Donnerstag, 19. April 2018

Vorhang auf für die „Studentische Bühne“

Studierende begeistern mit ihrer neuesten Inszenierung „Die Kaktusblüte“

Schon seit 1989 begeistern die Inszenierungen der Studentischen Bühne der WHU in jedem Jahr aufs Neue das Publikum.

Licht aus, Spot an: Seit 1989 schlüpfen Studierende der WHU regelmäßig hinaus aus Business-Sakko und Kostüm und hinein in Rollen fernab des Wirtschaftswissenschaftsstudiums. Im Rampenlicht der „Studentischen Bühne“ – einer der 31 Initiativen der Hochschüler – haben die Laienschauspieler der WHU auch mit ihrer jüngsten Inszenierung, „Die Kaktusblüte“ von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy, wieder bewiesen, dass sie keine „überfokussierten Akademiker sind“ und „über den wirtschaftlichen Tellerrand hinausschauen“, wie es Regisseur Till Wicher ausdrückt. Wicher studiert an der Vallendarer Hochschule im vierten Master-Semester. Seit 2016 engagiert er sich in der Theatergruppe. Warum? „Gerade im Hinblick auf die stressige Studienzeit, ist es ein motivierender Ausgleich, im Rampenlicht zu stehen und in eine andere Rolle zu schlüpfen“, sagt der 23-Jährige – und ergänzt: „Uns bereitet das Theater Freude!“

Auch Sebastian Schwärzler, der im vierten Semester Master in Management studiert, berichtet von den positiven Effekten der studentischen Bühne auf seine eigene Persönlichkeits- und Charakterbildung. „Ich habe unter anderem gelernt, meine Zeit besser einzuteilen und Prioritäten zu setzen“, offenbart Schwärzler, der in der aktuellen Inszenierung „Die Kaktusblüte“ in die Rolle von Lebemann und Gebrauchtwagenverkäufer Norbert geschlüpft ist.  Dabei hat der Amateurschauspieler zufällig zum Theater gefunden: „Ich habe einige Aufführungen gesehen und wollte es selbst einmal ausprobieren. Im Berufsleben bleibt mir dafür wohl keine Zeit mehr.“ Gleichzeitig, so betont Regisseur Wicher, werde durch das studentische Engagement das Verhältnis zwischen WHU und der Vallendarer Bevölkerung gestärkt.  Denn: Die Vorstellungen sind öffentlich. Jeder ist als Zuschauer willkommen. Ein Angebot, das von der Öffentlichkeit gerne angenommen wird, wie Wicher weiter berichtet. Die Resonanz sei gut: „Die Vallendarer sind jedes Mal von unseren Aufführungen begeistert.“

Das war schon bei den allerersten Inszenierungen so, die auf eine Initiative von Philipp Burgtorf zurückgehen. Der WHU-Absolvent von 1993 gehörte zu einem der ersten Jahrgänge der privaten Hochschule und hatte während eines Auslandsjahres Schauspiel- und Regieunterricht erhalten. Zurück in Vallendar gründete er die Theatergruppe. In den Folgejahren führten die Studenten nicht nur Stücke von Sartre, Camus, Dürrenmatt oder Shakespeare auf, sondern auch einige Komödien, unter anderem von Arnold/Bach und Simons.

Die Vallendarer sind jedes Mal aufs Neue überrascht, mit welcher Professionalität und welchem Enthusiasmus, aber auch mit wie viel Liebe zum Detail die WHUler ihre Theaterproduktionen auf die Beine stellen. Auch über die engeren Stadtgrenzen hinaus genießt die „Studentische Bühne“ einen fabelhaften Ruf. So hat etwa Erich Glöckner vom Niederwerth die Vorstellungen bereits öfter besucht. Schon seit Angela Merkel bei Schröders Ablösung zu Besuch an der WHU war, besucht der kulturinteressierte Rentner die Veranstaltungen der Hochschule, wie der 68-Jährige verrät: „Mir hat die Studentische Bühne schon mehrmals gut gefallen. Es ist schön, dass man als Bürger erfährt, was an dieser Universität so alles vor sich geht“, lobt der Insulaner. Es sei wichtig, dass der Kontakt zwischen den Hochschülern und ihren Mitbürgern erhalten bleibt. „Es wäre ja traurig, wenn die Studenten nichts als ihre Universität kennen würden, deshalb kann es ruhig bunt gemischt sein“, meint Glöckner, der hinzufügt: „Die gegenseitige Akzeptanz und Achtung ist ein bedeutender Faktor im Zusammenleben zwischen WHU und den Mitbürgern. In anderen Studentenstädten wie Köln und Bonn sehe ich oft eine bunte Mischung zwischen Studenten und Einwohnern. Das sollte man hier auf jeden Fall auch beibehalten und fördern."