Mittwoch, 07. September 2016

Fünf Fragen an die Gründer von JUNIQE

Marc Pohl, Sebastian Hasebrink, Lea Lange (v.l.n.r.) Quelle: JUNIQE

Die WHU-Alumni Sebastian Hasebrink und Marc Pohl (beide BSc Class of 2010) gründeten im Jahr 2013 das Start-up JUNIQE, einen Online-Shop für Kunst aus aller Welt. Die Idee von Sebastian, Marc und Mitgründerin Lea Lange: dem Mangel an bezahlbarer Kunst in Europas Wohnzimmern ein Ende zu setzen und jungen, talentierten Künstlern aus aller Welt eine Plattform zu bieten. Seit Januar 2014 ist JUNIQE online und bietet die Designs internationaler Künstler auf Wandbildern, Mode, Wohntextilien und anderen Produkten an.

Um ihre Idee in die Tat umzusetzen benötigten die jungen Gründer neben viel Schweiß und Herzblut natürlich auch eine solide finanzielle Basis. Erst im Juni 2016 beendeten sie erfolgreich eine große Finanzierungsrunde über 14 Millionen Euro für ihr Unternehmen JUNIQE. Im Interview erklären Sebastian und Marc, wie sie es geschafft haben, ihr Unternehmen zu finanzieren:

 

Als junges Start-up ist man zunächst weitestgehend unbekannt. Wie findet man geeignete Investoren und wie entstehen überhaupt erste Kontakte?

Wir haben zu Beginn viele Business Angels aus unserem Berliner Umfeld und dem WHU-Netzwerk direkt angeschrieben. Das Netzwerk entwickelt sich dann automatisch weiter, indem man mit relevanten Leuten spricht, in Kontakt bleibt und sich weiterempfehlen lässt. Zusätzlich zu potenziellen Business Angels haben wir außerdem unsere bestehenden Kontakte zu anderen Gründern genutzt. Von anderen eine Empfehlung („Intro“) zu potenziellen Business Angels oder Investoren zu bekommen, die man selbst nicht kennt, ist Gold wert. Kaltakquise hilft nicht. Es geht immer darum, wer wen kennt! Letztlich war es in unserem Fall dann eine Mischung aus Friends & Family Money und zwei Business Angels, mit denen wir JUNIQE gestartet haben.

Üblicherweise durchlaufen Start-ups mehrere Finanzierungsrunden. Wie kann man sich den Ablauf eines solchen Finanzierungsprozesses vorstellen?

Das Wichtigste ist: Viel Zeit einplanen und frühzeitig mit der Planung anfangen. Wir sind immer bereits weit im Vorfeld auf Investoren zugegangen, um den ersten Kontakt herzustellen und ihnen unser Geschäft grundsätzlich näherzubringen – im Normalfall merkt man schnell, ob der Investor an den Markt, das Modell und das Team glaubt. So ist es dann einfacher, eine Shortlist an Investoren zusammenzustellen, die für uns unmittelbar relevant waren und auf die wir uns fokussieren konnten – je besser wir den Investor da schon kannten, desto tiefer konnten wir in die Details einsteigen.

Im Laufe der Zeit (das können bis zu sechs Monate sein!) steigen immer mehr Investoren aus – die Geschäftsplanung, der Zeitpunkt, die Ticketgröße oder die Bewertungsvorstellungen stimmen nicht – und man steht noch mit zwei, drei echt Interessierten da. Wenn man dann Einigkeit über die grundsätzlichen Terms (Bewertung, Rundengröße, usw.) herstellen kann, unterzeichnet man mit dem Investor ein Termsheet, das in der Regel exklusiv ist. In der letzten Phase wird meist an zwei Fronten parallel gearbeitet – einerseits der Due Diligence und andererseits dem neuen Gesellschaftsvertrag.

Als letzter Schritt steht dann ein mehrstündiger Notartermin an, auf den man am Ende hoffentlich anstoßen kann!

Sicherlich ist es verführerisch, vermeintlich außergewöhnlich gute Angebote anzunehmen. Woran erkennt man einen seriösen Investor und was können Gründer von Investoren neben finanziellen Mitteln erwarten?

