Montag, 21. November 2016

Unternehmernachmittag „Forum Mittelstand“

Dr. Andreas Fromm

Der Abschied vom aktiven Berufsleben und die damit verbundenen Veränderungen stellen sowohl den scheidenden Mitarbeiter als auch das betroffene Unternehmen vor vielfältige Herausforderung. Die Nachfolge ranghoher Mitarbeiter optimal zu gestalten, bedarf eines langen Atems und sorgfältiger Planung. Geht es dabei um die Nachfolge in kleinen oder mittelständischen Betrieben, so ist der Abschied vom Chefsessel meist auch ein emotionaler Abschied. Wer die eigene Firma verkauft oder an den Nachwuchs übergibt, blickt automatisch auf sein eigenes Lebenswerk zurück.

Da sich die Sicherung des Lebenswerks sowie die Nachfolgeregelungen innerhalb und außerhalb der Unternehmerfamilie ändern und das Erbschaftssteuerrecht derzeit neu geregelt wird, punktete das zweite Forum Mittelstand des Jahres 2016 am 10. November mit dem Thema „Lebenswerk sichern! Aktueller Handlungsbedarf bei Finanzen, Recht und Steuern“ mit Aktualität. Die erneut hohe Teilnehmerzahl sprach dabei auch klar für die hohe praktische Relevanz des gewählten Themas.

Nach der Begrüßung durch die Organisatoren Prof. Dr. Christina Günther, Inhaberin des IHK-Lehrstuhls für kleine und mittlere Unternehmen an der WHU und Ralf Lawaczek, Geschäftsführer der IHK Koblenz, begeisterte Dr. Andreas Fromm, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater, die rund 50 anwesenden Mittelständler aus der Region mit seinem Vortrag über Eckpunkte für die strategische Planung für die familieninterne sowie die familienexterne Nachfolge in den Bereichen Finanzen, Recht und Steuern. Dabei gelang es Fromm, ein komplexes, diverse Handlungsfelder umspannendes Thema lebensnah und verständlich aufzubereiten. Anhand von teils amüsanten, teils überraschenden Fällen aus der Praxis verwies er auf potenzielle Fallstricke und gab konkrete Tipps und Tricks zur Vermeidung häufiger und vermeidbarer, im Einzelfall jedoch oft katastrophaler Planungsfehler. Zu oft gebe es in der Nachfolgeplanung eine „Scheingenauigkeit“. Der Eindruck, alles sei gut geregelt, entstehe meist aus einer zu detaillierten Planung, bei der das Gesamtbild aus dem Auge verloren gegangen sei. Mit Hilfe einer selbstentwickelten Nachfolgematrix beleuchtete Fromm die Nachfolgeplanung systematisch im Hinblick auf alle relevanten Themen, darunter neben offensichtlichen Bereichen wie der betriebswirtschaftlichen Analyse und dem Erbrecht auch nicht zu vernachlässigende Faktoren wie Emotion und Psychologie.

Auch Diplom-Kaufmann Thomas Paul von der Kanzlei für Vermögensmanagement Böcker & Paul AG, warnte vor zu viel Sorglosigkeit bei der Nachfolgeplanung. Die unter Unternehmern verbreitete Annahme „Mein Unternehmen ist meine Altersvorsorge!“ sei oft zu wenig durchdacht. Am Musterbeispiel einer durchschnittlichen Unternehmerfamilie zeigte er eindrucksvoll auf, wie sich bestehendes Vermögen nach Renteneintritt in verschiedenen Szenarien entwickeln kann. Dabei betrachtete er sowohl die familieninterne wie auch die familienexterne Übernahme sowie einen Verkauf des Unternehmens. Den anwesenden Unternehmern riet er dazu, die Ruhe zu bewahren und sich frühzeitig ein Gesamtbild der Sachlage in der eigenen Firma zu machen. Als häufigste Versäumnisse deutscher Unternehmer in der Nachfolge- und Ruhestandsplanung nannte er eine zu geringe private Vermögensbildung, unzureichende vertragliche Gestaltung und eine falsche Vorbereitung der eigentlichen Übernahme.

Im Anschluss diskutieren Hans-Jörg Platz, Geschäftsführender Gesellschafter der Hunsrück Sondertransport GmbH und Dr. Antje Eckel, Geschäftsführende Gesellschafterin der Dr. Eckel Animal Nutrition GmbH & Co. KG beim traditionellen Programmpunkt „Unternehmer im Dialog“ mit den Teilnehmern über Nachfolgeüberlegungen in den eigenen Unternehmen.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet im Frühjahr 2017 statt.

Teilnehmer des Forum Mittelstand

Prof. Dr. Christina Günther

Teilnehmer des Forum Mittelstand

Thomas Paul

Teilnehmer des Forum Mittelstand

Dr. Antje Eckel

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