Montag, 25. März 2019

"Private Equity muss kreativ sein"

„Höhere Volumen, weniger Transaktionen - Wie kann man sich in einem gesättigten Markt von der Masse abheben?“ Unter diesem Motto stand die diesjährige WHU Private Equity Conference, kurz PEC. 120 internationale Studenten und Professionals trafen sich hierzu vergangene Woche für zwei Tage auf dem Campus der WHU – Otto Beisheim School of Management, um während verschiedener Workshops und diversen Vorträgen über die Zukunft von Private Equity zu diskutieren.

Dr. Burkhard Varnholt, Credit Suisse

Nachdem Dr. Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer von Credit Suisse, als erster Redner seinen Vortrag mit den Worten „Don’t follow the Money“ eröffnete, schlossen sich ihm zahlreiche Redner an, die ebenfalls den Begriff Passion in den Vordergrund stellten. Darunter auch Jörg Metzner, Direktor im Private Equity Team von KKRs Londoner Büro, der in seiner Rede Investitionen in den Bereichen Freizeit, Hotellerie, und Reisen vorstellte. In Zeiten, in denen nicht länger physische Produkte, sondern viel mehr Erlebnisse als Statussymbole gelten, würden solche Industriezweige immer wichtiger und umsatzstärker werden. Aufgrund hoher Regularien und verhältnismäßig kleiner Margen sei die Attraktivität dieser Branchen für Investoren jedoch weiterhin eher gering, weshalb Investitionen oftmals asublieben. „Private Equity muss seine Grenzen verschieben, um weiterhin ertragreich zu bleiben“, erläutert Metzner. Die Freizeitindustrie sei in einem gesättigten Markt wie heute ein gutes Beispiel dafür und hätte noch einen ganz anderen Vorteil: Man mache Menschen glücklich. In diesem Zusammenhang merkt Metzner jedoch auch an, dass man nicht die Verantwortung vergessen dürfe, die man bei Private Equity Transaktionen habe.  

Verantwortung war auch das, was das Publikum während der Podiumsdiskussion zum Thema „Chinesisches Private Equity - Wie chinesische Investitionen Europa verändern“ besonders beschäftigt hat. Nachdem ein Teilnehmer nach den Fadenziehern im Hintergrund chinesischer Transaktionen frug, gestand Markus Mentz, Partner bei Oliver Wyman, dass es für sein Team häufig fast unmöglich zu erkennen sei, wer der tatsächliche Entscheider hinter chinesischen Investitionen ist. Durch Trumps America-First-Politik würde Deutschland immer weiter in den Fokus chinesischer Investoren rücken und sei nach der UK bereits auf Platz zwei chinesischer Direktinvestitionen in Europa, ergänzte Daniel Koller, Geschäftsführer bei Ginko Tree Advisors. Die steigende Anzahl chinesischer Transaktionen läge nicht nur daran, dass Chinesen im Schnitt 10-20% mehr zahlen würden als westliche Investoren, sondern vor allem auch daran, dass sie mit sehr guten Chancen auf dem chinesischen Markt und ihrem großen Netzwerk argumentieren könnten. Auch wenn wir häufig nicht wüssten, wo das Geld herkommt, berichtet Michael Drill, deutscher Geschäftsführer von Lincoln International, dürfen wir nicht vergessen, dass Deutsche im vergangenen Jahrzehnt mehr als fünfmal so viel in China investiert haben als umgekehrt.  

Selbst wenn die absolute Zahl an Private Equity Transaktionen seit 2014 weltweit rückläufig ist, stehen die Aussichten für die Branche gut. Dieser Aussage schließt sich auch Tobias Eichner, Partner im Private Equity Bereich bei McKinsey, an und fügt hinzu: „Private Equity muss kreativ bleiben, um weiterhin Bestand zu haben.“ 

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