Montag, 13. März 2017

14. ACMAR Konferenz mit Rekordbeteiligung

Die diesjährige ACMAR-Tagung an der WHU – Otto Beisheim School of Management mit einer Rekordteilnehmerzahl und der bisher höchsten Zahl eingereichter Papiere stand unter dem Eindruck der Digitalisierung und ihrem Einfluss auf das Controlling und die Finanzfunktion. Prof. Dr. Utz Schäffer wies in seiner Einführung auf ein aktuelles Defizit hin: „Es ist schwer verständlich, warum die Wissenschaft dieses in der Praxis so brennende Thema bisher stark vernachlässigt hat.“ Zwei der drei Hauptredner trugen dazu bei, dieses Defizit etwas zu vermindern.

Die Annual Conference for Management Accounting Research (ACMAR) an der WHU hat einen festen Platz in der Liste der Tagungen, auf denen sich die internationale akademische Controlling-Community trifft. Sie fand am 9. und 10. März im Vallendar statt – dieses Jahr zum vierzehnten Mal. Durch drei Keynotes, parallele Vorträge, Diskussionen „am runden Tisch“ und einem Doktorandenseminar bot die Tagung eine ideale Plattform, um sich über den Stand der Controllingforschung auszutauschen. Hiervon haben 150 Professoren, Forscher und Doktoranden von allen Teilen der Welt Gebrauch gemacht.

Frank Moers von der University Maastricht beschäftigte sich im ersten Hauptvortrag mit einem grundlegenden Controlling-Thema, dem Zielsetzungsprozess. Basierend auf einer empirischen Studie in den USA und Europa lieferte er eine Fülle von Anstößen für die weitere Forschung. Hierbei fokussierte er insbesondere auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Zwecke des Zielsetzungsprozesses – Motivation, Fairness und Koordination – sowie auf alternative Charakteristika von derartigen Prozessen.

Im zweiten Hauptvortrag berichtete Christian Klein, Chief Controlling Officer und Chief Operating Officer von SAP, über die digitale Transformation seines Unternehmens und ihre Konsequenzen für die Controllingfunktion. Er gab den Teilnehmern des Kongresses eine ermunternde Botschaft mit auf den Weg: Maschinen werden im Controlling auf Sicht nur Standardaufgaben wie das Reporting übernehmen; das wichtige Feld der Analysen wird dagegen auch in Zukunft menschengetrieben sein. Dies erfordert aber neue Fähigkeiten der Controller. Pointiert auf den Punkt gebracht: „Früher suchte ich Excel Cracks, heute Data Scientists, um aus big data big insights zu machen“.

Im dritten Hauptvortrag mahnte Paolo Quattrone, Professor an der University of Edinburgh, einen kritischen Umgang mit der Flut heute verfügbarer Daten an. Er gab einen historischen Abriss über die Entwicklung des Rechnungswesens. In dieser hat die Funktion, mit Zahlen eine ausgewogene Kommunikation über Probleme zu ermöglichen, immer eine zentrale Rolle gespielt. Mit zunehmenden technologischen Möglichkeiten ist der Raum für die individuelle Einschätzung von Zahlen aber immer weiter eingeschränkt worden. Dass die von Quattrone  zu Beginn gestellte Frage, ob die Digitalisierung die Unternehmenssteuerung weiser mache, positiv zu beantworten ist, ist deshalb alles andere als sicher.

Die nächste Annual Conference for Management Accounting Research (ACMAR) wird am 8. und 9. März 2018 in Vallendar stattfinden.