Dienstag, 30. April 2019

Fünf Fragen an KHAMAMA

WHU-Student Amos Hornstein spricht im Interview über sein Start-up KHAMAMA

Zigarrenhumidor (Fotos: KHAMAMA)

Inspiriert durch britische Juweliere im viktorianischen Zeitalter, die erstmals echte Schmetterlingsflügel in Schmuck einarbeiteten, gründete Amos Hornstein, Student der WHU - Otto Beisheim School of Management, zusammen mit seinen Brüdern Nathan und Simon (beide WHU-Alumni), 2016 das Start-up KHAMAMA. Im Rahmen ihres Unternehmens fertigen sie Luxusprodukte wie Uhren, maßgefertigte Schmucktruhen und Zigarrenhumidore. Diese verzieren sie mit Hilfe eines Verfahrens mit echten Schmetterlingsflügeln, welches die Brüder selbst entwickelt haben.

Worauf muss man am Anfang einer Unternehmensgründung achten und was war die größte Hürde für euch?
Am Anfang ist es ganz wichtig, darauf bedacht zu sein, dass man sich nicht zu lange mit organisatorischen Dingen aufhält. Beispielsweise kann man in Großbritannien die rechtliche Unternehmensform "Limited" innerhalb von 15 Minuten online gründen. Das ist sehr angenehm. Außerdem sollte man sich mit dem Markt des Produkts und der Industrie, in der die Gründung erfolgt, vertraut machen.
Vor allem in der Luxuswelt ist es besonders wichtig, persönliche Kontakte aufzubauen. So ist der Zusammenschluss mit Experten essentiell, um das richtige Knowhow zu bekommen. Gleichzeitig sollte man auch jede Chance nutzen, Beziehungen zu möglichen Geschäftspartnern aufzubauen, auch wenn das mit einem Kosten- und Zeitaufwand verbunden ist.
Unsere größte Hürde beim Aufbau von KHAMAMA war die Herstellung eines Produkts, das perfekt auf den Markt passt und das die höchsten Anforderungen von Luxuskunden erfüllt, also die Realisierung des sogenannten Product-Market-Matchs. Um dies zu erreichen, war es sehr wichtig, die Kunden und ihre Bedürfnisse zu kennen.

Wie lässt sich das Masterstudium an der WHU mit einem eigenen Start-up vereinbaren?
Da ich KHAMAMA nach meinem Bachelorabschluss 2016 mit meinem älteren Bruder gegründet und von 2016 bis 2018 in Vollzeit im Unternehmen gearbeitet habe, konnte ich mich am Anfang der Gründungsphase vollkommen auf mein Unternehmen fokussieren.
Allgemein macht es mir unglaublich viel Spaß, mich in die deutsche Start-up-Szene einzufinden. Durch meinen Master in Entrepreneurship (MiE), den ich im Herbst 2018 begann, und vor allem durch die Kurse, die mit Prof. Dr. Hienerth und Prof. Dr. Brettel in Berlin stattfanden, habe ich viele weitere Einblicke in die Start-up-Landschaft in Deutschland bekommen. Wenn ich an der WHU bin, bringt mich das auch auf Geschwindigkeit, weil alle hier sehr schnell und sehr viel arbeiten. Und dadurch, dass mein mittlerer Bruder in England geblieben ist und dort weiterhin in Vollzeit arbeitet, fliege ich ein bis zwei Mal im Monat nach Manchester, wo unser Unternehmen ist. Das ist schon anstrengend und deswegen bin ich froh, dass ich meine Masterarbeit nun in England schreiben kann.

Wie wichtig sind aus deiner Sicht ethische Maßstäbe und die Festlegung weiterer Unternehmenswerte für den Erfolg eines Unternehmens?
Speziell auf dem Luxusmarkt sind Perfektion, Authentizität und Ethik das Wichtigste. Bei unseren Boxen, die im vier- bis fünfstelligen Preissegment angesiedelt sind, muss jedes kleine Detail zu 100 Prozent perfekt sein. Auf Nachhaltigkeit und eine artgerechte Haltung der Schmetterlinge legen wir aber ebenso viel Wert. So bekommen wir die Schmetterlinge von den Schmetterlingsfarmen erst dann, wenn sie auf natürliche Weise gestorben sind. Obwohl die meisten Luxuskunden die Exotik und Exklusivität unserer Produkte am meisten schätzen, wird der Aspekt der Nachhaltigkeit besonders in der Zukunft immer bedeutender für diese Zielgruppe.

Welche Strategien verfolgt ihr bei der Finanzierung eures Start-ups?
Zuerst wollten wir uns ganz klassisch Investoren suchen. Jedoch konnte sich keiner der Investoren vorstellen, welche Farben die Flügel auf den Produkten haben und wie schillernd diese Farben sein können. Für unsere Uhren haben wir 2017 auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, jedoch erwies sich diese Finanzierungsart als ungeeignet für ein Luxusprodukt.
Da wir aber von unserer Idee, Produkte mit Schmetterlingsflügeln anzufertigen, und davon, dass man diese Idee auch auf eine sehr ästhetische Weise umsetzen kann, so überzeugt waren, stellten wir einen Plan auf, uns selbst zu finanzieren, und starteten ganz klein. Auf diese Weise finanzieren wir uns bis heute, weswegen wir mit unserem Budget wahrscheinlich viel bewusster umgehen als andere Unternehmer.

Du hast KHAMAMA 2015 gemeinsam mit deinen Brüdern gegründet. Worauf kommt es deiner Ansicht nach an, wenn man mit Freunden oder sogar mit Geschwistern gründen will?
Im Moment arbeiten hauptsächlich mein mittlerer Bruder und ich im Unternehmen und mein ältester Bruder ist unser Investor. Der ganz große Vorteil ist, dass man sich 100-prozentig vertrauen kann, sich und die Mitgründer als Geschwister absolut kennt und man sich sicher sein kann, dass man auch nach jeder Unstimmigkeit wieder zusammenkommt.
Die Herausforderung ist, noch Privatmensch zu bleiben. Ich wohne und arbeite mit meinem Bruder zusammen, wir sehen jeden Tag auf der Arbeit und auch an Feiertagen. Da ist es schwierig das Thema Arbeit auch mal an einem freien Tag nicht zu erwähnen. Andererseits hat das auch Vorteile: Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Brüdern und liebe es, unser Unternehmen voranzubringen - das fühlt sich dann auch oft nicht nach "Arbeit" an, weil es so viel Spaß macht!

Amos Hornstein, WHU-Student und Gründer von KHAMAMA

KHAMAMA-Uhren

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