Die rein finanzielle Komponente des Angebots spielt natürlich eine Rolle. Das Renommee, die Marke des Investors, sollte man aber auch nicht vergessen. Zum einen färbt es positiv auf dein Unternehmen ab und zum anderen haben große, bekannte Investoren ein beeindruckendes Netzwerk, das dabei hilft, zukünftige Finanzierungsrunden auf die Beine zu stellen.

Wenn man sich überlegt, welche Investoren man an Bord holt, ist aber sicherlich auch die Frage wichtig, wie die Zusammenarbeit mit dem Investor aussähe - da hat sicher jeder andere persönliche Präferenzen. Glücklicherweise kannten wir oft andere Gründer, die schon Erfahrungen mit den Investoren hatten und bei denen wir uns somit eine Meinung einholen konnten. Ganz besonders wichtig war es für uns, dass ein Investor uns Gründer unser Ding machen lässt, uns vertraut. Wir haben schließlich gegründet, um unsere eigenen Entscheidungen zu fällen und umzusetzen. Gleichzeitig haben wir schon sehr genau geschaut, ob ein Investor sich in unserem Markt auskennt und wertvolle Ratschläge geben kann. All diese Komponenten ergeben dann ein Gesamtbild, anhand dessen wir uns entschieden haben, mit wem wir arbeiten wollen.

JUNIQE ist ein Kunst-Start-up, ihr handelt mit den Werken jünger Künstler. Eure bisherigen Kapitalgeber stammen aber nicht aus dem Kunstsektor. Wie relevant ist ein gemeinsamer Background für Unternehmen und Investoren?

Für uns war es immer wichtig, dass wir Investoren für uns gewinnen, die durch ihr Netzwerk und ihre Erfahrungen in dem Markt, in dem wir uns bewegen, Mehrwert für uns leisten können. Es stimmt, aus dem Kunstmarkt haben wir niemanden. Allerdings haben wir trotzdem Investoren an Bord, die inhaltlich sehr relevant für uns sind; zwei Beispiele: CEWE ist einer der größten Drucker in Europa und kennt so die Produktionsseite des Geschäfts sehr genau. Auf der anderen Seite konnten wir mit Highland Capital Partners Europe einen Investor für uns gewinnen, der mit „Photobox“ ein On-Demand-Fotounternehmen erfolgreich bis hin zum Exit begleitet hat.

Letztendlich ist es aber auch sehr selten, dass ein Investor in diesem Sinne ein total gewiefter Marktexperte ist. Schließlich erschließen Startups oftmals erst neue Märkte. Viel wichtiger ist es, dass ein Investor bereits bewiesen hat, bei der Skalierung von vergleichbaren Modellen, beispielsweise im eCommerce-Bereich, erfolgreich zu sein.

Welche drei Tipps würdet ihr anderen Start-ups bezüglich Investoren und Finanzierungsrunden geben?

1. Beginnt früh mit der Investorenansprache, sodass ihr Zeit habt, eine Beziehung aufzubauen. Lernt Investoren zu einem Zeitpunkt kennen, an dem ihr noch nichts von ihnen „braucht“. Steht ihr beim Erstkontakt schon unter Zeitdruck, wirkt sich dies negativ auf eure Verhandlungsposition aus. Wenn der Moment gekommen ist, an dem ihr beginnt, euch voll auf das Fundraising zu konzentrieren, seid ihr dann schon sehr viel weiter.

2. Verliert nicht die Nerven, selbst wenn es nach hinten raus knapp wird. Sobald die erste Zusage kommt, setzt bei Investoren oft „FOMO“ ein (Fear of Missing Out). Das macht es umso wichtiger, möglichst früh einen Ankerinvestor zu finden. Ihr werdet merken, wie das euren Pitch gegenüber weiteren Geldgebern deutlich verstärkt!

3. Tretet selbstbewusst auf und gebt die Kontrolle in der letzten Phase niemals aus der Hand. Seid ihr einmal so weit, über Termsheets und konkrete Konditionen zu verhandeln, müsst ihr verschiedene Interessen jonglieren und eure eigenen bestmöglich durchsetzen. Für Investoren gehören solche Situationen zum Tagesgeschäft, ihr erlebt sie vielleicht zum ersten Mal. Holt euch gute Berater zur Seite und bleibt definitiv immer im „Driver’s Seat“.

Quelle: JUNIQE

Marc Pohl, Lea Lange, Sebastian Hasebrink (v.l.n.r.) Quelle: JUNIQE

Quelle: JUNIQE