Mittwoch, 11. Januar 2017

WHU-Alumnus in der Forbes „30 Under 30“-Liste

Bereits seit Jahren ehrt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes einflussreiche junge Menschen unter 30 Jahren mit der Aufnahme in seine „30 under 30“ Listen. In der diesjährigen Ausgabe wurde WHU-Alumnus Dominik Stein in der Kategorie Food & Drink aufgenommen. 2011 gründete er gemeinsam mit Michael Heyne (der mit 31 Jahren leider die Kriterien für die Forbes-Liste nicht mehr erfüllt) die erfolgreiche Restaurantkette VERTS Mediterranean Grill (früher Vertskebap) in den USA.

Im letzten Jahr beantworteten die beiden Gründer ihrer Alma Mater fünf Fragen über die Höhen und Tiefen des Gründerlebens, die Bedeutung der richtigen Businessidee und die Unterschiede zwischen den Märkten in Deutschland und den USA.

Fünf Fragen an Dominik Stein und Michael Heyne, Gründer von VertsKebap

Welche Herausforderungen musstet Ihr bei der Firmengründung in den USA meistern?

Wir mussten uns den gleichen Herausforderungen stellen, denen alle anderen Gründer gegenüber stehen. Dazu gehören unter anderem die Ausarbeitung eines sauberen Konzepts und Businessplans mit der notwendigen Markt- und Konsumentenrecherche, die Finanzierung der initialen Restaurants, die Zusammenstellung des Teams in Restaurant und Büro, die Ausarbeitung der Prozesse und eine ausgiebige Marketinganalyse. Das tolle am Restaurantgewerbe ist, dass alles vom ersten Tag an stimmen muss, da die Kunden keine Fehler verzeihen. Daher war bei uns die Vorbereitungszeit insgesamt drei Jahre, was deutlich länger als die der meisten Start-ups ist. Zu den bekannten Herausforderungen kommen in den USA noch die andere Rechtslage und Einwanderungsbedingungen, die neue Kultur und damit verbundene Herausforderungen bei Mitarbeiterauswahl und –training sowie das Verständnis der deutlich anderen Kundenerwartungen hinzu.

Hattet Ihr mit Problemen gerechnet, die dann entweder gar nicht eintraten oder weniger schwierig waren als angenommen?

Leider war es genau das Gegenteil. Es traten noch mehr unerwartete Aufgaben auf, an die wir nicht gedacht hatten. Beispielsweise die Komplexität der Geräte und Zulieferer oder die unerwartet harten Vorschriften der Bau- und Kontrollämter der Stadt. Die Restaurantbranche ist gerade beim Einstieg hart und erlaubt keine Fehler. Wir haben uns zwar Jahre lang vorbereitet, aber im Endeffekt immer noch nur einen Bruchteil davon verstanden, was es braucht, um in der Systemgastronomie erfolgreich zu sein.

Inwiefern habt Ihr Euer Firmenkonzept an die Mentalität der Amerikaner angepasst?

Zunächst waren wir etwas naiv und zu optimistisch davon ausgegangen, dass wir das Konzept des deutschen bzw. europäischen Döner Kebaps 1:1 auf die USA kopieren können. Wir haben uns dabei immer wieder die gleiche Frage gestellt: warum gibt es in den USA nirgends Döner Kebap? Wir haben uns zu Beginn eingeredet, dass es niemand richtig versucht hat beziehungsweise nicht genug Migration aus der Türkei stattgefunden hat, um das Produkt wie in Deutschland zu etablieren. Das hat dazu geführt, dass die ersten Monate und Jahre mit einer sehr europäischen Brille an Produkt- und Konzeptentwicklung herangegangen sind. Etwa beim Innenraumdesign und beim Geschmacksprofil. Nach mittlerweile über 5 Jahren Erfahrung hat sich die Sichtweise komplett geändert. Heute schneidern wir unser Konzept genau auf den US amerikanischen Kunden zu, was sich in vielen alltäglichen Details zeigt. Ein kleines Beispiel ist die Geschmacksausrichtung. In Texas ist aufgrund der Nähe und Verbundenheit zu Mexico Schärfe und Würze bei Fleischgerichten unabdingbar. Daher gibt es bei unseren Dönern mittlerweile Jalapenos als Zutat. Das ist nur ein kleines von vielen Beispielen. Am Ende müssen die Marke und die Produkte zu 100 Prozent schlüssig für die US amerikanischen Kunden sein.

War VertsKebap Eure erste Businessidee oder gab es andere, die Ihr verworfen habt?

Verts war die erste „ernste“ Business Idee. Klar, man macht sich als Student immer Gedanken, was man mit seinem Leben anfangen möchte und träumt von vielen Dingen. Wir waren damals auch sehr am Gründertum interessiert, haben etwa Praktika in Online-Start-ups gemacht und haben uns an der WHU in vielen Bereichen hierzu engagiert (z.B. bei der Organisation des IdeaLab! 2007). Über eigene Ideen nachzudenken wird im Umfeld an der WHU ja sehr gefoerdert. Daher sind uns viele verschiedene Geschäftsideen während der Studentenzeit durch den Kopf gegangen. Allerdings kam es nie zu einer Ausarbeitung eines Businessplans oder intensiveren Nachforschungen. Erst bei Verts war die Motivation und Faszination groß genug. Und das ist auch sehr wichtig für uns, damals wie heute, denn die Faszination und Begeisterung für unser Unternehmen ist nach wie vor ungebrochen.

Was sollte jeder deutsche Gründer in den USA unbedingt beachten?

Wenn man als Deutscher eine Firmengründung in den USA in Erwägung zieht, sollte man vor allem viel Zeit (sorgfältige Vorbereitung) und einen soliden Finanzplan mitbringen. Bei der zeitlichen Dimension geht es unter anderem um das tiefe Konsumenten- und Marktverständnis, das man sich hart erarbeiten muss. Viele Dinge, die in Deutschland als intuitiv richtig erscheinen, sind in den USA ganz anders. In der Restaurantbranche sind das zum Beispiel das Verständnis von gutem Service oder die Wahrnehmung von Preisen im Verhältnis zum Wert des erbrachten Services. Außerdem sind bei der Zeitplanung immer die regulatorischen Hindernisse zu beachten (Visum, Genehmigungen etc.). Die zweite Komponente, die solide finanzielle Planung, hängt mit der ersten zusammen. Vor allem in den USA unterschätzt man sehr leicht Start-up Kosten, da die angebotenen Produkte und Dienstleistungen auf den ersten Blick oft sehr günstig aussehen (Nettopreise), dann aber nach Steuern, Gebühren und sonstigen Aufschlägen bis zu 50 Prozent teurer sind. Vor allem bei Dienstleistungen ist dies der Fall. Wir mussten ebenfalls einige Lektionen hierzu lernen, haben aber glücklicherweise unser anfängliches Finanzpolster ausreichend geplant, dass wir in keine Liquiditätsengpässe gekommen sind. Wenn eine solide Zeit- und Finanzplanung zusammenkommen, sollte einem guten Start in den USA nichts im Wege stehen. Die Märkte und Kaufkraft sind groß und dementsprechend auch das Potential für junge Unternehmen, egal aus welcher Branche.

Dominik Stein

Dominik Stein und Michael Heyne, Gründer von VERTS Mediterranean Grill

VERTS Mediterranean Grill verkauft gutes Essen und gute Laune

Kebap einmal anders, optisch ansprechend und gesund

Die Restaurants sind gut besucht