Montag, 09. Oktober 2017

"Jeder kann der nächste große Gründer sein"

Das IdeaLab! 2017 lockte junge Gründer aus ganz Europa an die WHU

Am 6. und 7. Oktober kamen beim Idealab! 2017 an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar junge Gründer aus ganz Europa zusammen. Die jährlich von Studierenden der WHU eigenständig organisierte Konferenz lockte auch in diesem Jahr mit einer Reihe an bekannten Rednern und Workshops attraktiver Arbeitgeber und Investoren wie Amazon und Axel Springer. Rocket Internet-Gründer Oliver Samwer eröffnete als einer der bekanntesten Absolventen der WHU die Veranstaltung mit einem Plädoyer für mehr Gründermut. „Euer Sitznachbar könnte einer der größten Gründer der Zukunft sein!“, motivierte Samwer das Publikum. Gründen, so der Internetpionier, sei zwar harte Arbeit, aber mit der richtigen Motivation und Disziplin könne es jeder schaffen. Das Internet sei der entscheidende Vorteil der heutigen Gründer. „Egal wie groß eine Firma ist, egal wie etabliert: Sie alle können scheitern“, erklärte Samwer in Hinsicht auf die so genannte Disruption alteingesessener Unternehmen durch hauptsächlich über das Internet agierende Firmen wie Google oder Zalando. So seien Amazon und Alibaba bereits jetzt auf dem besten Wege, das klassische Bankgeschäft abzulösen. Ein weiterer WHU-Absolvent, Roman Kirsch, hatte in seinem Vortrag einige handfeste Tipps für die jungen Gründer im Gepäck. „Wartet nicht, bis alles perfekt ist“, erklärte er, „und ruht euch nie auf eurem Erfolg aus.“ Kirsch weiß, wie es funktioniert. Im Jahr 2016 wurde er vom amerikanischen Magazin „Forbes“ unter die „30 under 30“ gewählt, die 30 weltweit erfolgreichsten Gründer unter 30 Jahren. Entscheidend, so Kirsch, sei vor allem auch ein gutes Netzwerk. „Es lohnt sich frühzeitig in Beziehungen mit Investoren und anderen Gründern Zeit zu investieren – und das nicht erst, wenn ihr auf diese angewiesen seid. Niemand gibt dir Geld, wenn er dich einmal auf einer Party gesehen hat.“

Neben Oliver Samwer sorgte noch ein weiterer Gründerstar dafür, dass der größte Hörsaal der WHU aus allen Nähten platzte. Der Mitbegründer und Geschäftsführer von Freigeist Capital, Frank Thelen, ist einem Millionenpublikum aus der Fernsehserie „Die Höhle der Löwen“ bekannt. „Mit dieser Show will ich das Vertrauen der Deutschen in Startups stärken“, erklärte Thelen. Deutschland habe bereits eine Menge international sehr erfolgreicher oder vielversprechender Firmengründungen hervorgebracht. Dennoch werde die Szene – anders als in den USA und Israel – noch immer mit Skepsis betrachtet. „Als ich mit 16 mein erstes Unternehmen gründete, war ein Startup für die meisten Menschen nicht viel mehr als eine Alternative zu Hartz IV“, verriet Thelen mit einem Augenzwinkern. Die „Höhle der Löwen“ helfe dabei, das Image von Gründern in Deutschland zu verbessern. Thelen ist mittlerweile nicht nur Seriengründer sondern auch erfolgreicher Investor und Business Angel. Auch er appellierte wie Samwer an die jungen Gründer ihr Potential zu nutzen und dabei auf moderne Technologien zu setzen. In Zukunft, so Thelen, sei kaum etwas so wichtig, wie ein Grundverständnis für Programmierung: „Ihr müsst keine Profis sein, aber jeder, der erfolgreich sein will, muss wissen, wie „Coden“ funktioniert.“ In 20 bis 30 Jahren würde ein Großteil der vorhandenen Jobs von Computern übernommen. „Viele Arbeitsplätze werden dadurch wegfallen, da dürfen wir uns nichts vormachen“, erklärte Thelen, „deshalb ist es wichtig, wie wir als Gesellschaft mit dieser Entwicklung umgehen. Wir müssen dringend lernen, dass der Wert eines Menschen sich nicht dadurch definiert, ob er einen Job hat!“ Diese Zukunft könnte beispielsweise so aussehen, dass diejenigen, deren Arbeitsplätze durch moderne Technologien wegfallen, eine Aufgabe für die Gemeinschaft oder im kulturellen Bereich übernehmen. Er glaube fest daran, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen zu einer erfolgreichen Zukunft gehöre. Wichtig sei, dass die Politik aus ihrer Schockstarre erwache und sich auf die kommenden Entwicklungen einstelle.