Dienstag, 16. Oktober 2018

„Wir müssen alte Muster verlassen“

Der diesjährige Campus for Family Business an der WHU – Otto Beisheim School of Management tagte am Freitag, den 12. Oktober unter der Leitfrage „Unternehmer-Familien mit Zukunft?“ am Campus Vallendar. In Workshops und Podiumsdiskussionen tauschten sich die Teilnehmenden mit etablierten Familienunternehmern sowie der Nachwuchsgeneration zu Themen wie der Zukunftsgestaltung deutscher Familienunternehmen, der perspektivischen Zusammenarbeit mit Startups und der sich wandelnden Unternehmenskultur aus.

Keynote Speech von Christiane Underberg, Geschäftsführerin der Semper idem Underberg AG

Die Themen Innovation und Nachhaltigkeit zogen sich durch das gesamte Programm. Bei der Frage nach den erfolgversprechenden Faktoren der Zusammenarbeit mit Startups erläuterte Felix Fiege, Geschäftsführer in der fünften Generation bei FIEGE Logistics, dass das Logistikunternehmen sich ein Beispiel am Innovations-Spirit der Startup-Szene nehme. Dabei beziehe das Familienunternehmen anhand von neuen Geschäftsmodellen die Kooperation mit Startups in das eigene Unternehmen mit ein. Unter dem Leitgedanken „Kooperieren statt Kopieren“ entstanden unter anderen das industrielle Startup Westphalia DataLab zur Analyse von Unternehmensdaten und der Online-Lademittelservice PALETTENHELD.COM.

Innovationsanspruch an sich und an ihr familiäres Traditionsunternehmen vermittelte auch Christiane Underberg, Geschäftsführerin der Semper idem Underberg AG. Die Geschäftsführerin versteht Innovation im Sinne von ganzheitlichem Wandel in der Unternehmenskultur. Dieser Wandel gelinge, wenn man den Menschen vor die Struktur stelle, also den Mitarbeiter mündig werden ließe. Mit den Worten „Wir müssen alte Muster verlassen“ betonte Underberg, dass zukunftsweisendes und nachhaltiges Handeln auf den unterschiedlichsten Ebenen eines Unternehmens stattfinden sollte. Dies beginne zum Beispiel bei der Kompetenz-Erweiterung der Mitarbeiter und reiche bis zum gemeinsamen Hinterfragen und Diskutieren von übergeordneten Fragen im Alltag.

Auch in der Podiumsdiskussion der jungen Runde wurde traditionelles Denken aufgebrochen und auf innovatives Handeln gesetzt. Im Gegensatz zu der männlichen Nachwuchsgeneration war auf der weiblichen Seite, mit Lena Schaumann und Verena Bahlsen in der Runde, der Trend zum eigenen Gründen von Berliner Startups zu sehen. In Schaumann’s Fall wurde ihr Startup Lumizil, welches „die beiden Welten ´stationär‘ und ´online‘ zusammen bringen sollte“ als eigenständige Einheit in das Möbel-Familienunternehmen eingegliedert und mit Bahlsen’s facettenreichem Restaurant HERMANN’s eine neue Plattform für eine nachhaltigere Lebensmittelbranche gegründet. Auf die Frage, wie sehr sich das Aufwachsen in einem Familienunternehmen auf die junge Generation auswirke, war sich die Runde einig, dass sie dankbar dafür sind, dass ihre Eltern ihnen beispielgebend vermittelt haben, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen.

Das Institut für Familienunternehmen der WHU organisiert jährlich unter der Leitung von Prof. Dr. Nadine Kammerlander den Campus for Family Business. Dieser bietet die Gelegenheit, theoretische Aspekte der Wissenschaft mit der Praxis zu verbinden und so Themen wie Innovation, Führung und Nachfolge in Familienunternehmen zu diskutieren.  

Podiumsdiskussion der Jungen Runde (v.l.n.r.): Lena Schaumann, Verena Bahlsen, Rick von der Becke, Maximilian Deharde und Moderator Michael Oelmann

Workshop von Natalie Meckelburger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Coroplast Fritz Müller GmbH & Co. KG

Dinner Speech von Dr. Juliane Kronen, Gründerin und Geschäftsführerin der innatura gGmbH