Unternehmen „WWM Live Marketing Solutions“. Ursprünglich 1977 unter dem Namen Werbewerkstätten Monschau als Messebauunternehmen von seinem Vater gegründet, stand das Unternehmen Ende der 2000er-Jahre vor der Herausforderung, in der Dank Internet und Globalisierung schrumpfenden Messebaubranche, zukunftsfähig zu bleiben. Coppeneur-Gülz wagte ein Experiment und ging die Digitalisierung des Live-Marketings an. Zunächst digitalisierte er alle individuellen Grafiken, Druck- und Werbeerzeugnisse seiner Kunden und virtualisierte danach deren Messestände. Heute ist sein Unternehmen unter anderem in der Lage innerhalb von 48 Stunden komplette Messestände mit vorher stückzahlgenau bestellten Materialien zu liefern.

Zum Abschluss des Forum Mittelstandes stellte Prof. Dr. Fischer die laufende Forschungsarbeit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Melinda Jiang vor. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit entwickelt Jiang einen Lösungsansatz, um den aktuellen digitalen Entwicklungsstand kleiner und mittlerer Unternehmen zu beurteilen, und deren digitale Transformation individuell zu fördern. Den anwesenden Unternehmern bot sie eine Zusammenarbeit an, die auf reges Interesse stieß.

Das Forum Mittelstand an der WHU hat sich zum Ziel gesetzt, mittelständische Unternehmen, insbesondere aus der Region, in der die WHU - Otto Beisheim School of Management beheimatet ist, über neue wissenschaftliche Erkenntnisse kompetent zu informieren. Durch regelmäßige Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der IHK Koblenz möchte das Forum Mittelstand einen signifikanten Beitrag zur Wirtschafts- und Innovationskraft der Unternehmen leisten und den Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaftlern fördern.

Forum Mittelstand an der WHU

Julia Kasper

Forum Mittelstand an der WHU

Milen Volkmar

Christian Coppeneur-Gülz

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