Dienstag, 08. August 2017

Praktikum bei TSG Hoffenheim

Lennard Klein ist Masterstudent an der WHU (Class of 2018) und hat im Rahmen des vom Center for Sports and Management um Prof. Sascha L. Schmidt organisierten Praktikantenprogramms mit Clubs der Fußball-Bundesliga, drei Monate beim Champions-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim verbracht. Im Interview mit whu.edu spricht er über seine Erfahrungen und gibt zukünftigen Interessenten Tipps.

Lennard, warum haben Sie sich für die Teilnahme am Praktikantenprogramm des CSM entschieden?

Lennard Klein: Mich hat es schon immer unglaublich gereizt, die Verbindung zwischen Sport und Wirtschaft, zwischen Bundesliga-Club und Management, hautnah zu erfahren. Gerade im Fußball und in der Bundesliga ist es extrem schwer, den passenden Einstieg zu finden. Bundesligisten gelten als „Closed Shops“. Dort ohne „Vitamin B“ die Möglichkeit eines Praktikums oder einer Hospitanz zu ergattern, ist fast aussichtslos. Als ich vom Praktikantenprogramm des CSM gehört habe, war mir klar, dass ich diese Chance ergreifen muss, um das Sport Business besser kennenzulernen und mir dort eine Tür zu öffnen.

Wie kam es dazu, dass Sie zur TSG Hoffenheim gegangen sind? Was macht die TSG Hoffenheim im Vergleich zu anderen Clubs aus?

Klein: Auch wenn meine Fansympathien bei einem anderen Verein liegen, fand ich das Modell TSG Hoffenheim sehr interessant. Wer sich näher mit den Themen Innovation und Digitalisierung im Bereich Fußball beschäftigt, wird schnell merken, dass die TSG hier nicht nur in Deutschland zu den führenden Clubs gehört. Es ist beeindruckend zu sehen, wie professionell ein Fußball-Club mit Themen wie der digitalen Datenanalyse oder Business Intelligence umgehen, und diese mehrwertbringend im Kerngeschäft Fußball implementieren kann. Dazu kam, dass die TSG ein sehr spannendes Projekt ausgeschrieben hatte.

Mit welchen Aufgaben hat man Sie denn während Ihres Praktikums genau betraut?

Klein: Innovation und Digitalisierung ist nur ein Bereich von vielen, in dem sich die TSG in den letzten Jahren deutlich verändert hat. Das hat Auswirkungen auf den gesamten Club, insbesondere auf die Nachwuchsarbeit. Das Nachwuchsleistungszentrum der TSG besitzt seit mehreren Jahren ein eigenes Kooperationsnetzwerk, in dem sich die Anforderungen der Partner in den letzten Jahren sehr verändert haben. Hier bestand große Dringlichkeit, das aktuelle Konzept zu prüfen. Meine Aufgabe war es deshalb, das Kooperationsnetzwerk strategisch, ökonomisch und organisatorisch zu evaluieren, den Mehrwert zu testen und basierend darauf eine zukunftsorientierte Strategie neu zu entwickeln. Es war also im Grunde ein klassisches Strategie-Beratungsprojekt, allerdings im Setting eines Bundesliga-Clubs.

Was war die größte Herausforderung dabei?

Klein: Ich habe von Anfang an die komplette Verantwortung über das Projekt bekommen, mit dem Ziel, eine klare und zukunftsorientiere Strategie zu präsentieren. Es lag also allein an mir, das Projekt nach vorne zu treiben. Dies hat mich gerade am Anfang vor große Herausforderungen gestellt, da ich ja erstmal den Club TSG mit seinen Mitarbeitern und Strukturen kennenlernen musste. Durch mehrere interne und externe Interviews habe ich mit vielen Leuten gesprochen und konnte mir einen Überblick verschaffen. Herausfordernd war es auch, ein Benchmarking zu anderen Bundesligisten durchzuführen. Der positive Nebeneffekt: So habe ich auch Einblick in andere Bundesliga-Clubs erhalten.

Wie ist es, in einem Bundesliga-Club zu arbeiten? Inwiefern unterscheidet sich das Praktikum bei einem Fußball-Club, von dem in einem anderen Unternehmen?

Klein: Das Arbeitsumfeld ist extrem spannend. Als Fußball-Fan sieht man immer nur den sportlichen Bereich und selten das Drumherum. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Leidenschaft die Leute auch abseits des Platzes bei der Arbeit sind. Gerade in der Praktikums-Organisation bestehen zwischen Fußball-Club und Industriefirmen oder Unternehmensberatungen, in denen ich auch schon Erfahrungen sammeln durfte, aber sehr große Unterschiede. Ich musste beispielsweise viele organisatorische Dinge in Eigenregie regeln, die anderswo von der Personalabteilung oder Praktikums-Betreuern übernommen werden. Das kann aber auch Vorteile haben. Irgendwie hat es sich für mich zeitweise ein bisschen angefühlt, wie in einem Start-Up, wo auch Flexibilität und Eigeninitiative gefragt sind.

Sie stehen jetzt kurz vor dem Ende des Praktikums. Woran denken Sie besonders gerne zurück?

Klein: Die Zwischenpräsentation durfte ich vor mehreren TSG Mitarbeitern in der „Dietmar Hopp Lounge“ im Stadion halten. Das war natürlich ein sehr spezieller Ort, an dem es noch mehr Spaß gemacht hat, die ersten Ergebnisse der Analyse zu präsentieren.

Können Sie sich vorstellen, nach ihrem Studium in einem Profifußball- oder Profisportclub zu arbeiten?

Klein: Absolut! Die Kombination aus durchaus anspruchsvollen Management Aufgaben, zum Beispiel in der Internationalisierung oder Digitalisierung, und einer unglaublich spannenden Wachstumsindustrie machen Profifußball-Clubs für mich zu einem sehr attraktiven Arbeitsplatz.

Was empfehlen Sie zukünftigen Generationen von Studenten, die sich beim Praktikantenprogramm bewerben möchten?

Klein: Ein Grundinteresse an der Sportindustrie und eine gewisse Leidenschaft zum Fußball sollte vorhanden sein. Wenn das passt, und wenn man die Arbeit eines Profivereins neben dem Platz kennen lernen möchte, ist das CSM-Praktikantenprogramm eine Chance, die man unbedingt nutzen sollte. Es lohnt sich!